Ecuador Teil 2: Berge und Küste

von Christiane

Ecuador Teil 2:  Küste und Berge vom 24.11.2016 – 09.12.2016

 Ecuador: Ecuador liegt im Nordwesten von Südamerika zwischen Kolumbien und Peru. Im Land leben  etwa 15 Millionen Menschen. Die Landesfläche beträgt 283.561 qkm.  Im Andenhochland liegt die Hauptstadt Quito  auf auf 2850 m. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 54,4 Einwohner pro km², damit hat Ecuador die höchste Bevölkerungsdichte Südamerikas – mehr als Kolumbien, doppelt so viel wie Peru und sechs Mal so viel wie Bolivien. Die größte Stadt  Ecuadors ist Guayaquil und liegt in der Pazifikküsten-Ebene . Das Land ist nach der Äquatorlinie benannt, die durch das Staatsgebiet verläuft, wobei sich der Großteil desselben in der südlichen Hemisphäre befindet. Die zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln befinden sich zwischen 928 km (kleinste Entfernung) und 1272 km (größte Entfernung) westlich der Küste im Pazifik Ecuador gilt als das artenreichste Land der Erde. Im Verhältnis zur Landesgröße existieren überdurchschnittlich viele Arten. Grund dafür sind die geologischen Gegebenheiten und die Meeresströmungen. Die Bevölkerung ist weniger als ein Fünftel so groß wie die Deutschlands. Etwa 30 % der Bevölkerung ist unter 15 Jahre und nur etwa 7 % über 65. Das Durchschnittlsalter liegt bei 26,3 Jahren (in Deutschland bei 45,7). Die Lebenserwartung für Frauen liegt bei 79 Jahren, die für Männer bei 73 Jahren und damit drei Jahre unter der Deutschlands. Die arbeitende Bevölkerung beträgt gut vier Millionen Menschen. 72,3 % der Bevölkerung gibt römisch-katholisch als Glaubensrichtung an. Das seit 1907 geltende Religionsgesetz hob jedoch die Vorherrschaft der katholischen Kirche als Staatskirche auf und stellte alle Religionen rechtlich gleich. Die Beziehungen zwischen der Kirche und dem Staat regelt der Modus Vivendi von 1937. Daneben gibt es auch eine protestantische Minderheit. Unter Teilen der Urbevölkerung haben sich auch traditionelle indianische Religionen erhalten. Es ist allgemein üblich, dass Kinder im entsprechenden Alter die Grundschule besuchen. Jedoch schließt sich für viele Kinder keine weitere Schulbildung an. Es gibt staatliche und private Schulen. In den letzten drei Schuljahren müssen sich die Schüler für einen Bildungszweig entscheiden. Die üblichen Zweige sind Mathematik, Physik, Chemie und Buchhaltung. Kinderarbeit ist wie auch in anderen südamerikanischen  Staaten verbreitet. Die Bildungsausgaben der Regierung machen nur einen geringen Teil des des Staatsbudgets aus. Ecuador ist nach dem Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner nach Kaufkraft das viertärmste Land Südamerikas, nach Guyana, Bolivien und Paraguay. Es beträgt 4760 $, das von Bolivien 2493 $, das der Nachbarn Peru und Kolumbien 6070 $ und 8127 $. Zum Vergleich: das BIP pro Einwohner nach Kaufkraftparität von Deutschland beträgt ca 42.625 $. Die Wirtschaft des Landes ist stark von der Erdölproduktion  abhängig, die fast 60 % der Exporte erwirtschaftet. Seit dem Jahr 2000 hat Ecuador keine eigene Währung mehr, sondern der US-Dollar ist offizielles Zahlungsmittel. Wie in den meisten lateinamerikanischen Ländern ist die wirtschaftliche Ungleichgewicht sehr groß: Während die oberen 20 % etwa 58 % des Nationaleinkommens erzielen, bleiben für die untersten 40 % lediglich 13 %. Die größten Wirtschaftsfaktoren sind die Erdölproduktion, Tourismus und der Export von Schnittblumen. Heute ist Ecuador nach den Niederlanden, Kolumbien  und Kenia weltweit der viertgrößte Exporteur von Schnittblumen.

In Mindo bleiben wir zwei Tage.  Der Touristenort ist ganz nett, die Umgebung aber richtig schön. Viele Aktivitäten werden angeboten vom Rafting, Vogelbeobachtung, Kakaoplantagen-Führungen bis hin zu Wanderungen im Regenwald und im NP. Wir entschliessen uns auf eigene Faust los zu laufen. Vom Campingplatz laufen wir ca eine Stunde durch schöne Landschaft bis zur Casacda de Nambillo!  Hier steigen wir in eine besondere Seilbahn, in die  „Tarabita“.  Mutig setzten wir uns den Drahtkorb und schon geht es los über eine schöne grüne Schlucht.  Unser Mitfahrer erklärt uns am „Ziel“, das wir mit einem bereitgelegten Stock auf das Seil schlagen sollen, wenn wir abgeholt werden wollen.  Ein einfaches System.  Nun machen wir uns auf zu einer knapp zweistündigen Wanderung durch den Regenwald zu fünf verschiedenen Wasserfällen.  Jeder Wasserfall sieht anders aus, die Landschaft ist wunderschön und die Sonne brennt vom Himmel. Ein wunderschöner Ausflug !

Am Nachmittag gönnen wir uns als Belohnung für die langen Wege  eine Pizza und Bier. Es ist schön wieder unterwegs zu sein.  Weiter gehts von Mindo  zum Cotopaxi. Ein aktiver Vulkan, der bei klarer Sicht einen erhabenen Anblick bietet.  Dafür müssen wir uns mal wieder  durch Quito quälen. Diese Stadt ist so riesig lang und der Verkehr unglaublich dicht.  Aber die Landschaft um den Cotopaxi entschädigt für viel.  An der Finca Cuello de Luna finden wir einen Platz  für die Nacht und die drei Bernadiner-Hunde werden direkt unsere Freunde.

Leider springt unser Auto am nächsten Morgen nicht sofort an und wir beschliessen, unserer Lieblingswerkstatt in Quito noch einen Besuch abzustatten. Der Anlasser wird ausgebaut und gesäubert.  Drei Tage später  hören wir ein komisches knirschendes Geräusch beim Anlassen des Wagens.  Wir beschliessen weiter zu fahren, in Peru gibt es Fiat und wohl auch unser Auto, bis dahin wird wohl noch alles gut gehen.

Wir genießen einen Tag die Thermalbäder Papallacta auf ca 3300 m Höhe. Auf dem Parkplatz vor einem recht netten und teuren Hotel dürfen wir übernachten. Die Restaurants ausserhalb des Hotelgeländes bieten gutes günstiges Essen, die Eigentümer sind super freundlich und suchen neugierig mit uns  das Gespräch. Wir fühlen uns wohl. Den Nachmittag verbringen wir faul in verschieden Pools mit  warmen bis heisse, Wasser, während es „draussen“ aufgrund der Höhe recht frisch ist. Das Bergpanorama ist sehr schön. Entspannung!

Unser nächstes Ziel ist die Laguna Quilotoa.  Auf ca 3900 Meter im Ort Quiloto  gibt es den gleichnamigen  Nationalpark.. Der Eintritt für den NP beträgt 2 U$ pro Person und man dafür auch auf dem Parkplatz über Nacht campen. Die Lagune ist gefüllt mit türkisblauem Wasser  und sieht toll aus. Ein Wanderweg führt um die Lagune herum, Dauer zwischen 5 und 7 Stunden. Es ist schon Mittag und wir beschliessen einen kürzeren Weg zu nehmen.  Wir laufen zur Lagune hinab, der Sandweg ist recht steil und teilweise  ist der Sand auch recht tief. Nach 35 Minuten sind wir unten angekommen.  Das Laufen in der Höhe von 3900 Metern ist für uns recht anstrengend und bergauf doppelt schwer. Für den Rückweg benötigen wir 70 Minuten, machen viele Pausen, sind aber tapfer und lehnen den Ritt auf einem Esel bergauf ab. Wenn schon denn schon. Wir sind nicht die einzigen, die schnaufend am Rand des Weges pausieren, aber mehr als ein freundliches aufmunternden Lächeln für andere  „Wanderer“ ist nicht drin. Wir müssen unseren Atmen fürs Laufen sparen, Reden geht nicht!

Am Nachmittag haben alle Tagestouristen die Lagune verlassen, einige Backpacker und wir schlendern noch durch den Miniort und bewundern die Lagune von oben.  Wir schlafen recht gut in der Höhe, unser Auto mag die Höhe am nächsten Morgen nicht so sehr, entschliesst sich dann aber doch anzuspringen.  Wir starten unseren Tag sehr früh, denn wir wollen endlich wieder ans Meer, von 3900 Meter auf Meereshöhe. Die 60 Kilometer durch die Berge ins Tal sind  wunderschön, aber die Strasse hat ein hohes Gefälle und viele Kurven. Zwischendurch machen wir eine Stunde Pause, damit die Bremsen, die trotz ständigem Einsatz der Motorbremse, heiss geworden sind, abkühlen können. Die nächsten 220 km gehen meist über einspurige Landstrassen vorbei an Feldern, Dörfer und kleiner Städte. Ungefähr 90 km vor unserm Ziel geraten wir in eine Baustelle.  In eine sehr lange Baustelle. 20 km quälen wir uns über eine oft recht grobe Schotterpiste.

Nach einer Stunde haben wir dann wieder Asphalt unten den Reifen.  Als wir an unserm Tagesziel der Playa Cayo ankommen, gucken wir nicht schlecht als an dem Tor des von uns angestrebten Übernachtungsplatzes ein Schild „geschlossen“ steht.  Ach, nö denken wir, nicht noch  mehr Kilometer  heute fahren.  Birger hupt ein wenig um Aufmerksamkeit zu regen,  ich steige aus und schaue mal ob nicht doch jemand Zuhause ist, der uns für eine Nacht stehen lässt. Plötzlich steht Samuel, der Besitzer des „Suizo Jardin Camping“ vor mir. Heißt uns herzlich Willkommen und erklärt er sei gestern erst aus der Schweiz vom Heimaturlaub zurückgekommen und hätte vergessen das Schild zu ändern. So ein Glück für uns. Samuel ist sehr herzlich und gastfreundlich. Er hat sich in den letzten sieben Jahre hier eine schöne grüne Oase geschaffen inclusive Gästehaus und Stellplatz für Womos. Er zeigt uns sein ganzes Grundstück und wir verquatschen nicht nur den Nachmittag, sondern auch den gesamten nächsten Tag. Natürlich schauen wir uns auch den kleine Ort an, gehen am Strand spazieren und Birger isst leckeren Fisch in einem kleinem einheimischen Restaurant am Meer (für mich gibt es wie immer Huhn).

Schweren Herzens ziehen wir weiter, aber wir haben ja noch nicht soviel von Ecuador gesehen! Aber nicht so weit. In den nächsten Tagen finden wir schöne Stellplätze mit Meerblick, geniessen es wieder „on the road“ und am Meer zu sein. Im Hotel „ Farallon Dillon“ in St. Elena, das auf einer Klippe liegt, dürfen wir auf dem Gästeparkplatz stehen und übernachten mit einem tollen Blick aufs Meer!  Wir stehen direkt vor dem Eingang und so ziemlich jeder Gast, Mitarbeiter und auch der Sohn vom Eigentümer  des Hotels kommen vorbei und  alle möchten gerne mal ein Blick in unser Womo werfen. Nach ca drei Stunden kennen wir jeden und hatten einen unterhaltsamen Nachmittag.

Von der Küste aus geht es wieder in die Berge. Durch dichten Nebel schleichen wir einen Pass hoch. Teilweise können wir nur wenige Meter sehen.

Im Ort Alausi gibt es eine alte Bahnstrecke die auf einem kurzen Stück mit einem Touristenzug noch befahren wird. Der Zug fährt zur Teufelsnase, immer am Berg entlang und nah am Abgrund. Vor einigen Jahren durfte man noch auf dem Dach des Zuges mitfahren, dies ist nach einem Unfall mit Todesfolge nun verboten. In Alausi finden wir nach dem zweiten Anlauf auch einen Platz für die Nacht, die Zufahrt ist etwas zugewachsen mit herunterhängenden Ästen und es kratzt etwas doll am Auto.  Als wir später den Weg zurücklaufen um in den Ort zu gehen, ist ein Arbeiter der Finca dabei, die Äste weg zu schneiden und ein halber Baum ist schon gefällt. Wir sind begeistert von soviel Service, wir bedanken uns ganz herzlichen und ernten ganz viel freundliches und stolzes Lächeln.  Am nächsten Morgen um 6.00 Uhr fährt der Zug mit uns und einigen wenigen anderen als Passagieren los.  Die Sonne scheint und die Landschaft ist umwerfend. Leider ist die Fahrt zu kurz. Nach nur etwas mehr als einer Stunde, gibt es schon eine lange Pause mit einem touristischen Unterhaltungsprogramm und schon geht es zurück zum Bahnhof.

Zum Abschied kaufen wir noch für wenig Geld viel Gemüse aus dem eigenen Garten der Besitzerin unseres Campingplatzes, alles ökologisch angebaut und sehr lecker! Von Alausi geht es weiter in den Ort Cuenca. Vom Übernachtungsplatz aus können wir in 30 Minuten in die Stadt laufen.  Wir schlendern über die Plätze, besichtigen einige Kirchen, trinken Kaffee und beobachten die Leute.  Es ist unser letzter Tag in Ecuador. Morgen wollen wir über die Grenze nach Peru gehen.

 Fazit: Ecuador hat uns mit seiner Vielfältigkeit sehr gut gefallen. Schneebedeckte Vulkane, Lagunen, tolle Strände, spannende Bergstrassen, Thermalquellen.  Nette, hilfsbereite Menschen haben unseren Weg durch dieses Land begleitet. Schöne Stellplätze haben wir gefunden und wurden überall herzlich Willkommen geheissen.

Wir wünschen euch allen aus Peru frohe Weihnachten und einen guten Start in ein gesundes Jahr 2017!

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