Brasilien, der Süden

von Christiane

Brasilien, der Süden vom  07.12.2017-30.12.2017

Brasilien: Brasilien ist der flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößte Staat der Erde. Es ist das größte und mit über 200 Millionen Einwohnern auch das bevölkerungsreichste Land Südamerikas von dessen Fläche es 47,3 Prozent einnimmt. Brasilien hat mit jedem südamerikanischen Staat außer Chile und Ecuador  eine gemeinsame Grenze. Die ersten Spuren menschlicher Besiedlungen durch die Paläo-Indianer  reichen mehrere tausend Jahre zurück. Nach der Entdeckung Amerikas  und der Aufteilung des südamerikanischen Kontinents  wurde Brasilien eine portugiesische Kolonie. Diese mehr als drei Jahrhunderte andauernde Kolonialzeit, in der Einwanderer verschiedenster Herkunft (freiwillig oder gezwungenermaßen) nach Brasilien kamen, trug erheblich zur ethnischen Vielfalt des heutigen Staates bei. Nach der im Jahre 1822 erlangten Unabhängigkeit, auf die eine Zeit der konstitutionellen Monarchie folgte, wurde das Land 1889 als Vereinigte Staaten von Brasilien zu einer Republik. Nach der Zeit der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 kehrte das Land zur Demokratie mit einem  präsidentiellen Regierungssystem zurück. Laut dem Zensus des Jahres 2010 bekennen sich 64,6 % der Bevölkerung zur römisch-katholische Kirche . Dieser Anteil schrumpft seit Jahren immer weiter: Lag er 1960 noch bei 91 %, nahm er bis 1985 auf 83 % ab und betrug im Jahr 2000 nur noch 73,6 %. Teile des brasilianischen Katholizismus sind stark von afrobrasilianischen Traditionen beeinflusst. 22,2 % der Bevölkerung sind Protestanten. Diese Konfession kam seit dem 19. Jahrhundert mit deutschen Einwanderern ins Land. Im 20. Jahrhundert haben aber vor allem nordamerikanische Missionskirchen Erfolge erzielt. So gab es seit etwa 1960 eine Zunahme protestantischer Sekten und Freikirchen. Heute gibt es 35.000 Freikirchen in Brasilien. 2,0 % sind Anhänger des Spriritismus, 0,3 % bekannten sich zu afro-brasilianischen Religionen wie Candomble und Umbanda. Die wirtschaftliche Struktur Brasiliens ist gekennzeichnet durch die Kernsektoren Dienstleistungen mit ca. 65 %, Industrie mit 17 % und Agrarwirtschaft mit ca. 6,7 % BIP-Anteil.

Die Einreise von Uruguay nach  Brasilien an der Grenze in Chuy ist ganz problemlos. An der uruguayischen Grenze sind wir aufgrund der Beschlagnahme und wieder „Freilassung“ unseres Womos in den letzten Monaten etwas nervös. Aber wir bekommen einen Ausreisestempel in den Pass, der telefonierende Beamte nimmt unsere Einfuhrerlaubnis fürs Womo entgegen und widmet sich wieder seinem Telefonat. Auf der brasilianischen Seite füllen wir jeder eine Touristenkarte aus, gebe diese bei dem netten Beamten ab, der noch freundlich versucht mit uns ein paar englische Sätze zu wechseln. 90 Tage dürfen wir im Land bleiben. Am Nachbar-Schalter gebe ich die Papiere für das Womo ab um die temporäre Einfuhrbewilligung fürs Fahrzeug (TIP) zu bekommen. Die Dame spricht perfekt englisch und bereitet die Papiere vor, in der Zwischenzeit betritt Andre aus Holland das Büro  und wir nutzten die Wartezeit für einen Smalltalk. Dann fahren wir unsere ersten Kilometer in Brasilen in der Region, Rio Grande de Sul. Die Landschaft ist erstmal ähnlich wie in Uruguay. Viel Felder, flaches Land.  Als ein kleiner Fluss rechts unsere Fahrt begleitet, sehen wir die ersten Vögel und die ersten Wasserschweine, Capivari. So niedlich. Da wir fast alleine auf der Strasse sind, halten wir oft an um die niedlichen Tiere zu fotografieren.

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Unser erstes Ziel ist die Stadt Cassion. Nicht weil es in der Stadt etwas zu sehen gäbe, aber sie liegt auf dem Weg und  es gibt einen großen Campingplatz. Freundlich werden wir begrüsst und merken, dass die Aussprache von Spanisch und Portugiesisch  doch sehr unterschiedlich ist.  Unser schlechtes Spanisch wird mit viel Geduld und Mühe verstanden….. leider haben wir keine Chance die junge Dame an der Rezeption zu verstehen, aber mit Händen und Füssen geht alles. Am nächsten Morgen treffen wir den Sohn des CP- Besitzers, der uns in fliesendem Englisch ein paar Tips für die Weiterreise gibt. So, beschließen wir  in Rio Grande den Fluss mit der Fähre zu überqueren, da die Strasse auf der anderen Seite auf einer Art Halbinsel zwischen Lagune und Meer entlang führt. Wir hoffen noch mehr Tiere zu sehen. Der Fähranleger ist schnell gefunden, die Schlange davor ist recht lang, ein Ticketschalter nicht zu erkennen. Ich laufe mal wieder los um Infos zu bekommen. Alle sind super freundlich und erklären uns dass wir uns an der LKW -Schlange anstellen sollen und die nächste Fähre würde uns in einer Stunde mitnehmen. Okay, wir kochen Kaffee und frühstücken erstmal. Der Fahrer aus dem LKW vor uns spricht Englisch und sucht das Gespräch mit uns. Er weist und darauf hin, dass  es auf der anderen Seite  ein langes Stück Strasse gibt, mit vielen Schlaglöchern, wir sollten vorsichtig und langsam fahren, damit wir unser Womo heil über die Strecke bringen.

Aber erst müssen wir mal auf die Fähre rauf. Fähre wäre dann auch eher übertrieben, es ist ein größeres Floss, dass an der Seite von einem Boot mit starken Motor geschoben wird. Die Auffahrt auf das Floss ist recht steil, und wir setzen mit großem Lärm mit unserem Womo hinten auf.  Nix ist passiert. Nun sind wir auf dem Floss müssen aber ja auch wieder runter. Ich frage nach wie die andere Seite aussieht „Nao problemo! Tranquillo!! ( Kein Problem, sei beruhigt!).  Das Floss legt ab, das Boot an der Seite löst sich vom Floss und dreht sich, dockt wieder am Floss an, Seile werden festgezogen und los geht die Fahrt.  Hinter uns steht auch ein Wohnmobil, die Beifahrerin kommt zu uns ans Fenster, fragt ob wir portugiesisch  können, wir verneinen und sie fängt an uns ihre ganze Reise zu erzählen. Wir verstehen, dass sie auf der anderen Seite ihre Eltern besuchen wird  und dass sie sonst mit dem Motorrad viel unterwegs sind, sie schenkt uns einen Aufkleber mit ihr homepage. Nach ca 30 Minuten sind wir auf der anderen Seite in San Jose do Norte angekommen. Die Abfahrt vom Floss geht besser und wir holpern über Kopfsteinpflaster durch den Ort  bis zur Hauptstrasse.

Ja, die nächsten 200 Kilometer sind echt mega langweilig, Lagune und Meer sehen wir hin und wieder mal, leider keine Tiere und die Strasse besteht auf ganz vielen sehr langen Abschnitten aus ganz vielen Schlaglöchern…… Gut, dieser Weg hat sich nicht gelohnt.  In einem Supermarkt füllen wir unsere Vorräte auf und erleben zum ersten aber nicht zum letzten Mal die brasilianische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.  An der Bäckereitheke gebe ich meine Bestellung auf, die junge Mitarbeiterin hat aber eine Frage, die ich leider nicht verstehe.  Sie gibt nicht auf und fragt ob ich Spanisch spreche…. eigentlich nicht aber besser als Portugiesisch … sie organisiert einen Mitarbeiter der spanisch spricht und tatsächlich, sie wollte nur genau wissen welche Empanada ich mit welcher Füllung haben wollte, aufgewärmt oder kalt…. Na, wir hätten nie gedacht, dass wir uns freuen, dass jemand spanisch spricht.  An der Kasse ist die Kassiererin etwas ungeduldig mit unserer Kreditkarte und zieht sie direkt fünf Mal durch.  Die Kassenaufsicht kommt, ein junges Mädchen, sie sagt uns sie spräche deutsch, da ihre Großeltern / Urgroßeltern aus Deutschland ausgewandert sind. Okay, ihr Deutsch ist so gut wie unser Portugiesisch, aber sie macht geduldig und sehr freundlich  die fehlerhaften Transaktionen auf unserer Kreditkarte  alle rückgängig. Nach einer Stunde verlassen wir den Supermarkt . Am späten Nachmittag erreichen wir unser Ziel. Ein Campingplatz abseits der Hauptstrasse, nicht viele Reisenden waren hier, aber die hier waren haben gute Kritiken geschrieben.  Wir fahren drei Kilometer Erdstrasse und kommen an eine Toreinfahrt, fahren hinein und stehen zwischen drei kleinen Häusern. Ein netter Mann kommt direkt auf uns zu und sagt wir sollen ihm hinterher fahren. Über eine Wiese geht es 500 Meter weiter und wir stehen direkt vor einem See. Waschhaus, Küche, Stromanschluss, Wasseranschluss ist alles vorhanden und wir sind ganz alleine. Er erklärt uns alles und spricht ganz langsam und deutlich und wir verstehen ihnen sogar. Dann will er etwas über unsere Reise wissen und dank der Weltkarte, die die  Rückseite unseres Womo ziert, erklärt Birger ihm in Zeichensprache unseren Reiseweg.  Wir machen es uns erst einmal gemütlich. Stellen die Stühle an den See, öffnen eine Flasche Wein und geniessen den Seeblick und beobachten die vielen Vögel am Seeufer und in den  Bäumen. Begleitet werden wir von drei der Hunde des Besitzers. Der kommt eine halbe Stunde später auch noch mal vorbei und bringt seine Frau Elisabeth mit. Sie erzählt von ihren Kindern, von einem Tanzabend und ist neugierig auf unser Womo. Also mache ich eine Führung mit den beiden durch unser „Haus“. Die Unterhaltung mit den beiden geht ganz entspannt. Wir fühlen uns sehr willkommen und geniessen die schöne Umgebung des Platzes.

Doch es zieht uns am  nächsten Tag weiter. 40 km nördlich von Nuevo Hamburgo verbringen wir drei Tage auf dem Platz eines privat geführten Freibades.  Die Besitzer sind super nett und sprechen deutsch. Die Großeltern sind, wie so viele hier in der Gegend, vor Jahrzehnten aus dem Hunsrück nach Brasilien ausgewandert und haben ihre Sprache und auch ihren Dialekt beibehalten und weitergegeben. Der Dialekt ist für uns zu Beginn etwas schwer zu verstehen. Ich dachte sie spricht einen Schweizer Dialekt aus einem kleinen Bergdorf, Birger dachte, der starke Akzent käme aus irgendeiner niederländischen Provinz.  Wir sollten diesen Dialekt in den nächsten Tagen noch öfter hören. Auf dem Gelände gibt es viele Grillplätze und wir stellen uns unter einige Bäume in den Schatten. Hier treffen wir auch Andre aus den Niederlanden wieder und wir verbummeln entspannt den ganzen Nachmittag.  Leider bemerken wir den Angriff der Mücken zu spät und werden total zerstochen… unsere Beine ähneln einem Kirschstreuselkuchen und dies soll auch noch länger so bleiben. Am Sonntag wird es etwas trubelig auf dem Freibadgelände, die Einheimischen kommen um zu grillen. Andre ergreift die Flucht und setzt seine Reise fort, wir bleiben und beobachten das Spektakel. Unsere Reise geht weiter in das  Weinanbaugebiet, Vento  Goncalves, von Brasilien. Schöne Hügel, viele Winzerbetriebe und wir sind so schlau und fahren am Montag Mittag durch das Gebiet…alles ist irgendwie geschlossen, aber die Gegend ist nett.

So bleiben unsere Weinvorräte unaufgefüllt und wir fahren weiter Richtung Gramado. Das St.Moritz von Brasilien, weil hier im brasilianischen Winter tatsächlich Schnee liegt und man irgendwo auch Skilaufen kann.  Vorher passieren wir noch den Ort Nova Petropolis  auch eine „Deutscher“ Ort mit Weihnachtsmarkt und vielen deutsch klingenden Restaurants und Geschäften. Parkplätze im Zentrum sind gerade rar, klar es ist eine Woche vor Weihnachten…. aber ein kleiner Park weckt unser Interesse, es wird mit einem „Willkommen-Schild“ geworben und mit einem Biergarten. Am Eingang werden wir auf portugiesisch begrüßt als wir uns als Deutsche „outen“ gibt es eine kurze unsichere Begrüßung auf Deutsch. Der Park ist nicht der Rede wert, aber an den Wegen gibt es Tafeln als  Deutschkurse für die Brasilianer. Seht selbst…..

In Gramdo angekommen staunen wir nicht schlecht, Hotel Alpenhof steht neben der Pension  Almhütte usw. Der Campingplatz etwas ausserhalb der Stadt ist ziemlich gut besucht, vornehmlich Dauercamper mit wirklich große Wohnmobilen. Wir wundern uns wo die alle herkommen, auf der Strasse sind wir nicht einem begegnet.  Wir teilen uns unsere „Terrasse“ vor dem Wohnmobil mit netten Brasilianern.  Am nächsten Tag nehmen wir den Bus in die Stadt und schauen uns  das kleine „schweizer Bergdorf“ genauer an. Alles ist weihnachtlich dekoriert doch bei ca 28 Grad kommt keine rechte Weihnachtsmelancholie bei uns auf. Ein wenig überfordert sind wir von dem Überangebot an Restaurants, Kneipen und Cafés. Schliesslich landen wir in einem Steakhaus. Hier ißt man entweder Fleisch von einer heissen Platte ähnlich wie bei uns in Deutschland „der Heiße Stein“ oder man  bestellt eine Art „Flying Buffett“ , dass bedeutet, dass bestimmte Kellner mit Fleischspiessen durchs Lokal laufen und von Tisch zu Tisch gehen und einem unterschiedliche  Fleischsorten vom Spiess runter schneiden. Wir entscheiden uns für den heißen Stein. Am Nachbartisch speist gerade wohl der Inhaber,  er ist besorgt um unser Wohlgehen  ( wir sind die einzigen Ausländer) und verkürzt uns unsere Wartezeit in dem er seine Leute anweist mit einigen Kleinigkeiten von den Spiessen  an unserem Tisch vorbeizukommen, sozusagen als Vorspeise auf Kosten des Hauses. Ein Gitarrenspieler sorgt für gute Stimmung und als er Kinderlieder anstimmt ist er umringt von ganz jungen Fans, aber die Großen singen auch kräftig mit.  Wir bleiben etwas länger sitzen, trinken noch ein Bier und geniessen die brasilianische Esskultur.

Zurück am Platz staunen wir mal wieder nicht schlecht, wir haben Nachbarn bekommen. Sie haben sich kuschelig nah an unser  Womo gestellt, auch dass müssen wir hier lernen, die Brasilianer stehen gerne nah beieinander. Für uns etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir sind hier die Gäste. Unsere Nachbarn, Renate und Ivo, sind super nett. Renate spricht fliessend deutsch ohne Akzent und wir können sie mit all unsern Fragen löchern. Ihr Mann spricht zwar kein Deutsch ist  aber super aufmerksam und ahnt schon im Voraus welche Hilfe wir brauchen. Sie geben uns ihre Adresse und Telefonnummer, falls wir einmal Unterstützung in ihrem Land benötigen. So, lieb! Danke, ihr beiden es war eine schöne Begegnung.  Für uns wird es nun aber Zeit wieder an die Küste zu kommen, ja es wird wärmer als in den „Bergen“ aber das Meer ruft.  Unterwegs besuchen wir noch einen kleineren Wasserfall.

Im Ort Torres verbringen wir drei entspannte Tage.  Es gibt die Felsen „La Guarita“  direkt am Strand von denen man einen schönen Meerblick hat. Die Strände sind weiss und lang. Wir laufen viel, sitzen nett in Strandbars und haben „Urlaubsfeeling“.

Immer weiter geht es die Küste entlang. In Garobapa gönnen wir uns einen schönen Stellplatz mit Meerblick und direkt am Strand.  Strandspaziergänge  und Quätschchen halten mit den Nachbarn sind unsere einzige Beschäftigung. Es ist der Beginn der Weihnachtswoche und viele Camper haben schon ihr Lager aufgestellt. Einige lassen hier ihr Zelt oder Wohnmobil bis Ende Februar stehen. Naja, die Unterbringungen nur Zelte zu nennen ist wirklich untertrieben.  Es werden riesige Planen gespannt, darunter ist auch irgendwo ein Zelt versteckt aber auch Gasherde, Kühlschränke auch gerne Kühltruhen, nicht zu vergessen Fernseher, Satellitenschüssel und Ventilatoren…. . Eine für uns eher neue Art des Zeltens.  Unsere Nachbarin spricht deutsch mit Hunsrücker Dialekt, andere sprechen uns auf Englisch an…. uns wird nicht langweilig.

Am frühen Abend gehen wir Cocktails trinken, und zwar bei einem mobilen Stand am Strand. Der Inhaber mit seinem Sohn sind super freundlich, mixen unsere Bestellung, was nicht mehr ins Glas passt bekommen wir in einem extra Becher mit auf den Weg. Klar, dass wir am nächsten Abend wieder bei ihnen sind. Der Vater mixt wieder drauf los, wir suchen uns mit den Bechern einen Platz auf einer Bank oberhalb vom Strand. Birger fand seinen Cocktail am Vortag besser, das steht auch schon der Standbesitzer vor ihm, entschuldigt sich er hätte die Kokosmilch vergessen, reisst ihm den Cocktailbecher aus der Hand und verschwindet. Kommt später mit dem überarbeiteten und neu aufgefüllten Getränk zurück, klar gibt es auch wieder einen kleinen extra „Restebecher“. Birger genießt den extra Service. Trotzdem müssen wir weiter.

Florianopolis ist unser Ziel. Eine Schmetterlingsförmige Halbinsel, sehr beliebt bei den Brasilianer als Urlaubsziel. In der Nähe vom Lagoa  Conceicao finden wir einen Stellplatz innerhalb einer Hostelanlage, zwei Minuten vom See und der Flaniermeile entfernt.  Leider spielt das Wetter nicht so mit, es regnet regelmäßig, klar sonst wäre der Süden von Brasilien auch nicht so grün, und die Sonne zeigt sich  nur selten. Wir erkunden den Süden von Florianopolis, sehen schöne Strände, fahren eine schöne Panoramastrasse  am Meer entlang… alles im Regen……

Also bleiben wir den zweiten Tag vor Ort und nutzen eine Regenpause um mal was neues auszuprobieren. Stand-up paddeln. Also auf einem Surfbrett stehen mit einem Paddel in der Hand.  Es ist recht lustig und wir sehen zwar nicht sehr elegant aus, aber zumindest  fallen wir nicht in den See.

Das verdiente Entspannungsbier fällt dann aber ins Wasser, der Regen.  Neben dem Regen  draussen, haben  wir noch viele Mücken im Wohnmobil und unsere Nächte sind wenig erholsam und unsere Beine werden immer unansehnlicher…. nein Fotos gibt es nicht.  Den Norden der Halbinsel erkunden wir kurz bei unserer Abfahrt. Unterwegs halten wir am Strassenrand an und ich gehe zum Bäcker einkaufen. In der Zeit hält ein Auto neben Birger und fragt ihn ob er Hilfe bräuchte. Der nette Brasilianer hat auch in der Nähe ein Wohnmobil stehen und wollte sehen ob bei uns alles in Ordnung ist. Wir sind mal wieder beeindruckt von der Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft  und Offenheit der  Brasilianer. Der Ort Bombinhas lockt uns, vielleicht ein Ort um Weihnachten zu verbringen.  Wir kaufen erst einmal groß ein und begeben uns dann in das Städtchen, das eine Art Eintritt für Touristen verlangt von ca 15 Euro für ein Fahrzeug unserer Größe. Das wussten wir vorher und sind gespannt auf weitere tolle Strände. Uns erwartet erst einmal ein richtiger Touristenort, Promenade, Hauptstrasse, Kneipen, Restaurants, jede Menge ist los. Mal wieder ist die Strasse anstrengend zu fahren aufgrund der vielen Bodenschweller, hier in Brasilien heissen sie Lombados und sind auf allen Strassen in unterschiedlicher Länge und Höhe zu finden, übersieht man sie, scheppert es im Auto, und Schlimmeres kann passieren. Unser erster Wunschstellplatz liegt direkt am Wasser und der Besitzer möchte gerne umgerechnet 80 Euro für eine Nacht von uns haben, aber wir könnten dann auch mit vier Personen campen… wir sind nur zu zweit… egal der Preis steht…. weiter geht die Suche. Der nächste Platz liegt an einer sehr abschüssigen Schottererdstrasse…. wir drehen um.  Der letzte Versuch ist ein Campingplatz mit europäischem Standard. Die Besitzerin und ihr Enkel sprechen Deutsch, ihr Schwiegersohn englisch, es gibt eine Waschmaschine, Grillplätze, ein Spielzimmer für Kinder. Bis zu den Stränden rechts oder links läuft man nur zwei Minuten und die sind wirklich traumhaft.

Leider ist es  schon recht voll. Wir buchen mal für zwei Nächte und nutzen die Waschmaschine und der Strand ist wirklich sehr weiss, lang und das Wasser warm….jeden Tag wird es voller auf dem Campingplatz und wir ergreifen die Flucht…. es ist ein Tag vor Weihnachten und in Brasilien bzw ganz Südamerika beginnen gleichzeitig die 3-monatigen Sommerferien. Es zieht alle an die Küste. Wir wollten schon längst in Foz do Iguacu, den größten Wasserfällen der Welt sein und die Küste hinter uns gelassen haben… aber es war doch so schön…. Wir beschließen, 30 Kilometer weiter zu fahren in der Hoffnung, nicht wie Sardinen auf einem CP zu stehen… aber trotzdem am Meer….. Unser Wunsch wird erhört. Ein großer grüner Campingplatz mit großen Stellplätzen und wir bekommen für zwei Tage einen Platz in der ersten Reihe mit Blick auf Strand und Meer für wenig Geld.  So hatten wir uns das vorgestellt.  Ich springe direkt in den Pool, es ist ziemlich warm die Sonne scheint. Der Strand ist nicht so lange, dafür das Meer etwas rauher, abends gehen wir ins benachbarte Restaurant.  Morgen ist Heiligabend. Wir packen unsere Lichterkette aus ( liebe Grüße an die Hirschis!) legen eine WeihnachtsCD ein…. und dann kommt der Sturm….gemeinsam mit dem CP Besitzern und zwei Nachbarn retten wir die Markise vom Nachbar Camper, dessen Eigentümer noch Zuhause weilt und werden dabei ziemlich nass. Ja, und den Heiligabend verbringen wir am Meer, mit Sandstrand und strömendem Regen in Brasilien….Dafür kochen wir lecker, öffnen eine Flasche Wein und telefonieren mit Daheim. So hatten wir uns dass Weihnachtswetter in Brasilien nicht vorgestellt.

Der 25.12. ist der einzige Weihnachtsfeiertag in Südamerika, wir nutzten den ruhigen Tag und machen uns auf den Weg nach Blumenau. Die Stadt ist von einem Deutschen damals gegründet worden und ist vor allem bekannt durch ihr großes Oktoberfest, wohl das zweit oder drittgrößte der Welt. Wir fahren durch das historische Zentrum, aber so gut gefällt uns nicht was wir sehen, eben eine Stadt von 350000 Einwohnern, der CP sieht auch nicht so doll aus, also gehts weiter. Pomerode, die deutsche Stadt, die ganze Stadt ist irgendwie geschlossen, es regnet mal wieder und unser ausgewählte Camping hat zu, klar, die Besitzer wollen wohl auch in Ruhe Weihnachten feiern. Also geht die Fahrt weiter nach Curitiba. Etwas außerhalb werden wir trotz Feiertag lieb empfangen, und stehen auch nicht alleine. Die brasilianischen Nachbarn sind super nett, wollen mit uns reden und uns helfen. Wobei? Egal! Sie schicken ihren Teenagersohn vor. Er lernt ja  Spanisch in der Schule…. wir versuchen eine Art Kommunikation….. alles sehr lustig und lieb.  Eine Stunden später steht der Teenager wieder vor der Tür, er soll fragen ob wir bei irgendetwas Hilfe bräuchten und ob es uns auch bestimm gut geht…. wir sind total gerührt…..Am nächsten Morgen verabschieden wir uns lieb von unseren Campnachbarn.  Nach einer weiteren Zwischenübernachtung erreichen wir den Ort Foz do Iguacu. Hier kann man die Wasserfälle auf der brasilianischen besuchen. In einem Hostel und Camping finden wir einen schattigen Stellplatz auf dem Parkplatz. Das Hostel ist gut besucht und es ist viel los. Es ist sehr schwül-warm, der Wetterbericht, sagt für die nächsten Tage viel Regen voraus. Ich versuche den besten Tag für den Besuch der Wasserfälle rauszufinden…..Am nächsten Tag beschliesst Birger, es sei der richtige Tag um sich die Wasserfälle anzuschauen. Ich bin skeptisch ist doch für den ganzen Tag Regen vorhergesagt worden und das auf gleich vier verschiedenen Wetterportalen.  Aber der Himmel hat ein paar blaue Flecken und wir ziehen los.  Schon während wir auf den Bus warten, der uns zu den Fällen bringen soll, ziehen immer mehr Wolken auf. Birger versucht Optimus auszustrahlen, meine Blicke verfinstern sich proportional zum Himmel. Am Eingang der Fälle angekommen sind die Ticket schnell gekauft, 10 Schalter sind geöffnet und die Warteschlange vor dem Bus, der uns in und durch den Nationalpark fährt ist nicht sehr lang.  Der Bus hält an verschiedenen Stellen von denen aus man zB „Safaritouren“, Radtouren oder Bootstouren machen kann.  Unser Ziel ist der Punkt…. . Hier beginnt der 1,5 km  lange Spazierweg, von dem man aus den besten Blick auf die Fälle hat. Der erste Blick ist schon faszinierend. Die Fälle sind 2,7 Kilometer  lang und bis 80 Metern hoch. Je nach Wasserstand sind hier zwischen 1f50 und 275 verschiedene Wasserfälle zu sehen. Sie sind höher als die Niagarafälle und breiter als die Viktoriafälle. Man bekommt sie von der Landseite gar nicht in der ganzen Größe zu sehen. Nur immer Teilstücke. Wobei man auf der brasilianischen Seite einen besseren und weiteren Überblick hat, dafür auf der argentinischen Seite näher an den Fällen dran ist und viele unterschiedliche Teilstücke näher sieht. Der Himmel hat dann irgendwann auch ein Einsehen mit uns und die Sonne kommt hin und wieder zwischen den Wolken durch. Auf den Fotos kann man den Unterschied sehr deutlich sehen. Auf dem Weg laufen uns Nasenaffen entgegen, sie sind an Menschen gewöhnt und suchen recht aggressiv nach Essen. Seine Tasche sollte man nicht auf den Boden stellen. Wir geniessen den Weg und machen hunderte von Fotos. Die Fälle beeindrucken uns sehr und der Besuch ist ein Highlight unserer Reise.  Für uns sind sie viel schöner in die Natur eingebettet als die Niagara Fälle und man kann ihre Ausmaße viel besser sehen als  bei den Viktoriafälle.

Nach ca 3 Stunden verlassen wir den Park und besuchen den gegenüberliegenden Vogelpark, der in unserem Reiseführer sehr empfohlen wird. Er ist tatsächlich sehr schön. Gemütlich schlendern wir  durch die vielen offenen Freifluggehege. Die Papageien haben Spaß an den Besuchern oder wollen sie ärgern und fliegen lautkrächzend  und im Tiefflug über unsere Köpfe hinweg.

Es wird immer Wärmer und die Luftfeuchtigkeit ist, klar durch die Wasserfälle, sehr hoch.  Wir sind müde und beschliessen zurück zum Platz zu fahren und den restlichen Tag ruhig anzugehen. Birger nutzt jede Gelegenheit um mir zu sagen, dass er ein besserer Wetterfrosch ist als alle meine Wetter-Prognose-Seiten im Internet. Am nächsten Tag sind wir wieder voller Unternehmungslust. Heute fahren wir zum zweitgrößten Wasserkraftwerk der Welt, dem Itaipu Damm. Der Damm ist ein Gemeinschaftsprogramm von Paraguay und Brasilien und seit  2007 ist er in vollem Einsatz. Er befriedigt  ca 90 % des Strombedarfes in Paraguay  und ca 25 % von Brasilien. Die Führungen sind gut organisiert. Zunächst sehen wir einen Film  mit englischem Untertitel und fahren anschliessend mit Bussen  zur Staumauer und bewundern diese riesigen Ausmaße. Dann gehts mit oben offenen Bussen über die Staumauer auf die paraguayische Seite und wieder zurück nach Brasilien. Der nette Tourguide spricht perfekt Englisch, so dass wir viel über das Wasserkraftwerk und dessen Entstehung erfahren. Die letzte Station des Busses ist ein großer See mit kleinem Restaurant und Snackbar, auch  Bootsfahrten sind möglich. Es fängt an leicht zur regnen  ( Birgers Blick sagt mir, „Sollte heute laut Wetterprognose nicht die Sonne scheinen,,,?) und wir essen eine Kleinigkeit bevor wir mit einem der Busse wieder zum Ausgang des Parks fahren.

Für den nächsten Tag haben wir für den Vormittag einen Hubschrauberflug über die Fälle geplant. Da der Flug nur 10 Minuten dauert ( es gibt leider keine anderen,längeren Flüge)  und natürlich stark wetterabhängig ist, muss man keine Reservierungen im Vorfeld tätigen. Doch der Himmel ist stark bewölkt. Also hängen wir etwas auf dem Campingplatz ab und warten auf besseres Wetter.  Gegen kurz nach 11.00 Uhr ist unsere Geduld am Ende und wir beschliessen zum Helikopterplatz zu fahren.  Innerhalb von 20 Minuten sitzen wir mit fünf anderen Gästen im Hubschrauber, die Sonne blinzelt durch die Wolken und der Blick von oben auf die Fälle ist gigantisch.  Der Helikopter  fliegt ein paar schöne Kurven, so dass jeder gut sehen kann.  Aber die Zeit geht so schnell um mit schauen, bewundern und Fotos schiessen…. und bevor wir uns versehen sind  wir wieder am Boden.

Für uns ist es nun Zeit Brasilien zu verlassen und über die Grenze nach Argentinien zu fahren.  Wir wollen die Iguazu Wasserfälle auch von der anderen Seite, der argentinischen Seite, aus sehen. Die Grenze ist nur 10 km vom Campingplatz entfernt. Auf der brasilianischen Seite geht alles ganz flott. Touristenkarte für die Ausreise  ausfüllen, diese gemeinsam mit der Touristenkarte von der Einreise und dem Pass abgeben. Stempel rein fertig. Zum anderen Schalter den TIP fürs Auto abgeben und weiter geht die Fahrt über eine Brücke.  Vor der argentinischen Grenzkontrolle stehen wir geschlagene zwei Stunden im Stau.  Wir glauben es liegt am Abfertigungssystem. Es gibt Drive-In-Schalter, d.h. man fährt mit dem Auto vor ein Häuschen, gibt seine Papiere ab und bekommt einen Einreisestempel.  Für unser Auto ist der gute Mann allerdings nicht zuständig. Wir parken in einer Lücke zwischen den nur halbe besetzten Drive-in Schaltern, und müssen nun doch in eine Art Büro gehen um unser Auto einreisen zu lassen.  Dies geht viel schneller als sonst, denn all unsere Daten sind im Computer gespeichert und nach zwei Knopfdrucken ist unser TIP erstellt. Unser Auto darf acht Monate im Land bleiben, wir aber nur drei Monate…. Das Auto im Land zu lassen und selber das Land zu verlassen, ist aber gesetzlich in Argentinien verboten. Nach knapp 2,5 Stunden und 15 Kilometern zurückgelegter Distanz haben wir unseren Campingplatz in Argentinien erreicht.

Fazit: Brasilien hat uns super gefallen, wir haben uns so unglaublich herzlich aufgenommen gefühlt von den Menschen, wie in keinem anderen Land in Südamerika. Alle waren sehr freundlich, viele haben versucht mit uns zu kommunizieren und waren sehr geduldig uns zu verstehen. Gerne sprang bei einem Gespräch eine dritte Person dazu, die etwas englisch, spanisch  oder sogar deutsch sprach. Oft wurden wir auf der Strasse freundlich angehupt, Leute haben zugewunken, den Daumen nach oben gestreckt. Auch Emails von wildfremd Menschen habe uns erreicht, die uns auf der Strasse gesehen haben und das Bedürfnis hatten uns Willkommen zu heissen, und uns ihre Telefonnummern geschickt haben, im Falle wir bräuchten Hilfe.  Dann sind da noch die unglaublich schönen weissen Strände und das blaue Meer. Verschweigen wollen wir  auch nicht die super nervigen Bodenschweller  die es hier auf der Strasse überall gibt und ständig zum abbremsen zwingen. Brasilien wir kommen gerne wieder!

 

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