Argentinien von Rosario nach Chubut

von Christiane

Argentinien vom 12.02.2018 -11.03.2018

Argentinien liegt im Süden von Südamerika. Es grenzt im Norden an Bolivien, im Nordosten an Paraguay, im Osten an Brasilien, im Südosten an Urguguay und im Westen an Chile.Der Landesname leitet sich von der lateinischen  Bezeichnung für Silber – argentum – ab und stammt aus der spanischen Kolonialzeit, als man hier Edelmetalle zu finden hoffte. Bis zu seiner Unabhängigkeit 1816 war es Teil des spanischen Kolonialreiches. Politisch ist Argentinien eine präsidentielle Bundesrepublik, in der die einzelnen Provinzen weitreichende Kompetenzen innehaben. Mit einer Fläche von knapp 2,8 Mio. km² ist Argentinien der achtgrößte Staat der Erde und der zweitgrößte des südamerikanischen Kontinentes. Im Hinblick auf die Einwohnerzahl steht es mit rund 44 Millionen Einwohnern in Südamerika an dritter (nach Brasilien und Kolumbien) und in ganz Amerika an fünfter Stelle. Etwa ein Drittel der Bevölkerung konzentriert sich im Ballungsraumes der Hauptstadt  Buenos Aires,  die als bedeutendes Kulturzentrum Amerikas gilt, in dem unter anderem der Tango Argentino seinen Ursprung hat. Weitere Ballungszentren bilden die Städte  Cordoba, Rosario, Mar de Plata, und Mendoza. Große Teile des trockenen und kalten Südens sind dagegen nur sehr dünn besiedelt. Mehr als 90 % der Bevölkerung stammen nach der offiziellen Statistik von eingewanderten Europäern ab, hiervon etwa 36 % von Italienern, circa 29 % von Spaniern und etwa 3–4 % von Deutschen. Wirtschaftlich spielen traditionell die Landwirtschaft, Viehzucht und der Rohstoffabbau eine große Rolle. Bis etwa 1950 war Argentinien eines der reichsten Länder der Erde, dann sorgte der herrschende  Peronismus für einen  staatlich gelenkten  Industriesektor und das Wohlstandsniveau sank in der Folge auf ein mittleres Niveau ab. Erst in den 1990ern fand eine Umkehr dieser Politik statt und die verarbeitende Industrie sowie der Dienstleistungssektor konnten sich marktwirtschaftlich entfalten.

Unser kurzer vierwöchiger Heimataufenthalt in Deutschland ging diesmal schnell vorbei. Auf der einen Seite, weil wir einigen aufwendigen Papierkram persönlich erledigen mussten, zum anderen war Birgers Schwester aus Australien mit ihrer Tochter auch auf Heimatbesuch und es gab viel zu erzählen. Drei Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Die Zeit mit Freunden und Familie beim abendlichen Kartenspielen oder gemeinsamem Essengehen haben wir sehr genossen. Ja, etwas kalt war es schon in Norddeutschland, aber in Uruguay hat uns ja der Sommer empfangen. Nach einem angenehmem Nachtflug kamen wir recht ausgeschlafen in Montevideo an. Mit dem Taxi ging es zügig zum Busterminal, von dort aus schon 30 Minuten später weiter mit einem Bus nach Nueva Helvetia. Es lief alles wie am Schnürchen und nach 2 Stunden Busfahrt wurden wir schon von Rolf, dem Besitzer des Hotels Suizo, an dem unser Womo geparkt war, mit unseren Autoschlüsseln in der Hand erwartet. Wir fühlten uns direkt wieder heimisch. Nach dem wir unsere Tasche ausgepackt hatten, kurz einkaufen waren, den Wassertank im Womo aufgefüllt hatten, haben wir uns einen schönen Platz bei Rolf auf der Campingwiese gesucht. Alfred und Yvonne aus Deutschland waren schon dort, die beiden leben in Irland und reisen seit über sechs Jahre jeweils im irischen Winter mit ihrem Transit durch Südamerika. Am nächsten Tag kommt Ritro aus der Schweiz noch dazu, wir haben ihn im Dezember kennengelernt und das Hallo ist groß. Wir trinken zusammen Kaffee und er erzählt uns was bei ihm so alles passiert ist in den letzten 10 Wochen. Es ist gemütlich auf dem Platz, Birger zieht es aber auf die Strasse. Wir beschließen noch einen Ruhetag einzulegen bevor es los geht. Ja, aus diesem einem Tag werden dann schnell fünf Tage. In meinem Handgepäck hat sich wohl der deutsche Grippevirus versteckt und wurde von zwei Tagen uruguayischer Sonne hervorgelockt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so krank war. Zwei Tage habe ich durchgeschlafen, alles genommen was die Hausapotheke hergab und nach vier Tagen konnte ich wieder mit beiden Augen in die selbe Richtung schauen. Mittlerweile hat sich die Campergemeinde vergrößert. Silvia und Randi aus Saarbrücken kamen (mit Wick-Vaporup in der Hausapotheke, vielen dank nochmal!),Helmut aus dem Schwabenland  und Heike und Jürgen aus der Nähe von Stuttgart. Eine wirklich lustige Truppe, der Abschied viel nicht leicht. Aber die Reise muss ja mal beginnen. Die erste Tour führt uns ca 280 km bis an die Grenze von Argentinien. Am nächsten Morgen geht es direkt über die Grenze. Wie immer ist der Grenzübertritt entspannt und in 20 Minuten ist alles erledigt. In Argentinien füllen wir unseren  Kühlschrank, man darf ja weder Fleisch noch Obst/Gemüse mit über die Grenze nehmen und tanken voll. Eine längere Strecke liegt vor uns. Die ersten 200 Kilometer sind eher langweilig, bis auf einen kleinen Vorfall, der uns einen recht großem Steinschlag auf der Windschutzscheibe hinterlässt. Dann führt uns die Straße durch eine Art Lagunengebiet. Auf einem Damm entlang fahren wir ca 100 km, rechts und links ist Wasser, kleine Felder, einige Vögel.

Auf der anderen Seite des Dammes liegt die Stadt Rosario, ziemlich große ca 1,4 Mio Einwohnern. Hier wollen wir den Steinschlag reparieren lassen, bevor wir einen Riss über die ganze Scheibe bekommen. Wir wenden unsere altbewährte Taktik an. Wir tanken und fragen an der Tankstelle nach einem Geschäft das Windschutzscheiben repariert. Die Tankwarts können nicht helfen, aber ein anderer Kunde gibt uns gleich eine Adresse. Läuft ja super! Auf dem Weg dort hin kommen wir an einer anderen Werkstatt vorbei, die Scheiben repariert. Wir halten an und fragen, klar kein Problem. Als der Mitarbeiter sich dann nach unserem Fahrzeug und Baujahr erkundigt, verstehe ich, dass er uns eine neue Scheibe verkaufen will. Aber wir wollen nur den Steinschlag repariert bekommen. Nein, das machen sie nicht. Aber er gibt uns eine Adresse in der Av. Mitre. Wir halten noch an anderen „parabrisas reparaciones“ an, weil in Südamerika meist alle Geschäfte einer Branche im selben Umkreis angesiedelt sind, aber auch diese Werkstätten tauschen die Scheiben nur aus, reparieren nicht und verweisen uns dann an die Adresse in der Av.Mitre. Dort repariert man tatsächlich Scheiben, aber nur innerhalb der Werkstatt. In die kommen wir aber aufgrund unserer Größe nicht hinein. Auf der Strasse will er unseren Steinschlag nicht reparieren wegen des Lichteinflusses der Sonne. Ach so! Das hat in Alaska und und in Belize auch keinen interessiert und die Arbeiten halten noch bis heute an unserer Scheibe. Es gibt eine neue Adresse, doch es ist nach 17.00 Uhr und die Werkstatt hat zu und ich habe nun die Nase voll. Es reicht mir, ich habe keine Lust mehr durch diese riesige Stadt zu kurven, überall die gleiche Antwort zu bekommen und werfe den Gedanken auf, es sei evtl einfacher in einem kleinen Ort morgen unser Glück zu versuchen. Birger findet die Idee richtig doof, lenkt aber ein, er hat Hunger und will auch auf einen CP fahren. Dort kommen wir auch recht spät an, essen etwas und fallen ins Bett.

Am nächsten Morgen versuchen wir im Internet weitere Adresse zu finden. Wir wollen nicht soweit fahren, die Strassen sind nicht so gut und wir haben immer noch Angst vor einem großen Riss. Birger meint wir können mal am CP fragen. Also fragte ich die nette Dame an der Rezeption vom Campingplatz. Klar im Ort gibt es eine Werkstatt, ja ein Freund von ihr, ja der repariert Windschutzscheiben, nein er tauscht sie nicht nur aus. Also fahren wir dort hin. Naja, der Werkstattbesitzer ist super freundlich, seine beiden gut aussehenden Angestellten bieten mir direkt Mate-Tee an, aber sie tauschen Scheiben nur aus.Es ist wie verhext. Aber er versteht unser Problem und  hat eine Idee. Er beginnt rum zu telefonieren. Er hat eine Adresse, ab 17.00 Uhr könnten wir da hinfahren, nur 20 km entfernt. Wir schauen auf die Uhr es ist 9.30 Uhr, etwas lang die Wartezeit. Kein Problem, er telefoniert weiter, fragt, lässt sich zurückrufen etc. Nach ca. 15 Minuten haben wir eine weitere Adresse, auch 20 km entfernt, sogar in unserer Richtung. Ich verstehe, es sei dort ab 14.00 Uhr geöffnet oder auch nur bis 14.00 Uhr…. Egal, wir bedanken uns ganz herzlich, ich werde von allen gedrückt und auf die Wange geküsst und wir machen uns auf die Suche nach der angegebenen Adresse. Tatsächlich stehen wir ca 30 Minuten später in einer Kleinstadt, in der richtigen Strasse, in einem reinen Wohngebiet, die Hausnummer ist schnell gefunden und ein kleines Schild an der Hauswand verrät uns, dass wir wohl richtig sind. Keine Werkstatt zu sehen, ein kleines Wohnhaus mit kleiner Garage. Ein netter Mann kommt heraus, fragt ob wir zu ihm wollen. Ich entschuldige mich für mein schlechtes Spanisch und erkläre ihm unser Problem. Für ihn alles kein Problem, er spräche auch italienisch, wenn uns das helfen würde und das Loch würde er uns flicken, dauert ca 40 Minuten und kostet 20 USDollar. Er holt seine Utensilien aus der Garage und beginnt, wie wir es kennen, auf der Strasse, den Steinschlag zu reparieren. Dabei erzählt er uns seine Lebensgeschichte und mit unserem Spanisch-Italienischem Mischmasch verstehen wir sogar einiges. Zwischendurch kommt noch ein Strassenfeger dazu schliesst sich der Unterhaltung an. Nach einer guten halben Stunden machen wir ein Abschiedsfoto, bedanken uns und setzten unsere Fahrt fort.

Der Ort Villa General Begrano ist unser Ziel. Der Ort liegt in den Bergen, umgeben von Seen, ist geprägt von vielen deutschen Auswanderern und hat einen CP, der früherer mal der Treffpunkt der Reisenden mit eigenem Fahrzeug war. Unser Ziel ist klar, aber der Weg dahin nicht. Ich frage Birger mehrmals ob er den Weg über die Berge nehmen will, er sagt ja. Dann stehen wir ca 30 km vor dem Ziel in einem kleinen Ort,  vor uns die Bergstrasse… nicht geteert, recht steil. Birger schaut mich an, den Weg meinte ich nicht….. wir müssen doch an den Seen vorbei fahren. Ich: An den Seen? Okay, also wieder knapp 40 Kilometer zurück und tatsächlich, welch schöne Strasse führt uns an zwei Seen vorbei in die Berge. Kommunikation ist eben alles! Bei leichtem Nieselregen kommen wir bei Ralf und Bettina auf dem Camping Florida an. Herzlich werden wir empfangen, suchen uns einen Platz, direkt neben einem Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen. Als der Regen nach lässt, gehe ich zu Rezeption, dort funktioniert das Wifi und halte einen Schwatz mit Bettina.. Als ich zurück zum Womo komme, steigt ein Mann gerade aus unserm Womo aus. Artig wie ich bin schüttele ich ihm die Hand und stelle mich vor.Michael bricht in schallendes Gelächter aus und fragt ob ich ihn nicht wieder erkennen würde. 2014 haben wir uns in den USA in Moab zum ersten Mal getroffen und im Januar 2015 in Mexiko auf der Baja California. Klar, ich erinnere mich sofort und frage direkt nach Veronika, seiner Frau. Die ist zu Hause und arbeitet. Er ist für drei Monate alleine unterwegs. Auch gut. Es gibt viel zu erzählen und die nächsten drei Tage verbringen wir zusammen. Gehen in den Ort, trinken und essen gemeinsam und spielen ganz viel Skat und husten gemeinsam….! Michael ist fast zeitgleich mit uns in Uruguay gelandet und hat sich die selbe Erkältung wie ich mitgebracht ….. Bettina und Ralf haben auch immer Zeit für ein Schwätzchen und erzählen uns Geschichten aus vergangenen Tagen, als ihr Platz der Treffpunkt der Reisenden war und viele ihr Auto hier im Winter abgestellt haben. Sie zeigen uns Fotoalben und einige der Reisenden aus Anfang 2000 kennen wir sogar. Aber seid die Verschiffung der Fahrzeuge nach Uruguay viel günstiger ist und man dort sein Fahrzeug für ein Jahr stehen lassen kann, fahren viele Reisende nun eher nach Uruguay und lassen dort ihr Fahrzeug stehen. Etwas schade für die beiden. Aber sie lassen sich nicht unterkriegen und der Platz ist auch bei Argentiniern sehr beliebt.

Nach drei Tagen fahren Birger und ich weiter zum See Embalse, mal wieder mit Blick auf einen See campen, das wäre schön….Die Fahrt ist wunderschön, wir schauen uns die Stadt Alta Gracia an. Die schöne Kirche am kleinen See ist einen Besuch wert und die Lourdesgrotte inclusive Heilwasser und Kapelle am Stadtrand beeindruckt uns.

Im Ort El Roque finden wir auch einen Platz mit Seeblick, es ist Samstag und die Argentinier grillen alle um uns herum, hören Musik und feiern. Ab 20.00 Uhr sind wir fast alleine auf dem Platz. Wir trinken ein Glas Wein und geniessen den Seeblick.

Am nächsten Morgen schreiben wir Michael unser angestrebtes Ziel für den Abend, spontan beschliesst er uns dort zu treffen. Wir fahren einen kleinen Umweg, in der Hoffnung ein schönes Bergpanorama geniessen zu können. In Pan de Azucar gibt es eine Seilbahn, mit der wollen wir den Cerro de Pan de Azucar „besteigen“. Fünf Kilometer ungute Schotterstrasse führen uns zur „Talsstation“ des Sesselliftes. Die Seilbahn bringt uns den Hügel hinauf und wir geniessen die Aussicht. Die weitere Fahrt entlang der Sierra Cordoba beginnt ganz eindrucksvoll mit Hügeln und Felsformationen und endet eher langweilig.

Am Ziel in Mina Clavero angekommen staunen wir nicht schlecht über den von uns ausgesuchten CP. Jeder Stellplatz ist überdacht mit einem hohen Spitzdach aus schwarzer Plane, es gibt pro Platz ein großes Waschbecken mit Wasseranschluss, einen gemauerten Grill mit Abzug, eine Lampe an der Decke. Etwas skeptisch schauen wir uns die Plätze an, kommen wir da drunter oder sind wir zu hoch?  Michael kommt gerade um die Ecke als wir unsere Besichtigungstour abgeschlossen haben, er hat gerade eingecheckt. Gemeinsam manövrieren wir unser Womo auf einen Platz, Michael parkt hinter uns, wir packen die Spielkarten aus und es wird ein langer, schöner Abend.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns, ob wir uns nochmals treffen auf dieser Reise wissen wir nicht, aber vielleicht ja in Deutschland! Unser Fahrt geht weiter Richtung Süden. Patagonien ist unser Ziel, die Seenlandschaften von Bariloche bis Esquel. Vor uns liegen ca 1500 Kilometer durch die öde Pampa. Deswegen wollen wir vorher noch in San Louis an einem See nett campen. Als wir in den Ort einfahren kommen wir schnell an eine Strassensperre. Ein Autorennen findet statt. Die Zufahrt ist noch ca 2 Stunden gesperrt. Eine Umfahrung gibt es. Okay wir fahren wieder ein Stück zurück, erneut durch die Mautstelle und dann einen Seitenweg entlang, Schotter, gut zu fahren, durch ein größeres Wasserloch und zurück zu einer Hauptstrasse. 5 km später wieder eine Strassensperre. Wir sagen wo wir hin wollen, ja okay, wir sollen durchfahren, nach dem Tunnel rechts. Wir landen auf der Strasse parallel zur Rennstrecke, überall an der Absperrung stehen Zuschauer, als die Rennwagen an uns vorbei fahren, platzen uns fast die Trommelfelle…. wie laut ist das denn. Aber der Weg führt auch nicht zum Camping.  Also wieder zurück zur Absperrung, über die Schotterstrasse, zum dritten Mal zahlen wir an der Mautstelle ca 1,5 Euro und beschliessen weiter zu fahren. Es wird ein langer Fahrtag von 570 km durch eher langweilige Gegend. Im Ort Gral Alvear, am angestrebten CP, ein großes Freizeit-Areal mit vielen Grillplätzen, Sportplatz etc. angekommen, ist Birger von dem im Ioverlander-App so angepriesenen Stellplatz total enttäuscht. Unter hohen Tannen, umgeben nur von den Baumstämmen auf lehmigen Boden, ganz alleine, sollen wir stehen. Allein der Wunsch nicht noch mehr Kilometer zu fahren und eventuell mein gutes Zureden bewegen ihn zum Bleiben. Nach dem ersten Glas Weisswein und dem Nutzen des, tatsächlich gut funktionierendem, Internet und der Ankunft von Nachbar-Campern sieht die Welt schon wieder besser aus. Plötzlich steht ein fröhlich lachendes argentinischen junges Paar vor uns und redet freundlich auf uns ein. Aus unseres erstaunten Blicken lesen sie, dass unser Spanisch wohl doch nicht fliessend ist. Sie stellen sich vor, Viviane und Juan, beide Anfang dreissig und voller Fragen über unser Womo und das deutsche Kennzeichen. Sie setzen sich zu uns und stellen viele Fragen und warten geduldig auf unsere gestotterten Antworten. Juan besichtigt das Womo mit Birger von Innen, Viviane und ich unterhalten uns ganz, ganz langsam……sie versprüht ganz viel Energie und wir sind uns sofort sympathisch. Als ich ihr später das Womo von Innen zeigen, findet sie es gemütlich. Sie fragt mich, ob ich glücklich bin mit dem was ich tun. Ich bin überrascht, diese Frage haben uns bis jetzt wenige Menschen gestellt, obwohl sie so entscheidend ist. Ja, ich bin glücklich mit dem wie ich gerade lebe und mit unserer Art zu reisen. Die beiden verabschieden sich kurz und kommen später nochmal zurück, wir tauschen Telefonnummern aus, wechseln die ersten WhatsApp Nachrichten aus, machen Fotos und verabreden uns auf einen gemeinsamen Abend in Mendoza zum Weintrinken in ca fünf Wochen. Juan spricht sogar ein paar Sätze auf Englisch. Eine tolle Begegnung, die ich so schnell nicht vergessen werde! ……..

Die nächsten 800 km fahren wir durch die Pampa, die CPs unterwegs sind eher zweckmäßig als gemütlich, unterwegs sind viele Polizeikontrollen, die in Argentinien alle gleich ablaufen. Die Polizei  stellt mitten auf die Landstrasse die orange-weissen-Hütchen und zwingt alle dazu Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Einzelne Auto werden rausgezogen und kontrolliert. Wir werden 90% durch gewunken. In einem Ort, werden auch wir rausgezogen, eine junge Beamtin will unser Womo von Innen sehen. Ich lasse sie eintreten, sie schaut sich um und fängt an zu reden, sieht mein eher fragendes Gesicht und erklärt auf Englisch, dass sie einen flüchtigen Mann suchen der zwei Mädchen umgebracht haben soll. Gerne darf sie sich im Womo umschauen. Hin und wieder wird unsere Fahrt noch von anderen Kontrollen unterbrochen, die da wären „Controlle Sanitario“, hier wird das Auto desinfiziert für einen Unkostenbeitrag von 25 Cent und an den Grenzen zur nächsten Provinz wird kontrolliert, dass man weder Fleisch noch Obst/Gemüse mit einführt. Zum Glück kennt unser Navigationssysteme maps.me diese Stellen und wir sind immer gut vorbereitet.

Von der Stadt Zapala aus fahren zum Lago Alumine, der glänzende See. Von den 100 km Weg, sind 50 km Schotter, für uns heisst dies ca 3 Stunden Fahrt für die Gesamtstrecke. Die Strasse führt durch tolle hügelige Landschaft, ein grünes Tal. Der See selber ist atmen-beraubend schön.

An der Touristeninfo lassen wir uns über die CP Möglichkeiten aufklären und sind erstaunt über die verhältnismäßig hohen Preise im kleinen Ort. Unser erster Weg führt uns zum See, wir finden einen Parkplatz mit Bootsanleger und einer ganz kleinen Kneipe. Wir entschliessen uns ein Bier zu trinken und sind freudig erregt ein Schöfferhofer-Weizenbier im Kühlschrank der kleinen Kneipe zu finden. Das ist uns entspannt auch die 4 Euro pro Flasche wert, dazu ein paar fettige Empanadas (gefüllte Teigtaschen) und der Tag ist unser Freund.

Später suchen wir dann einen Platz für die Nacht und entscheiden uns für den Camping Municipal. Hier können wir ohne Probleme mit dem Womo bis zum See runter fahren, haben einen tollen Blick, die Betreiber sind super freundlich, Sanitär ist alt aber sauber und wir haben einen tollen Abend am See.

Am nächsten Tag geht es schon wiederweiter. Die Strecke ist nicht lang aber viel Schotter liegt vor uns und das braucht eben seine Zeit. Schöne Landschaft begleitet unseren Weg, ein Fluss läuft lange parallel zur Strasse, wir fahren entspannt… also Birger ist entspannt… ich finde Schotterstrassen eher sch….und bin eher angespannt!

Am späten Nachmittag kommen wir im Ort San Martin de los Andes an. Wir sind ab hier auf Revival-Tour. Vor 12 Jahren waren wir in diesem Teil Argentiniens (und später auch Chiles)  mit einem Leihwagen und Hotelübernachtungen 5 Wochen unterwegs. Wir sind neugierig wie sich der Ort verändert hat. Trotz vieler schlechter Kritiken, weil  der CP direkt an einer lauten Hauptstrasse liegt, entscheiden wir uns dafür eine Nacht auf dem ACA Camping( ADAC in Argentinien) am Ortsrand zu übernachten. Es zeigt sich mal wieder, dass man sich selber ein Bild machen muss, wir finden CP gut und uns stört auch der Verkehr der Strasse nicht beim Schlafen.

Bis zur Ortsmitte sind es nur 1,5 km zu laufen und wir haben Lust auf „Infrastruktur“. An der Touristeninfo lassen wir uns eine aktuelle Karte geben, dann laufen wir runter bis zum See und trinken entspannt ein Bier mit Seeblick. Zurück durch die „Innenstadt“ gehen wir eine Pizza essen und lernen dort Linda aus England kennen. Linda ist um die 40 und reist seit Jahren, jedes Jahr vier Wochen alleine durch ein anderes Land von Mittel- und Südamerika. Sie hat viel zu erzählen und klar, wo wir waren, war sie schon längst auch. Nach dem der letzte Kaffee getrunken und die Pizza aufgegessen ist, verabschieden wir uns von Linda und hoffen, dass sie sich bald mal meldet. Von San Martin geht es weiter durch ein tolles Seengebiet. Der Name „Ruta de Los Siete Lagos“, sagt zwar das der Weg an „sieben Seen“ vorbei führt, aber es sind tatsächlich viel mehr Seen, von denen viele durch kleine Flüsse mit einander verbunden sind. Wir halten an vielen Aussichtspunkten und geniessen die blauen Seen zwischen den Bergen.

Wir finden einen tollen CP direkt an einem der Seen und verbringen einen entspannten Nachmittag mit „Seeblick“.

Mal wieder fahren wir länger als geplant, weil die angepeilten CPs nicht so unser Geschmack sind. Am Ende des Tages landen wir im National Park „Los Alecres“. Auf dem CP Rivadavia finden wir ein tolles Plätzchen mit Blick auf den See und freuen uns etwas müde auf ein gutes Abendessen. Aber erst werden wir umringt von anderen Campern. Viele Fragen, viele Geschichten. Die Unterhaltung erfolgt in Englisch… also nicht so anstrengend für uns. Auch der nette Betreiber von dem Campingplatz spricht perfekt Englisch und kommt für einen Plausch vorbei. Er erzählt von seiner Familie, seinem Studium der Forstwirtschaft in Memphis/USA und seit wann er den CP betreibt. Nach unserem recht spätem Abendessen fallen wir müde ins Bett und entscheiden uns spontan einen Tag länger auf diesem schönen Platz zu bleiben.

Am nächsten Morgen machen wir einen längeren Spaziergang am See entlang zu einer Flussmündung und geniessen den sonnigen ruhigen Tag am See.

Unsere nächste Etappe ist nicht so lang und so lassen wir uns am morgen viel Zeit für den Aufbruch. Die ersten knapp 40 Kilometer führen uns durch den Nationalpark, die Schotterstrasse ist mal besser mal schlechter aber die Ausblicke auf Gletscher, Berge und Seen entschädigen uns.

Die letzten 50 Kilometer gehen etwas zügiger unser Ziel ist der Ort Trevelin und dort der Eco-Camping Vina Nant y Fall. Ein kleiner Winzerbetrieb mit acht schönen Stellplätzen für Wohnmobile, der uns schon von vielen Reisenden empfohlen worden ist. Wir werden sehr freundlich von den Helmut und Ilona aus Kempten und Josh und Ilona aus der Schweiz empfangen. Nach einem ersten kurzen Plausch suchen wir die Besitzer des Campings. Manuel der erwachsene Sohn, erklärt uns alles in langsamem Spanisch, Preise, Duschen, und sein großes Sortiment an Wein, Likör, Käse, Fleisch etc.. Wir sind beeindruckt. Sein Vater Sergio begrüßt uns später ganz lieb und in perfektem Englisch und fragt ob sein Sohn uns auch alles erklärt habe und was immer wir bräuchten, wir sollten ihn einfach ansprechen.  Der Platz liegt in einer tollen Umgebung. Er ist auf der einen Seite begrenzt durch Weinreben, auf der anderen Seite ein kleiner Tümpel mit zwei Bibern und verschiedenen Enten, drei Hunde laufen über den Platz, es gibt Grillstellen, einen Pizzaofen, Waschecken und viele Tische und Bänke. Ein wirklicher Wohlfühlplatz.

Schnell kommen wir mit Helmut und Ilona ins Gespräch. Die beiden sind Anfang siebzig, wandern für ihr Leben gerne, auch im Hochgebirge und waren schon viel in der Welt unterwegs. Die Wellenlänge und der Humor stimmt und wir haben viel Spaß zusammen. Die beiden wollen abends grillen und so organisieren wir noch ein paar Würstchen. Auch Josh und seine Freundin Ilona, beide sind Mitte zwanzig und für ein Jahr unterwegs, schliessen sich uns an und wir haben einen lustigen Abend, der erst sehr spät oder eher morgens früh bei uns im Wohnmobil endet.

Am nächsten Tag stehen wir noch alle auf dem Platz, jeder werkelt am Auto rum oder liesst, jeder plauscht mal mit jedem und abends lassen wir Sergio, den Besitzer dieser tollen Oase,  für uns Pizza machen. Er zeigt uns einen Film über die erste Weinlese auf seinem  Gut und erzählt er komme aus Italien und würde lieber italienisch als spanisch sprechen und englisch nur wenn er müßte. Nach einem gemütlichen Abendessen in seinem Verkaufsraum, der auch halb als Werkstatt genutzt wird, endet der Abend wieder zu sechst in unserem Wohnmobil, draussen wird es abends schon empfindlich kühl. Die Gesprächsthemen gehen nicht aus, es wird mal ernst, mal politisch, mal ironisch-lustig.Die Schweizer verlassen am nächsten Tag den Platz, und die „Drei Generationen Reisegesellschaft“ wie sie uns nennen. Schade, es waren tollen Tage.

Wir anderen bleiben noch weitere zwei Tage zusammen. Geniessen das schöne Wetter, kochen, quatschen, essen und trinken auch mal eine Flasche Rotwein zusammen. Nachmittags liegt jeder in seinem Liegestuhl und hin und wieder kommen vom Nachbarplatz ein paar Kommentare von Helmut  „Wir san ja so faul, da fangen wir ja scho´ fast das Stinken an“  oder von seiner Frau: „ Das ist ja so warm hier, da müssen wir ja aufpassen, dass das Stroh in unserm Kopf nicht das Brennen anfangt!“ Wir kommen aus dem Lachen kaum raus……und entsprechend lassen die  freundlich, sarkastisch-spontanen Antworten von beiden Seiten des Platzes auch nie lange auf sich warten.

Der letzte gemeinsame Tag besticht vor allem durch viel Regen, also verlagern wir unsere gemeinsamen Mahlzeiten – Kaffeetrinken, Apero und Abendessen – ins Wohnmobil.

 

Für uns waren die vier Tage sehr entspannt, lustig, unterhaltsam und ein Kurzurlaub von der „Strasse“. Tolle Leute durften wir wieder kennenlernen und das hat uns sehr bereichert. Aber dann wird es doch Zeit weiter zu fahren. Wir fahren wieder einen Teil der Strecke zurück an den Seen vorbei nach Bariloche. Helmut und Ilona haben das selbe Ziel, aber wollen Wandern gehen. Wir werden uns bestimmt irgendwo on the road wiedersehen. In Bariloche angekommen suchen wir uns einen Campingplatz am See. Der Himmel ist bewölkt und es es ziemlich kalt. 8 Grad Aussentemperatur, wir schalten am Abend sogar die Heizung ein.

Am nächsten Tag fahren wir eine Rundweg durch die tolle Natur um Bariloche herum.  Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und wir haben ca 14 Grad in der Sonne. Wir kommen erst am späten Vormittag los und halten an vielen Aussichtspunkten an um die Seenlandschaft zu bewundern.

Der beste Halt ist allerdings an der „Cervezeria Patagonia“. Hier wird vor Ort Bier gebraut und vom Garten aus hat man einen wirklich spektakulären Ausblick auf die Seen und die Berge. Es ist gerade Mittagszeit, wir erwischen einen Tisch draussen mit einer kreativen Sitzbank mit einer Lehne aus alten Skiern. Das Bier ist sehr lecker, dazu essen wir leckere Empanadas mit verschiedenen Füllungen und eine Portion  Pommes mit Cheddar Sauce. Diese Kohlenhydrate reichen uns  dann für die nächste Woche.

Als die erste Wolken am frühen Nachmittag aufziehen trennen wir uns von der tollen Aussicht und fahren zurück zum Campingplatz. Morgen werden wir Argentinien verlassen und nach Chile fahren. Ende des Monats geht unser Flug. Wir erfüllen uns einen kleinen Traum und werden die Osterinseln besuchen…mehr darüber gibt es dann im nächsten Bericht.

 

Fazit: Die lange Strecke durch die Pampa bis nach Patagonien war nicht so aufregend. Dafür wurden wir mit tollem Wetter, schönen Campingplätzen und einzigartiger Landschaft im Seengebiet in Patagonien entlohnt. Entspannte Tage an Seen und im Nationalpark von Los Alecres, Interessante Begegnungen mit offenen, herzlichen und kommunikativen Argentiniern, Wiedersehen mit alten Reisefreunden, und das Kennenlernen neuer Freunde, dass ist es warum uns unser Leben „on the road“ so gefällt.

 

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