Argentinien: Von Ushuaia bis Uruguay

von Christiane
04.Chile und Argentinien: Die Ostküste von Ushuaia nach Montevideo vom 06.März bis 23.März 2017

 Argentinien  liegt im Süden von Südamerika. Es grenzt im Norden an Bolivien, im Nordosten an Paraguay, im Osten an Brasilien, im Südosten an Urguguay und im Westen an Chile.Der Landesname leitet sich von der lateinischen  Bezeichnung für Silber – argentum – ab und stammt aus der spanischen Kolonialzeit, als man hier Edelmetalle zu finden hoffte. Bis zu seiner Unabhängigkeit 1816 war es Teil des spanischen Kolonialreiches. Politisch ist Argentinien eine präsidentielle Bundesrepublik, in der die einzelnen Provinzen weitreichende Kompetenzen innehaben. Mit einer Fläche von knapp 2,8 Mio. km² ist Argentinien der achtgrößte Staat der Erde und der zweitgrößte des südamerikanischen Kontinentes. Im Hinblick auf die Einwohnerzahl steht es mit rund 44 Millionen Einwohnern in Südamerika an dritter (nach Brasilien und Kolumbien) und in ganz Amerika an fünfter Stelle. Etwa ein Drittel der Bevölkerung konzentriert sich im Ballungsraumes der Hauptstadt  Buenos Aires,  die als bedeutendes Kulturzentrum Amerikas gilt, in dem unter anderem der Tango Argentino seinen Ursprung hat. Weitere Ballungszentren bilden die Städte  Cordoba, Rosario, Mar de Plata, und Mendoza. Große Teile des trockenen und kalten Südens sind dagegen nur sehr dünn besiedelt. Mehr als 90 % der Bevölkerung stammen nach der offiziellen Statistik von eingewanderten Europäern ab, hiervon etwa 36 % von Italienern, circa 29 % von Spaniern und etwa 3–4 % von Deutschen. Wirtschaftlich spielen traditionell die Landwirtschaft, Viehzucht und der Rohstoffabbau eine große Rolle. Bis etwa 1950 war Argentinien eines der reichsten Länder der Erde, dann sorgte der herrschende  Peronismus für einen  staatlich gelenkten  Industriesektor und das Wohlstandsniveau sank in der Folge auf ein mittleres Niveau ab. Erst in den 1990ern fand eine Umkehr dieser Politik statt und die verarbeitende Industrie sowie der Dienstleistungssektor konnten sich marktwirtschaftlich entfalten.

 Grenzübergang: Argentinien (Gualeguaychu) nach Uruguay (Fray Bentos) Von der argentinischen Seite kommend überqueren wir zunächst die Brücke über den Rio Plato. Auf der anderen Seite angekommen zahlen wir erst einmal den Brückenzoll. Danach fahren wir auf drei Schalter zu (sie ähneln einem Drive-In-Schalter) dort gibt man die Pässe aller Mitreisenden ab und der Beamte regelt sowohl die Ausreise aus Argentinien als auch die Einreise nach Uruguay. So dass nach fünf Minuten alle erforderlichen Stemple im Pass sind. 30 Meter weiter parken wir  unser Wohnmobil und betreten das Gebäude zu unserer linken Seite. Dort geben wir an einem Schalter die temporäre Einfuhrerlaubnis für unser Auto aus Argentinien ab um am Nachbarschalter die Einfuhrerlaubnis für Uruguay zu bekommen. In Uruguay darf, dass Auto ein Jahr bleiben.  Deswegen lassen viele Reisende in diesem Land ihr Auto stehen während sie auf Heimaturlaub fahren. Anschliessend wird unser Auto noch von einem Beamten kontrolliert und er öffnet einige Fächer im Inneren und sucht Fleisch, Obst oder Gemüse. Dies darf man nämlich nicht mit einführen. Da wir nichts dabei haben, findet er auch nichts. Nach nur 20 Minuten sind alle Formalitäten zügig und freundlich erledig und wir betreten Uruguay.

Am frühen Morgen verlassen wir die Ocean Endeavour, die die letzten 11 Tage ein vertrautes Zuhause für uns gewesen ist. Auch müssen wir uns von Lena und Hermann und von Henny und Michael verabschieden. Für jeden von uns geht es nun in einer andere Richtung! Mit dem Taxi geht es zum Campingplatz, emails checken, einkaufen gehen und mittags sind wir schon wieder „on the road“.  Weit müssen wir heute nicht fahren. Nach nur 100 Kilometern erreichen wir den Ort Tolhun und dort auf dem Campingplatz am Meer erwarten uns schon Cordula und Bernd. Fast drei Wochen haben wir uns nicht gesehen und wenig gehört von einander, folglich gibt es viel zu erzählen. Das Wetter ist eher schlecht und es ist kalt, also machen wir es uns bei Kaffee, Tee und Keksen in unserem Wohnmobil zu viert gemütlich und quatschen bis tief in die Nacht.

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege, zwar fahren wir in die gleiche Richtung aber unser nächstes Ziel ist den beiden eigentlich zu weit. Über Rio Grande fahren wir wieder zur Grenze nach San Sebastian, die kennen wir ja schon von der Hintour. Diesmal geht alles recht schnell und unerwartet treffen wir hier noch einmal Lena und Herrmann, die beiden sind mit dem Bus unterwegs in Richtung Puerto Natales. Auch wenn ich mich wiederhole das Wetter ist schlecht, es regnet das Thermometer zeigt so um die 7 Grad tagsüber an und die Schotterpiste, die wir 50 km lang hinter der Grenze befahren müssen ist zu einer Schlammpiste mutiert. Viele weisse Flecken sind an unserem Womo nach der Durchfahrt nicht mehr zu erkennen.

Wir machen einen kleinen Umweg um in der Nähe von Cameron uns eine Kolonie Königspinguine anzuschauen. Diese schönen Tiere sieht man nur selten von der Küste aus am Strand, also nutzen wir hier die Gelegenheit. Die Schotterstrasse dorthin macht keinen Spaß, aber das Ziel entlohnt uns. Als wir ankommen hört der Regen für eine halbe Stunde auf und wir können im trockenen auf Tierbeobachtungstour gehen. Ein Kolonie mit ca 100 Tieren steht brav auf einer Wiese am Strand und lässt sich entspannt bewundern. Die Kolonie ist geschützt, somit nicht frei zugänglich und man muss Eintritt bezahlen.

Wir  überlegen ob wir hier in der Nähe übernachten, weil das Fahren im Regen auf den Pisten war anstrengend und total spaßbefreit. Der Platz zum campen scheint uns doch zu nass durch den Regen und die Spuren zeigen, dass schon andere sich hier eingegraben haben. Also fahren wir weiter diesmal auf geteerter Strasse bis zum Fähranleger vor Punta Delgado. An der Touristeninformation kann man auf dem Parkplatz übernachten, wir suchen ein windgeschützes Plätzchen, weil es weht doch ziemlich.  Gerade als bei uns das Essen fertig ist kommen Cordula und Bernd um die Ecke. Das passt ja. Schnell holen wir noch zwei Teller raus und die beiden leisten uns Gesellschaft. Es wird wieder ein schöner und langer Abend.

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege nun endgültig.  Die beiden fahren über eine Schotterpiste langsam nach Puerto Natales um von dort mit einem Frachtschiff nach Puerto Montt über zu setzten.  Unser Ziel ist Montevideo und wir werden die nächsten drei Wochen die Ruta 3 immer an der Ostküste entlang Richtung Norden fahren. Es ist kalt, sehr windig und regnerisch. Wir fahren längere Strecken als geplant, weil viel zu sehen gibt es nicht. Ausser große  Pinguin und Seelöwenkolonien, dafür muss man die Hauptstrasse verlassen und über Schotter-Schlammpisten näher an die Küste fahren. Bei Regen wird davon ohne 4×4 abgeraten. Da es seit Tagen regnet bleiben wir auf der Ruta 3. Auf dem Campingplatz in Puerto San Julian treffen wir Duerr aus Kalifornien wieder.  Wir kennen uns vom sehen, da er auch mit uns in der Antarktis war.  Er ist mit dem Motorrad seid 8 Monaten unterwegs und sieht ziemlich verfroren aus.  Klar, laden wir ihn zum Abendessen und heissen Getränken ein. Er erzählt von seiner Reise, den Abenteuern mit dem Motorrad und seinem Job in Kalifornien, der ab Juli wieder auf ihn wartet. Am nächsten Abend nach ca 420 km treffen wir ihn wieder in Rada Tilly auf dem Municipal Campingplatz.  Es regnet immer noch und er hat hier eine Möglichkeit seine Sachen zu trocknen. Etwas später kommt Paul aus der Schweiz mit seinem Defender Landcruiser auf den Platz an. Wir halten das übliche Schwätzchen bis Birger und ich uns verabschieden um eine Runde am Strand spazieren zu gehen.  Dort angekommen will der Wettergott nicht, dass wir spazieren gehen und so setzen wir uns in eine Bar mit Meerblick, trinken ein  Bier und überlegen, wann wir in den letzten drei Jahren solange so schlechtes und kaltes Wetter hatten….. uns fällt kein Land ein! Reisende die vom Norden kommen erzählen in Buenos Aires sei Wasser-und Stromknappheit bei über 35 Grad Hitze.  Bis dahin sind es noch knapp 2000 Kilometer.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg nach Valdez. 460 Kilometer liegen vor uns, das Thermometer im Bordcomputer piept plötzlich und sagt es seien nun 3 Grad und Glättegefahr. Na,toll, dass ist der Sommer in Patagonien.  300 Kilometer später haben wir dann 21 Grad, die Sonne scheint und auch wir lächeln wieder.  An der Küstenstrasse sehe ich einige Autos am Strand  stehen und eine große Kolonie Seelöwen. Wir halten an und gehen zu den Seelöwen vielleicht 300 Tiere liegen hier am Strand und lassen sich von den ca 30 Zuschauern und ihren Kameras nicht stören. Eher haben wir das Gefühl der ein oder andere ist schon sehr geübt im Posing.  Zwei Tiere sind verletzt, sie sind mit ihrem Hals  in Drahtschlingen hineingeraten. Das macht etwas nachdenklich.

Am späten Nachmittag kommen wir dann in Puerto Madryn auf dem ACA Campingplatz an. Die Sonne scheint, es ist wahnsinnig windig  aber die richtige Zeit für einen Strandspaziergang. Nach zwei Stunden Sonne und Wind geht es uns wieder gut.

Unser nächstes Ziel ist der NP Valdez. Von September bis ca Dezember kann man hier viele Tiere sehen, vor allem Orca Wale, Seelöwen, Seeelephanten und Pinguine.  Wir sind also etwa drei Monate zu spät,  wollen uns aber den NP trotzdem ansehen. An der Besucherinfo erfahren wir, dass es noch einige Pinguine, Seelöwen und vereinzelt Seeelefanten da sind. Auf einem Plan zeigt sie uns die Stellen und weisst daraufhin, am besten am nächsten Morgen loszufahren, weil man die Tiere am besten bei Flut sehen können, nun sei schon Ebbe.  Es ist noch früh am Tag und wir fahren trotzdem eine Kurve von 140 km durch den Park, die Schotterstrassen sind einigermassen okay und es gibt tatsächlich noch ein paar Tiere. Leider sind sie von den Aussichtsplattformen recht weit weg.

Wir bleiben eine Nacht im NP um am nächsten morgen bei Flut noch mal eine Runde zu fahren. Vor dem  Campingplatz treffen wir Paul wieder, checken gemeinsam ein und sind gemeinsam enttäuscht, wie ungepflegt und lieblos betreut dieser großer CP ist. Wir suchen uns ein Plätzchen für die Fahrzeuge und verlassen fluchtartig den Platz um im „Dorf“ ein Bier zu trinken. Die Sonne scheint es ist über 20 Grad warm und wir können seit Wochen mal wieder draussen sitzen ohne zu frieren. Paul hat in seinem Leben schon eine Menge erlebt und lässt uns an einigen seiner bizarren Erlebnisse während seines Berufslebens im Ausland teilhaben. Gebannt hören wir zu. Auch hat er ein paar Abstecher von der Ruta 3 zur Küste gemacht um Pinguine zu sehen, die Strassen waren sehr schlammig und an einigen Wasserlöchern haben sich Autos und LKWs festgefahren. Gut, dass wir den Versuch nicht gestartet haben.

Am nächsten Morgen entscheiden wir uns nicht noch mal eine Runde durch den NP zu drehen, die Wege sind zu weit für so wenig Tiere. Unser Plan ist in sechs Monaten noch einmal nach Valdez zu fahren, wenn auch die Orca Wale dort sind. Auch haben wir noch ein paar administrative Dinge zu erledigen und machen uns auf den Weg zum CP in Puerto Madryn. Paul will am Nachmittag nach kommen. Nachdem wir auf dem CP ankommen sind sitze ich auf einer Bank, frage emails ab und schreibe Whatsapps, als eine sympathische Frau an mir vorbei läuft. Sie hat eine  Argentinienlandkarte mit deutschem Schriftzug unter dem Arm. Ich frage sie gleich wo sind denn herkäme aus Deutschland.  Dagmar setzt sich sofort zu mir  und wir fangen an zu reden. Die Herren gesellen sich etwas später  zu uns und die nächsten sechs Stunden  sitzen wir auf den Bänken und quatschen. Dagmar und Manfred sind im Mai 2015 in Kanada gestartet und wollen Ende Mai ihren Landrover zurück nach Deutschland verschiffen. Es ist so lustig, dass wir uns auf der Strecke noch nie gesehen haben, aber ständig die gleichen Leute getroffen haben. Die Welt ist klein.  Unser Gespräch wird nur hin und wieder mal unterbrochen von der Bemerkung von Manfred, „Äh, wir wollten doch mal unsere Route heute weiter planen!“ Oder auch von Birger „ Wir sollten gleich noch die wichtigen emails schreiben!“ So, gegen 17.30 Uhr macht sich jeder kurz an seine Arbeit. Paul gesellt sich auch noch dazu. Aber nach knapp zwei Stunden gehen wir dann doch wieder zum gemütlichen Teil über, trinken Wein und reden zur Abwechslung mal wieder. Gerne wären wir noch länger geblieben, aber die beiden fahren Richtung Brasilien unser Ziel ist Montevideo, also trennen sich mal Wege von sehr sympathischen Reisenden. Wir bleiben in Kontakt. Paul und wir fahren weiter Richtung Norden.

Im Ort Las Grutas gibt es mehrere Campingplätze und wenn man IOverlander glauben schenkt, sind die Preise wahnsinnig hoch. Bis zu 50 Euro die Nacht. Angekommen fragen wir am ersten Platz nach dem Preis und tatsächlich ist es viel zu teuer. Einige Plätze sind schon geschlossen, und der Ort wirkt auch wie ausgestorben. Auf einem Campingplatz sehen einige Fahrzeuge, der Platz ist nicht so doll aber okay und der Preis auch. Nur fünf Minuten brauchen wir zu Fuss zum Strand und staunen über die vielen Menschen am Strand und die vielen geschlossenen  Geschäfte und Kneipen in der kleinen Fussgängerzone. Ein Badeort und die Saison bzw die Schulferien sind schon vorbei, es ist Nachsaison.   Wir laufen die Promenade entlang und finden dann doch noch eine Strandbar. Setzten uns in die Sonne, beobachten die Leute, blicken auf das Meer und trinken holländisches Bier.

Abends sitzen wir seit langer Zeit mal wieder beim Abendessen vor unserem Wohnmobil draussen nur im T-Shirt. Paul vermissen wir an dem Abend.  Das Wetter ist schön, die Strände hier im Norden  gefallen uns und wir entscheiden uns nicht so weit zu fahren. In El Condor, einem kleinen Touristenort am Meer, sollen in einem Kliff 35.000 Papageien wohnen, zumindest im September und Oktober. Wir gehen zur Touristeninformation und fragen nach. Dort werden wir ganz herzlich empfangen, die nette Dame sprich auch etwas englisch und wir werden überschüttet mit Freundlichkeit und Infomaterial. Ja, die Papageien sind da, nicht 35.000 aber sehr viele. Auf dem Camping Los Tenderos schlagen wir unser Lager auf. Der Camping ist gepflegt, hat viele Bäume und die Besitzer sind super nett. Leider passen wir mit unserem Womo in keine der angelegten Parzellen, da die Äste der Bäume so tief hängen. Es ist eh nicht viel los und wir stellen uns irgendwo hin wo es passt und wir nicht im Weg stehen. Wir laufen zu den Pagapagein aber es ist Flut und wir kommen nicht nah genug an die Klippen heran. Also müssen wir es später noch mal versuchen.  Etwas später kommt Paul auf den Platz gefahren, in Las Grutas war er auf einem anderen schöneren und günstigem CP, dort hatten wir uns verpasst. Gemeinsam trinken wir Kaffee und machen uns am frühen Abend auf zu den Papageien. Inzwischen sind Heinz und Bernadette aus Bern auf dem Platz angekommen und Bernadette begleitet uns zu den Papageien.

Es ist unglaublich welche Geräuschkulisse uns empfängt tausende von grünen Papageien nisten in den Felsen. Es ist ein großes Kommen und Gehen. Wir vier haben die Kulisse an diesem Abend für uns alleine und sind total begeistert. Es ist nicht so einfach die Vögel abzulichten, im richtigen Moment den Auslöser zur drücken.  Wenn das Kreischen aus einer Ecke immer lauter wird wissen wir, dort schwärmen gleich hunderte Vögle gleichzeitig aus dem Fels heraus und versuchen unser Glück „das Foto“ zu schiessen.  Als es Dunkel wird gehen wir zurück zum CP und beschliessen am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang die Tiere nochmal zu besuchen. Abends leistet Paul uns beim Essen Gesellschaft und nach Mitternacht stossen wir gemeinsam auf meinen Geburtstag an. Happy Birthday! Wir beschliessen alle drei noch einen Tag zu bleiben und Paul sagt, er schaut sich mal nach einem Restaurant um  in dem verschlafenen Ort um meinem Geburtstag gebühren zu feiern.  Am nächsten Morgen um 7.00 Uhr bei Sonnenaufgang stehen Paul und wir wieder bei den Papageien am Felsen. Der Fels wird leicht angestrahlt und man kann nun das bunte Gefieder der Vögel besser erkennen als in der Dämmerung am Vorabend.

Nach dem kleinen Ausflug legen wir alles noch mal unsere Häupter aufs Kissen und starten etwas später  noch mal in den Tag. Als die Schweizer Heinz und Bernadette hören, dass ich ein Jahr älter geworden bin, beschliessen auch sie spontan noch eine Nacht zu bleiben um mit mir anzustossen und zu feiern. Paul fragt bei den Campingplatzbesitzern nach einem Restaurant und die beiden sagen, dass sie das Restaurant direkt an ihrem CP heute Abend gerne für uns öffnen würden. Der Koch ist gerade da und fragt was wir essen möchten. Alle sind echt lieb! Ab 19.30 Uhr dürfen wir kommen.  Gegen Mittag machen wir uns alle gemeinsam auf ins 30 Kilometer entfernte Loberia. Dort wohnt die größte Seelöwenkolonie der Welt. Von einem Aussichtspunkt aus kann man die Tiere unterhalb der  Felswand beobachten.  Leider ist gerade Flut, der Strand an dem die Tiere normalerweise liegen ist sehr schmal und viele Tiere im Wasser. Trotzdem ist die die Größe der Kolonie gut zu erkennen und mit dem Fernglas sind sie leicht zu beobachten. Schade, dass wir nicht näher heran kommen.

Am Nachmittag sitze ich entspannt in der Sonne und lese seit langem mal wieder in einem Buch. Die anderen studieren Karten für die Weiterreise oder bearbeiten ihre Fotos. Am frühen Abend stossen wir mit einem Glas Sekt an bevor wir die 50 Meter zum Restaurant gehen. Bei Fisch, Fleisch, Salat, Wein und Wasser wird es ein sehr schöner, entspannter Geburtstagsabend.  Die Themen gehen nie aus und wir lernen uns alle besser kennen. Als später noch andere Gäste spontan kommen freuen wir uns für den Koch, dass er noch etwas mehr Geschäft macht.

Danke an Bernadette, Heinz und Paul, dass sie mit uns meinen Geburtstag so lieb gefeiert haben. Beim Abschied am nächsten Tag überreicht mir Bernadette noch ein Geschenk. Eine Packung deutsches Schwarzbrot! Oh, wie klasse! Nur Langzeitreisende können verstehen wie schmerzlich man solches Brot manchmal unterwegs vermisst. Mit ganz viel Genuss essen wir dies am nächsten Tag und denken ganz fest an unsere Schweizer Reisefreunde. Auch von Paul müssen wir uns nun nach fast einer Woche verabschieden.Paul fährt nun zügig nach Brasilien um sich dort mit einem Freund zu treffen.  Es war eine tolle, interessante Zeit mit dir, danke für die intensiven Gespräche und natürlich auch für das Geburtstagsessen   Vielleicht sehen wir uns nochmal im Sommer!

Unsere Fahrt Richtung Norden geht weiter. Im großen Ort Bahia Blanca versuchen wir unsere Gasflaschen zu befüllen, die Gasstation wechselt eigentlich nur Flaschen aber zwei Mitarbeiter sind sehr rührig und telefonieren etwas rum. Nachmittags um 16.00 Uhr käme der Tanklastwagen und von dem aus könnten sie unsere Tankanlage befüllen. Bis dahin sind es noch drei Stunden und wir wollten noch ein wenig weiter fahren.  Wir hoffen, wir finden wo anders  noch eine Station und so ganz eilig haben wir es noch nicht.  Im Ort Pelhuen finden wir wieder einen schönen CP unter Bäumen im Schatten, es ist windstill und warm. Die Besitzerin ist super nett und sucht das Gespräch mit mir und ist sehr geduldig mit meinen paar Worten spanisch. Ich lerne wieder ein paar Worte dazu. Am 23. März wollen wir in Montevideo sein also machen wir uns am nächsten Tag wieder auf den Weg. In Necochea kommen wir am frühen Nachmittag an. Der große Ort am Meer ist an einem Samstag wie ausgestorben. Den Strand ist  durch einen kleinen Tunnel direkt vom CP erreichbar. Kilometerlanger Sandstrand liegen vor uns und wir machen uns auf den Weg zu einem ausgiebigen Spaziergang mit Füssen im Wasser.

Am Abend lernen wir Pitschi aus der Schweiz kennen. Die junge Frau ist alleine für ein Jahr mit dem Fahrrad unterwegs und erzählt uns von ihrem vielen positiven Erlebnissen, die sie unterwegs schon hatte. Nicht ein negative Erfahrung hat sie bis jetzt gemacht.  Uns zieht es weiter, doch unser Auto quietscht immer stärker.  Seit über einer Woche schon hören wir ein mehr oder weniger regelmäßiges Geräusch aus dem hinteren Teil des Wagens. Wir können noch nicht mal orten ob es von rechts  oder links kommt, mal lauter mal leiser.  Also muss eine Werkstatt gefunden werden. Es ist Sonntag und  in Argentinien ist so gut wie alles geschlossen. Also fahren wir in den 120 km entfernten Ort Mar de Plata. In der 600.000 Einwohner Stadt am Meer gibt es so ziemlich alles. Den Sonntag verbringen wir in einem netten Erholungspark mit vielen Grillplätzen und Sportmöglichkeiten. Um uns herum wird gegrillt, viele Familien sitzen zum „Asado“ zusammen und der ein oder andere versucht ein Schwätzchen mit uns zu halten.  Am Abend sind wir fast alleine in dem großen Arenal. Das Internet ist gut und wir finden im Netz einige Adressen von  Fiatwerkstätten im Ort. Morgens früh am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg. Die erste Fiatwerkstatt auf unsere Liste existiert nicht mehr, hier werden nun große Busse gereinigt. Aber ein netter Angestellte gibt uns eine Wegbeschreibung zum neuen Sitz der Fiatwerkstatt.  Dort angekommen ist weit und breit keine große Werkstatt zu sehen, wir fragen  an einer kleinen Werkstatt nach und bekommen eine neue Wegbeschreibung zu einer angeblich großen Iveco-Fiat Werkstatt. Wir lassen es uns auf der Karte zeigen und fahren los. Auch hier ist wieder Fehlanzeige. Auf der großen Durchgangstrasse ist eine Polizeikontrollstation.  Ich frage mal wieder  und bekomme den Weg beschrieben zu einem Fiathändler. Der ist tatsächlich dort wo er sein soll und kennt auch die einzige Fiatwerkstatt in der Stadt. Nach dem wir über zwei Stunden durch die Stadt gefahren sind, kommen wir tatsächlich an einer Fiatwerkstatt an.  Wir sind auch nicht die einzigen Kunden, die Werkstatt ist voll Autos und die Auffahrtrampe wäre für uns auch  etwas zu steil. Der Kollege an der Reparaturannahme spricht etwas englisch, wir erklären die Geräusche und er verspricht einen Techniker zu holen. Wir parken auf der Strasse vor der Werkstatt und warten.   Nach ca 20 Minuten kommt der Techniker auch. Damit wir uns besser verständigen können holt er Nico dazu. Nico kommt aus dem Verkaufsteam und ist in den USA aufgewachsenen. Zu viert machen wir eine Probefahrt, der Techniker legt sich dann unters Auto und meint den Fehler gefunden zu haben. Aber es quietscht weiter.  Nach ca zwei Stunden suchen, stellt der Techniker fest, dass unter dem Auto alles okay ist aber er glaubt das der Wassertank, der unter dem Wagen befestig ist das Geräusch verursacht.  Wir polstern den Tank von Innen ab und das Geräusch verstummt zeitweise. So ganz können wir es nicht glauben, sind aber beruhigt, dass wohl sonst alles am Fahrzeug „gesund“ ist.

Am Nachmittag fahren wir noch 300 km ins Inland um in General Belgrano auf dem Municipal Campingplatz zu übernachten. Ein riesiger Platz  an einem kleine Fluss, den wir nur mit zwei anderen Campern teilen.

Wir entscheiden uns am nächsten Tag die Strecke bis nach Uruguay durchzufahren. Die Strasse RP 6 ist teilweise eher eine Schlaglochpiste und die LKWs vor uns fahren Slalom um die Löcher herum. So ist für uns schon von weitem ersichtlich, wo die unebenen Stellen sind und wir kurven brav hinter den Lastwagen her. Nachmittags erreichen wir die Grenzbrücke zwischen Argentinien und Uruguay.

Wir  überqueren den Rio Plata und werden freundlich auf der uruguayischen Seite empfangen. Die Ausreise aus Argentinien und die Einreise nach Uruguay wird von einer Person an einem Schalter gleichzeitig erledig und dauert keine fünf Minuten. Dann geht  es weiter zum Zoll. Dort bekommen wir innerhalb von 10 Minuten ein neue temporäre Einfuhrerlaubnis für unser Auto. In Uruguay darf, dass Auto ein Jahr bleiben.  Deswegen lassen viele Reisende in diesem Land ihr Auto stehen während sie auf Heimaturlaub fahren. Ein Beamter inspiziert unser Auto noch von Innen, ob wir auch kein Fleisch, Obst und Gemüse mit über die Grenze nehmen und nach 20 Minuten sind alle Formalitäten erledigt. So schnell und unkompliziert.

Dafür gestaltet sich dann im nächsten Ort das Geld abheben an einem Geldautomaten etwas schwierig. Der Automat nimmt zwar gerne all unsere Wünsche entgegen, aber rückt kein Geld raus. Bei der ersten Bank hilft ein netter Angestellte, aber auch er entlockt dem Gerät kein Bargeld.  Beim nächsten Geldinstitut haben wir das gleiche Problem, bekommen auch Hilfe und der junge Mann versucht es solange bis der Automat endlich uruguayische Pesos ausspuckt. Gewusst wie.Uruguay ist hier total grün, um uns herum ist viel Landwirtschaft, die Strassen sind in einem guten Zustand, aber alles ist hier sehr teuer. Ein Liter Diesel kostet umgerechnet über 1,30 Euro, dass sind wir nicht mehr gewohnt, im Supermarkt ist es teilweise teuerer als in Deutschland und der Geldautomat nimmt locker 6 Euro Gebühren, spukt aber nur 100 Euro aus. Das monatliche Durchschnittseinkommen im Land liegt um die 500 US. Wir wundern uns wie die Einheimischen ihr Leben finanzieren können. Im Granja Hotel Suiza in Nueva Helvecia finden wir einen schönen Platz um zu campen. Das Hotel liegt in  einem  großes parkähnliches Grundstück und auf der Wiese unter Bäumen mit einem schönen Blick über Wald und Wiese darf man stehen. Auch gibt es hier die Möglichkeit das Fahrzeug für längere Zeit unterzustellen.

Genau das haben wir vor. Also putzen und schrubben wir die nächsten vier Tage unser Womo von innen und aussen und bereiten unsere Heimreise vor. Nein, wir nehmen nicht einfach den Flieger und sind in 15Stunden daheim. Wir gehen es langsam an. Von Buenos Aires aus fahren wir mit der MSC Orchestra nach Europa. Drei Wochen dauert die Kreuzfahrt über den Atlantik, wir fahren interessante Häfen an und haben auch einige entspannte Tage auf See. Wir sind sehr neugierig wie uns diese Art des Reisens gefallen wird.

 Fazit: Das Wetter auf diesem Reiseabschnitt war wohl das Schlechteste was wir in den letzten drei Jahren an einem Stück hatten. Das hat leider dazu geführt, dass wir einige Tierkolonien an der Küste nicht besuchen konnten. Schade! Auch die Ruta  3 von Süden nach Norden an der Ostküste entlang bietet nicht viele spannende Aussichtspunkte und die Landschaft haben wir als sehr eintönig empfunden. Die Tundra mag schön sein, aber nicht im Regen. Die Strände und die Sonne weiter im Norden haben wir um so mehr genossen. Dafür haben wir wieder tolle Begegnungen gehabt mit spannenden Menschen, die auch zu Freunden werden.

Dieser Beitrag gehört zu Chile und Argentinien 2017, Reiseberichte, Südamerika