Chile Teil 1: Die Pazifikküste Richtung Süden

von Christiane

Chile:  Nordküste Richtung Süden 11.01.2017

 Chile: (amtlich República de Chile) liegt im Südwesten Südamerikas. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 4300 Kilometer. Dagegen ist Chile  im Durchschnitt nur 180 km breit. Die engste Stelle im kontinentalen Chile  beträgt 90 Kilometer, die breiteste Stelle etwa 440 Kilometer. Die Längenausdehnung Chiles entspricht auf Europa und Afrika übertragen in etwa der Entfernung zwischen der Mitte Dänemarks und der Sahara. Das Land grenzt im Westen und Süden an den Pazifik, im Norden an Peru (auf einer Länge von 160 Kilometern), im Nordosten an Bolivien (861 km) und im Osten an Argentinien (5308 km). Daneben zählen zum Staatsgebiet die im Pazifik gelegene Osterinseln (Rapa Nui), die Insel  Salat y Gomez, die  Juan-Fernandez Inseln (einschließlich der Robinson Crusoe Inseln), die Desventurades-Insel sowie im Süden die  Ildefonso-Inseln und die Diego-Ramirez-Inslen. . Über die vollständig zu Chile gehörende Magellanstrasse  hat das Land Zugang zum Atlantischen Ozean. Die Hauptstadt Chiles ist Santiago de Chile. Im Land leben ca 18 Mio Menschen auf einer Fläche von 756.102 qkm. Aufgrund der langen Nord-Süd-Ausdehnung über mehr als 39 Breitengrade, aber auch der beträchtlichen Höhenunterschiede in West-Ost-Richtung weist Chile eine große Vielfalt an Klima- und Vegetationszonen auf. Am dichtesten besiedelt ist der Großraum  um die Hauptstadt Santiago de Chile, dort leben etwa die Hälfte der chilenischen Einwohner . Die Stadt selbst ( ohne Umgebung) hat etwa 5,5 Millionen Einwohner. Sie beherbergt also in etwa ein Drittel aller Einwohner Chiles. Nördlich und vor allem südlich davon erstrecken sich landwirtschaftlich genutzte und dicht besiedelte Gebiete  in der Ebene zwischen der Hauptkette der Anden. Nur 100 Kilometer westlich von Santiago liegt der Großraum um die Hafenstadt Valparaiso mit etwa einer Million Einwohnern. Nach Norden und Süden verringert sich die Bevölkerungsdichte immer stärker. Die Atacamawüste im äußersten Norden und die rauen, stürmischen Gebiete im Süden sind aufgrund der ungünstigen klimatischen Bedingungen nur sehr dünn besiedelt. Die Migrationsrate Chiles lag im Jahr 2012 bei 0,35 Migranten je 1.000 Einwohner und Jahr und war damit eine der niedrigsten in ganz Lateinamerika. Im Jahre 1848 begann die deutsche Kolonisierung, die von der chilenischen Regierung gefördert wurde, um den Süden des Landes zu bevölkern. Die Einwanderung aus deutschen Staaten (Deutschland, deutscher Sprachraum) beeinflusste die Kultur eines großen Gebietes in Südchile, besonders in den Provinzen Valdivia, Osorno  und Llanquihue. Einwanderer aus anderen europäischen und nahöstlichen Staaten kamen im 19. und 20. Jahrhundert vor allem in Valparaíso und im äußersten Norden und Süden an. Das Land ist sehr katholisch geprägt, auch wenn Staat und Kirche seit 1925 offiziell getrennt sind. Der kirchliche Einfluss auf das gesellschaftliche Leben, das Rechtswesen und die Kultur- und Medienwelt ist noch immer recht stark. So gehörte bis 2010 der zweitgrößte Privatsender des Landes allein der römisch-katholischen Kirche. Eheliche und uneheliche Kinder seit 1998 rechtlich gleichbehandelt, das chilenische Eherecht sieht seit November 2004 eine Möglichkeit der Scheidung  vor und 2015 wurde für gleich- und verschiedengeschlechtliche Paare die eingetragene Partnerschaft eingeführt. Chile gehört zu den führenden Wirtschaftsnationen Lateinamerikas sowie zu den größten Rohstoffproduzenten. Es verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt (etwa 40 Prozent). Verschiedene Edelmetalle und vor allem Salpeter führten Chile schon im 19. Jahrhundert zum Reichtum. Momentan wird mit dem Pascua Lama -Projekt eine der größten Goldminen der Welt geplant. Daneben sind heute Forst-, Fischerei- und Landwirtschaft ein starker Wirtschaftsfaktor.  Nur etwa 7 Prozent der Landfläche werden für die Landwirtschaft genutzt. Diese Flächen befinden sich hauptsächlich im Zentraltal. Im wüstenhaften Norden Chiles beschränkt sich die Landwirtschaft weitgehend auf Oasen. Die Viehzucht ist hauptsächlich in Zentralchile und im nördlichen Teil von Südchile angesiedelt. Chile ist das einzige Land Südamerikas, in dem Zuckerrüben angebaut werden. Besondere Erwähnung verdient der Weinbau, der Chile zum Weinexporteur Nummer eins in Südamerika gemacht hat.

 Grenzübergang: Am frühen Nachmittag gegen 14.30 Uhr erreichen wir die Grenze von Peru nach Chile in der Nähe von Arica.  Auf der peruanischen Seite folgen wir den Schildern zu den Parkplätzen für PKWs finden ein Plätzchen und gehen mit unseren Reisepässen zur Migracion (ein großes weisses Gebäude, nicht zu übersehen). Dort sind fünf Schalter geöffnet und der nette Beamte drückt uns erst einmal ein Formular mit drei Durchschlägen in die Hand zum Ausfüllen. Das ist schnell erledigt, wieder zum Schalter und dort werden unsere Pässe mit dem Ausreise Datum abgestempelt und wir kommen von dem Formular den gelben und den rosafarbenen Durchschlag zurück.  Dann geht es zurück zum Auto und  vom Parkplatz runter zu einer Schranke mit Häuschen.  Der nette Beamte erklärt uns, dass  wir  direkt links auf den nächsten Parkplatz fahren sollen, dort sei die Aduana ( Zoll) um das Auto auszuführen.  Gesagt getan. Auf dem Parkplatz steht eine Art kleiner weisser Container mit zwei Schaltern, der linke Schalter ist die Aduana ( auch von aussen beschriftet). Dort stellen wir uns an und es dauert ca  20 Minuten bis wir an der Reihe sind. Wir geben unsere temporäre Einfuhrerlaubnis von unserem Wohnmobil ab und den gelben Durchschlag und bekommen Stempel auf dem rosafarbenen Durchschlag. Durch eine Schranke verlassen wir den Parkplatz, die Papiere werden noch mal kurz geprüft. Nun haben wir offiziell Peru verlassen, dass ging schnell. Die Strasse führt direkt zu den Grenzgebäuden zu Einreise nach Chile.  Zunächst fährt man auf einen  riesigen Parkplatz, der in verschieden Linien unterteilt ist, in die man sie einreihen soll. Hilfreiche Beamte helfen und weisen uns ein. Man lässt das Auto stehen und geht zur Migration. Ein dunkles achteckiges Gebäude mit einigen Schaltern, direkt am Ende der Parklinien.  Wir müssen ein Formular  ausfüllen in dem wir alle Fragen mit Nein beantworten,  nur die beiden Frage nach mitgeführten tierische Produkte und die Frage nach mitgeführten Samen und Pflanzen beantworten wir mit „Ja“. Man darf kein Fleisch und kein  Obst mit nach Chile einführen und wenn die Beamten etwas finden und man hat die Frage vorher verneint, können erhebliche Strafen fällig sein. Innerhalb von drei Minuten haben wir den chilenischen Einreisestempel in unserm Pass und wieder einen neuen Stempel auf dem Rosa-Durchschlag ( ja genau, eigentlich ein Formular von den „Peruanern“). Als nächstes wird das Fahrzeug kontrolliert, von der Kontrolle haben wir schon viel gehört, und sind gespannt was uns erwartet. Ein Beamter betritt mit einem Hund unser Womo und lässt sich den Kühlschrank zeigen und Schränke mit Lebensmittel.  Ausser Nudeln, Konseven, etwas Butter, Milch  etc haben wir tatsächlich nichts dabei.  Wir bekommen einen Stempel, ein anderer Beamter kommt, lässt sich eine Aussenklappe am Wohnmobil öffnen, wirft einen Blick ins Innere und stempelt auch nochmal unser Rosapapier. Nun geht es zur Aduana. Wir fahren 30 Meter nach vorne auf einen Parkplatz und stellen das Wohnmobil ab.  Ein kleines Büro mit Fenster nach Aussen auf der rechten Seite der Migration ist die Aduana. Zunächst bekommen wir ein Formular ausgehändigt, das schnell ausgefüllt ist. Mit dem Formular zurück zum Schalter. Dort geben wir das Formular, Reisepass vom Halter und die Zulassung des Wohnmobils im Original ab.  Nach ca 10 Minuten haben wir die temporäre Einfuhrerlaubnis für unser Auto in den Händen und bekommen erneut einen Stempel auf den rosa Zettel. Wir verlassen den Parkplatz, kommen mal wieder an ein Häuschen mit Schranke und die nette Beamtin, nimmt uns nun endlich den rosafarbenen Zettel mit all den Unterschriften und Stempeln ab. Beide Grenzübergänge waren sehr leicht und sehr schnell. Insgesamt haben wir für beide Grenzen 1 Stunde und 5 Minuten gebraucht. Der schnellste Grenzübergang seit über einem Jahr.

Die Stadt Arica ist nur ca 10 km von der Grenze entfernt und in einem Vorort werden wir die Nacht verbringen. Aber vorher fahren wir noch in die Stadt, unser Kühlschrank ist leer und wir müssen einkaufen. Wir finden einen großen Supermarkt ( Lider Hyper, gehört anscheinend zu Walmart) und füllen alle Vorräte wieder auf. Wein und Rindfleisch sind wirklich günstig und das Angebot groß, die anderen Preise sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Am Geldautomaten ziehen wir Bargeld und staunen nicht schlecht über die hohen Kosten von über 6 Euro am Automaten. Bei einem Ballenario, eine Art privat betriebenes Schwimmbad, mit Picknicktischen, Cabanas, Grillmöglichkeit etc, finden wir einen Platz für die Nacht und schlucken etwas bei dem Preis. Umgerechnet 20 Euro für die Nacht, so viel haben wir schon lange nicht mehr fürs Campen bezahlt, aber wir wussten in Chile ist alles etwas teurer. Abends, als ich die emails checke, fällt mir auf, dass mein Mobilphone eine andere Uhrzeit anzeigt. Es ist schon 19.30 Uhr? Die Zeitverschiebung von zwei Stunden zwischen Peru und Chile haben wir total verpasst.  Aber wir geniessen die Vorteile. Es ist Abends länger hell und wir können länger draussen sitzen.

Unser Weg führt uns die Pazifikküste  Chiles entlang. Die Strasse führt zunächst durch Stein und Geröllwüste.

Unser erster Halt ist die Stadt Iquique. Sie liegt direkt am Meer und wir campen bei einer Gleitschirmfliegerschule mit Hostel auf dem Parkplatz. Der Platz liegt oberhalb der Küste und wir haben eine tollen Meerblick.

Lothar steht mit seinem großen Expeditmobil schon etwas länger hier, da er auf Ersatzteile wartet. Er gibt uns ein paar Tips für die Stadt. Die Stadt erlaufen wir am nächsten Tag. Die Innenstadt besteht natürlich aus einem Hauptplatz mit vielen Restaurants, Kneipen, einer Kirche und vielen Banken. An den Platz schliesst sich eine Fussgängerzone an, die wie ausgestorben wirkt, weil es keine Geschäfte gibt nur große Gebäude, viele sehen eher verlassen aus, einige fungieren als Hostels oder beherbergen Firmen.

Wir verlassen die Fussgängerzone und gehen am Strand entlang. Der ist riesig lang und voll. Es ist Ferienzeit und Schulferien  in Chile. Die Menschen strömen ans Meer. Iquique ist nicht nur Hauptstadt der Provinz, sondern auch Ferienort.  Nachmittags sitzen wir im Schatten unter Palmen vor unserem Womo geniessen den Meerblick und quatschen mit Lothar.  Nach zwei Tagen zieht es uns wieder die Küste entlang. Nun windet sich die Strasse immer am Meer entlang, und der Blick ist unglaublich schön.

Die Strasse ist super ausgebaut und wir kommen schnell voran. Recht früh kommen wir an unseren angesteuerten Ziel in Antofagasta an und beschließen doch noch weiterzufahren. Viel zu sehen und zu erleben gibt es hier nicht.  Es wird an diesem Tag mit 797 km die längste Strecke, die wir bisher gefahren sind. Am Nachmittag kommen wir im Nationalpark Pan de Azucar an.

Auf dem Campingplatz  „Los Yechos“ werden wir von der Besitzerin Monica sehr freundlich begrüsst. Der Platz besteht aus einigen Palapas mit Grillstelle  und jede einzelne ist  mit einer kleinen Steinmauer umbaut, die vor Wind schützen soll. Alle Palapas sind belegt mit Zeltern. Wir stellen uns zwischen zwei Palapas und haben einen tollen Blick direkt aufs Meer und eine kleine Insel, links von uns beginnt ein weisser Sandstrand. Wir fühlen uns wohl.

Der Sommer ist kurz in Chile und vor allem im Süden von Argentinien und wir wollen in ca vier Wochen in Ushuaia sein. Also fahren wir am nächsten Tag schon weiter, mit dem Wissen, dass wir im Oktober hier wohl noch mal vorbeikommen werden. Unser nächstes Ziel ist ein Campingplatz in der Nähe von Caldera direkt am Meer. Wir staunen nicht schlecht als wir dort ankommen. Der Platz ist sehr groß, von einer Steinmauer umgegeben und die Plätze sind in kleine Parzellen unterteilt, die mit eine, grünen Netz, als Sonnenschutz, überdacht sind.  Und es ist soooo voll. Als wir dann hören wir sollen 40 Euro für eine Platz bezahlen, beschließen wir spontan uns etwas anderes zu suchen. Camping ist, im Gegensatz zu den anderen südamerikanischen Ländern, in Chile sehr populär. Es gibt tatsächlich viele  Campingplätze, die besonderes auf das Campen im Zelt ausgelegt sind, aber es fahren auch einige Wohnmobile mit chilenischem Kennzeichen rum. 5 Kilometer weiter an der Playa Rocas Negras finden wir einen großen Campingplatz mit Meerblick, ja auch er ist umzäunt, aber nicht ummauert, und es gibt Parzellen. Diese sind große genug für zwei Wohnmobile. Wir bekommen einen Platz in der ersten Reihe, zahlen 3 Euro pro Person und werden direkt auf deutsch empfangen. Otto aus Süddeutschland ist mit  seiner Frau Elisabeth in einem Bimobil mit Aufbaukabine in Südamerika unterwegs. Wir verbringen einen total unterhaltsamen und lockeren Nachmittag und Abend miteinander. Die beiden sind etwas gemächlicher als wir unterwegs und so trennen sich leider schon am nächsten Tag unsere Wege.

Wir biegen von der Küstenschnellstrasse ab ins Inland. Vicuna ist unser Ziel. Eine grüne Oase.  Schon der Weg dorthin führt uns an grüne Felder und Obstplantagen vorbei.  Ein ziemlicher Kontrast zu den letzen Tagen.  Wir campen auf einem ummauerten Hotelparkplatz, eine Familie aus Belgien ist auch schon dort,  und können alle Annehmlichkeiten vom Hotel, schnelles Internet, Pool etc,   nutzen.  Vicuna ist ein kleiner ruhiger Ort und ist schnell erkundet.  Um Vicuna herum gibt es zahlreiche Observatorien. Eines davon bietet täglich Führungen und Sternenbeobachtung an ohne große Voranmeldung.  Für den Abend reservieren wir uns zwei Tickets.  Zurück beim Wohnmobil bekommen wir neue Nachbarn. Sylvia und Michael kommen angefahren, mit den beiden haben wir Silvester in Cusco verbracht.  Es gibt ein großes Hallo, sie erzählen, dass sie hier seit vier Tagen stehen, da sie auf dem nahegelegenen Stausee Kitesurfen. Nach einer Stunde ist unser Wiedersehen schon beendet, weil unsere „Sternentour“ beginnt. Mit kleinen Bussen werden wir zur Sternwarte gefahren. Es gibt eine Führung in Spanisch und eine in Englisch. Zusammen mit einer Familie aus Quebec/Kanada nehmen wir an der Englischen Tour teil und haben viel Zeit den Führer Löcher in den Bauch zu Fragen. Wir haben ein Teleskop für uns sieben alleine und er zeigt uns zuerst den Mars und die Venus und erklärt uns eine Menge über die verschiedenen Galaxien, die Zusammensetzung der Sterne und lässt uns immer wieder einen Blick ins Teleskop werfen. Die drei Stunden vergingen im Flug.

Den nächsten Tag nutzten wir um einige Dinge via Internet   zu erledigen und sitzen am Abend mit Sylvia und Michael beim Bier, wohl vor erst das letzte Mal, weil die beiden in Richtung Buenos Aires aufbrechen.  Zügig geht unsere Fahrt weiter Richtung Süden. Ausserhalb von der Hauptstadt, Santiago de Chile, übernachten wir mal wieder auf einem großen Schwimmbadgelände mit Grill und Picknickplätzen und der Möglichkeit über Nacht zu campen. Unsere Nachbarn, drei nette Herren, grillen und beköstigen uns mit Bier, Steak und Schweinerippchen.  Im Gegenzug meckern wir nicht über ihre laut und eher schreckliche Musik, die aus den Autolautsprechern scheppert. Abends bekommen wir noch besonderen Besuch! Ein Eule setzt sich direkt in den Baum  über unser Womo.

Zurück gehts  zur Küste  in den Ort Constitucion. Ein kleiner Ferienort mit schönen Stränden, spannenden Felsformationen und rauem Meer.  Auf dem kleine Campingplatz lernen wir Jaqueline aus Valparaiso kennen. Die Mitt-Fünfzigerin ist für zwei Wochen alleine mit  dem Auto unterwegs. Sie ist englisch Lehrerin, lebt mit ihren Eltern zusammen.  Diese zwei Wochen Urlaub, die sie sich jedes Jahr ganz alleine gönnt sind ihr sehr wichtig. Alleine bestimmt sie was sie wann tun will, muss auf keinen Rücksicht nehmen. Um so erstaunter sind wir, dass sie einen ganzen Abend mit uns verbringt.  Wir erfahren viel über Chile, die Wichtigkeit der Familie, über ihren Job, über Krankenversicherung und Rente im Land, politische Ereignisse usw.  Währenddessen  trinken wir süssen Rum mit Zitronenlimonade. Sie lädt uns ein sie besuchen zu kommen, unser Wohnmobil könnten wir bei ihrem Freund stehen lassen, er hat ein großes Grundstück. Wir tauschen Adressen aus und versprechen uns im Oktober in Valparaiso wiederzusehen.

Wir wollen ins chilenische Seengebiet. Dort waren wir vor 10 Jahren schon einmal, als wir uns einen 4×4 Wagen geliehen haben und eine fünf Wochen Tour  durch den Süden von Chile und Argentinien gemacht hatte. Auf dem Weg nach Villarica staunen wir nicht schlecht, schon ca 20 km vor dem Ort stehen wir im Stop and Go Verkehr. Der Ort und der Strand sind  überfüllt von Urlauber, und die Campingplätze sind mehr als gut belegt und wahnsinnig teuer.  Als wir beschließen weiter zu fahren werden wir von zwei Kanadiern angesprochen, Nikolaus und Zenka. Die beiden gebürtigen Bulgaren sind mit einem SUV unterwegs von Kolumbien nach Ushuaia und wieder zurück. Wir unterhalten uns kurz bevor jeder sich wieder auf die Suche nach einem Campingplatz etwas weiter weg von den Touristenorten Villarica und Punco macht.

Wir suchen uns einen weniger touristischen See aus und finden eine Campingplatz der mit tollem Blick oberhalb des Sees Panguipulli liegt.  Leider ist die Auffahrt aus Schotter und kleinerem Geröll, den ersten Berg schaffen wir noch mit dem Womo, den zweiten Anstieg leider nicht und beim Durchdrehen der Reifen, beschädigen wir das Profil so stark, das schon das Webnetz der Reifen zum Vorschein tritt. Also fahren wir zurück in den Ort und lassen unsere Reserverreifen  aufziehen.  Am späten Abend finden wir dann noch einen geruhsamen Platz am Lago de Panguipilli. Der Besitzer ist sehr freundlich und sein Hobby ist die Kriegsmarine aus dem zweiten Weltkrieg. Im schnellen Spanisch teilt er uns all sein Wissen über die „Dresden“ und den Untergang  der „Graf Spee“ mit. Etwas später kommt ein andere Gast vorbei, seine Eltern kommen aus Deutschland und seid sie verstorben sind, spricht er nur noch selten Deutsch. Also nutzt er die Gelegenheit sich mit uns zu unterhalten und wir nutzen die Gelegenheit von ihm einige Tipps für die Umgebung zu bekommen. Ziemlich müde fallen wir abends ins Bett.

Im nächsten größeren Ort Valdivia kaufen wir  zwei neue Vorderreifen und nutzen den Rest des Nachmittages  um den kleine Ort zu erkunden. Die Plaza ist nicht so spannend, netter ist es an der Uferpromenade entlang zu laufen. Ein kleiner Souvenirmarkt wird aufgebaut, viele Essenstände säumen den Weg und im Wasser tummeln sich Seelöwen. In einer Bar auf dem Fluss lassen wir zur Happy Hour den Abend ausklingen.

Am nächsten Tag besuchen wir das Fort Niebela.  Am  Fluss liegen mehrere Forts. Diese wurden im 17 Jahrhundert errichtet um den Zugang zum Festland abzusichern. Wir schlendern durch die Anlage, die einen tollen Blick aufs Meer hat.

Wir verlassen die Küste und fahren in die Berge, und da wo Berge sind, findet man auch Schweizer Auswanderer. Auf dem Weg zum Hotel und Camping Suizandina fahren wir durch schöne grüne Hügel mit Blick auf zwei Vulkane.

Auch vom Campingplatz des Hotels hat man einen tollen Bergblick.  Abends essen wir schweizerisch mit Rösti und Knöpfli, aber ehrlich gesagt, gab es das schon mal besser.  Am Lago Llanquhue machen wir zwei Tage Pause.  Im Ort Puerto Oktay gibt es einen  etwas höher gelegenen Friedhof von dem aus man einen tollen Blick auf den See und zwei  weitere schneebedeckte Vulkane hat.

Genau vor diesem Friedhof treffen wir zwei Deutsche Reisende mit einem Miet-4×4 Kabinencamper. Eigentlich wollten die beiden gerade nach Villarica fahren, weil sie einen neuen Reifen brauchen, aber die Abfahrt verschiebt sich dann doch so um drei Stunden….. es gibt ja soviel zu erzählen und auszutauschen…..!

Weiter gehts nach Süden. Wir wollen auf die Insel Chiloe. Viel haben wir gelesen und vor 10 Jahren fehlte uns die Zeit um die Insel zu besuchen. Problemlos bekommen wir einen Platz auf der Fähre und nach einer sonnigen Überfahrt  betreten wir nach 20 Minuten Fährfahrt die  Insel.

Drei Tage wollen wir auf der Insel bleiben. Unsere erste Übernachtung ist in Anduc. Das Hotel hat parzellierte Campingplätze mit viel Schatten oder man hat die Möglichkeit auf einer großen Wiese mit 180 ° Meerblick zu campen, ohne Schatten. Klar, entscheiden wir uns für den Meerblick und finden auch ein Plätzchen, auf dem wir einigermassen gerade stehen können. Wir machen einen kleine Spaziergang zu einem Aussichtspunkt, die Häuser und die Landschaft erinnern etwas an Skandinavien.

Nicht lange müssen wir auf Nachbarn warten. Zuerst kommen Willi und Gabi  aus Paderborn auf den Platz. Birger erkennt sofort ihr Auto, das haben wir in Ecuador auf einem CP stehen sehen, als die beiden auf Galapagos waren. Seit drei Jahren fahren die beiden durch Südamerika und können uns eine Menge Tips geben. Später fährt ein SUV noch auf den Platz, Nikolaus und Zenka, die wir in Villarica nur kurz getroffen haben verbringen auch die Nacht hier. Es wird ein netter Abend, der zu früh beendet wird, weil es recht kalt wird. Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug zu den Pinguinen.  Von einer Stelle aus, kann man mit Booten zu Pinguinkolonien rausfahren. Es gibt verschiedene Wege zum Ziel, treffsicher wähle ich die 5 km Schotterstrecke, warum auch die einfache Teerstrasse fahren.   Dies führt zu kleinen Unstimmigkeiten zwischen Fahrer und Beifahrer.  Aber alle Wege führen bekanntlich nach Rom und so kommen wir am gewünschten Strand auch an. Auf kleinen komischen hochgelegten Wagen werden wir bis zum Boot über den Strand gefahren, damit wir keine nassen Füsse beim Einsteigen bekommen und als das Boot voll mit Passagieren ist geht es los.

Auf drei kleinen Felseninseln wohnen jeweils eine Pinguinkolonie.  Sie haben Junge, die man am flauschigen grauen Fell erkennt. Wir haben genug Zeit die Pinguine  bei ihren kleinen Kämpfen, die ersten Schwimmversuche der Jungtiere oder beim Füttern zu beobachten. Nach ca einer Stunde sind wir zurück an Land.

Die Stadt Castro in der Mitte der Insel ist bekannt für seine aus Holz erbaute Kirche und die auf Pfählen gebauten Häusern am Ufer des Fjords. Ein Kreuzfahrtschiff liegt vor Anker, so ist etwas Trubel in der Stadt.

Ausserhalb der Stadt verbringen wir mit Blick auf den Fjord eine ruhige Nacht. Wir erkunden noch ein wenig die Insel bevor es weiter geht nach Quellon. Von hier fährt abends um 19.00 Uhr unsere Fähre nach Chaiten, also zurück aufs Festland. Die Fähre fährt nur zweimal die Woche also ist es ratsam sich vorher via Internet einen Platz zu sichern.

Nachts um 23.30 Uhr  kommen wir bei Dunkelheit und strömendem Regen in Chaiten an. Die Stadt ist klein, überschaubar und ruhig. Die Strassen sind breit und im Schachbrettmuster angelegt. Wir suchen uns eine ruhige Seitenstrasse und parken dort für die Nacht.

 Fazit: Chile ist einer der reichsten Länder in Südamerika und dies sieht man überall.  Autos der Luxusklasse fahren durch die Strassen, Wohnmobile sieht man gerade in der Ferienzeit häufig und im Supermarkt finden wir viele europäische Produkte. Alles eine Frage des Preises. Endlich gibt es wieder gute Weine. Oft werden wir auf Deutsch angesprochen, viele damalige Auswanderer haben die deutsche  Sprache an Kinder und Enkel weitergeben. Anders als in Kanada. Auch kommen wir mit Englisch überall ein bisschen weiter, als in den anderen Ländern.  Wir fühlen uns wohl in Chile, wobei wir nicht das Gefühl haben im typischen Südamerika zu sein, wie in Kolumbien, Ecuador oder Peru.

 

Dieser Beitrag gehört zu Chile und Argentinien 2017, Reiseberichte, Südamerika

One thought on “Chile Teil 1: Die Pazifikküste Richtung Süden

  • renate+heiner christiansen 19. Februar 2017 at 18:21

    Hallo ihr zwei!

    Wie immer-tolle Berichte,tolle Biider und immer wieder Bekannte treffen.
    Pinguine im Frack!
    Pfahlbauten wie in Überlingen am Bodensee.
    Weter so und immer schön vorsichtig!

    Seid gegrüßt von

    Heiner + Renate

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