Mexiko: Chiapas

von Christiane
Mexiko: Chiapas vom 06.05.2016 – 14.05.2016

 Chiapas: Chiapas ist 75.634 km² groß und hat etwa 4,9 Millionen Einwohner, wovon bei vierzehn indianischen Ethinien ca. eine Million indigenen Abstammung ist. Die meisten Indigenen gehören der  Mayavolksgruppe an. Diese sprechen vor allem Tzeltal oder Tzotzil. 300.000 sprechen kaum oder gar nicht  Spanisch. Der Bundesstaat ist von Armut geprägt, trotz optimaler klimatischer Bedingungen für die Landwirtschaft. Die Hauptstadt ist  Tuxtla de Gutierrez..Touristisch am bekanntesten sind San Cristobal de las Casas und die dem Weltkulturerbe zugehörige Ruinenstadt Palenque aus der klassischen Mayazeit. Chiapas weist eine große Arten- und Naturvielfalt auf.

Am nächsten Tag erreichen wir Tuxtla de Gutierrez, die Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas. Hier campen wir auf dem innenliegenden Parkplatzes des Hotel „La Hazienda“ um uns herum Palmen, und die Hotelgebäude.  Wir haben keine Lust auf Stadtbesichtigung und nutzen das gute Internet um einige Dinge zu erledigen, ausserdem ist es nicht so heiss und wir hoffen auch eine entspannte Nacht. Ja, das mit der Hoffnung ist so eine Sache. Unser Hotel liegt  direkt an einer großen Kreuzung über diese führt in 10 Meter Höhe eine Art Fussgängerweg in alle vier Kreuzungsrichtungen. Auf diesem Überweg findet eine Lichtshow statt und aus einer Musikanlage dröhnt laute Musik über die Kreuzung hinweg bis ins Hotel. Leider gibt es keine Party dazu, es sind keine Leute zu sehen, keiner Tanz, keine Bierstände noch nicht einmal kleine Essensstände, was sehr ungewöhnlich ist für Mexiko. Hier kann man überall essen, vor allem dort wo Menschen zusammen kommen. Niemand kann uns genau erklären was für eine Veranstaltung dies ist. Um 23.00 Uhr kehrt Ruhe ein und wir genießen eine entspannte Nacht. Tuxtla ist bekannt für den Sumidero  Canyon. Auf dem Fluss durch den Canyon kann man Bootsfahrten machen, dies haben wir von ca. acht Jahren bei einer Mexiko reise schon getan, und wollten es nicht wiederholen. Aber es gibt auch eine Panoramastrasse die entlang der Schlucht führt,  die wir noch nicht kennen. Die Strasse ist ca. 17 km lang und man kann an 5 verschiedenen Punkten den  Ausblick in den Canyon bestaunen. Wir sind beeindruckt auch wenn es mal wieder etwas diesig ist.

Nach dem Aussichtsprogramm geht es weiter nach San Cristobal de la Casa. Auf dem Campingplatz in der Nähe des Zentrums treffen wir Fiona und Manuel aus der Schweiz. Sie haben ihren neuen VW Sprinter von Bremen nach Panama verschifft und haben insgesamt 7,5 Monate Zeit um bis nach Halifax zu fahren. Wir tauschen Erfahrungen aus und wir bekommen einige Tipps für Stellplätze in Honduras und Guatemala, die ihnen besonders gut gefallen haben. Fiona teilt noch ihr selbst gebackenes Brot mit uns, bevor sich unsere Wege in ganz unterschiedliche Richtungen trennen. San Cristobal  ist ein wirklich schöner entspannter Touristenort mit drei netten Fussgängerzonen, zwei großen Plätzen,  und einigen Kirchen. Wir flanieren zwei Tage durch das bunter Treiben. Wir beobachten die vielen so unterschiedliche Menschen, die sich hier durch die Strassen bewegen. Touristen, Mexikaner und Ausländer, einheimische Geschäftsleute, Aussteiger, Hippies, Frauen in tollen mexikanischen Trachten, viele Strassenhändler und leider auch viele Kinder, die versuchen mit dem Verkauf von verschiedenen Waren, die Familien finanziell  zu unterstützen. Bis jetzt haben wir noch nie soviel Kinder als Händler unterwegs gesehen wie hier. Nachts geniessen wir die kühlen Temperaturen von 15°C Grad und einen geruhsamen entspannten Schlaf.

Lange haben wir, bzw Birger unser Chef-Routenplaner, überlegt wie es von  San Cristobal weiter geht. Das Ziel ist klar: die Ausgrabungen von  Palenque, aber welchen Weg dahin sollen wir nehmen. Von Marion und Alfred, die wir in Patzcuaro getroffen haben, bekamen wir den Tipp über die Mex 307 an der Grenze zu Guatemala entlang zu fahren, dort gibt es tolle Wasserfälle, einen See und die Möglichkeit zu den Ruinen von  Yaxchilan mit dem Boot zu fahren um sich die Pyramiden dort auf der guatemalischen Seite anzusehen, die nur mit dem Boot erreichbar sind. Unsere Reiseführer beschreiben und loben den Weg in den höchsten Tönen zumal die Strasse mittlerweile durchgängig geteert ist.  Die Alternative ist der direkte Weg ohne viele Highlights, der  dafür  500 km kürzer und ca drei Tage schneller ist und den wir schon vor acht Jahren gefahren sind. Nachdem wir auf den Werbeplakaten von einigen Touristenanbietern in San Cristobal Tourengebote mit tollen Bildern für die Strecke über die  Mex 307 gesehen haben, steht die Entscheidung für die länger und hoffentlich nettere Strecke fest.

Früh morgens geht es los und unser erster Stopp sind die Wasserfälle von „El Chifon“. Der Reiseführer legt uns nahe den Weg zu den Fällen nicht in der Mittagshitze zu gehen, aber da wir unterwegs noch einkaufen waren und auf dem Supermarktparkplatz Fran und Doug aus Vancouver kennengelernt haben, und noch ein paar Tips ausgetauscht haben, kommen wir pünktlich um 12.30 Uhr an den Wasserfällen an. Ein schöner Weg führt den Fluss entlang, es wird steiler und viele Treppen sind zu überwinden. Aber der Aus- und Anblick entschädigt für alle Strapazen.

Nach knapp zwei Stunden machen wir uns auf den Weg nach „Las Nubes“ dort wollen wir am Rio Santo Domingo direkt an kleinen Wasserfällen die Nacht verbringen. Die Mex 190 geht in die Mex 307 über und schlängelt sich durch kleine Dörfer und schöne Landschaften. Schöne Hügel mit weidenden Kühen erinnern etwas an das Allgäu  bis die Landschaft dann tropisch wird. Eine interessante Strasse führt uns von der Hauptstrasse in 40  Minuten und  13 km nach „Las Nubes“.

Wir stehen vor einer schönen Bungalow-Anlage, direkt an den schönen Stromschnellen des Flusses. Auf dem Parkplatz dürfen wir für wenig Geld übernachten. Zwischen den Stromschnellen genießen wir nach der langen Fahrt ein kühles Bier und geniessen den Ausblick.

Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf den Weg zum erhöht liegenden Aussichtspunkt. 2,5 Kilometer führt uns ein Rundweg durch den „Urwald“ über Stock und Stein und viele Stufen hinauf und hinunter. Bei 35°C Grad und hoher Luftfeuchtigkeit kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Aber der Ausblick entschädigt mal wieder für alles!

Heute ist der weitere Weg nicht so weit. Wir wollen nach Las Guacamaya, dort gibt es eine Sancturio für Aras-Papageien, mit einer Lodge an der man auch campen kann. Die Strasse Mex 307  führt  eng an der Grenze zu Guatemala entlang so dass wir hin und wieder militärische Grenzpatrouillen  passieren. Die Militärs sind super freundlich schauen aus Neugierde in unser Auto hinein, manchmal werden wir auch einfach mit einem freundlichen Lächeln durch gewunken. Die Militärs sollen dem Drogenschmuggel Einhalt gebieten und geben uns ein Gefühl der Sicherheit. Am frühen Nachmittag erreichen wir unser Ziel und sitzen den ganzen Tag am Fluss und hören den vielen Vögeln und den lauten Brüllaffen zu. Eine toller Sound klingt durch den Urwald auf beiden Ufern des Flusses. Später zeigen sich die Affen auch noch und klettern über uns durch die Bäume. Am nächsten Morgen erspähen wir noch einen Tucan und aus der Ferne fliegen zwei Aras vorbei.

Nach soviel Natur stehen nun  wieder zwei Ausgrabungstätte auf dem Plan. Bonampak ist eine 1946 entdeckte Ruinenstadt der Maya, die durch ihre gut erhaltenen Wandgemälde berühmt wurde. Sie befindet sich in der so genannten „Selva Lacandon“. Bonampak bedeutet auf Maya „bemalte Wand“ und wurde dem Ort vom Forscher Sylvanus Morley. Es ist ein Mayazentrum der klassischen Zeit (300-900) von eher sekundärer Bedeutung. Berühmt wurde der Ort durch seine außerordentlichen Wandmalerein, die bis heute im Mayagebiet einzigartig sind und zu den herausragendsten Kunstwerken gehören. Herausragend ist insbesondere die bewegte Darstellungsweise, die sich deutlich von den in Steinmonumenten dominierenden statischen Wiedergaben abhebt. Die Anfahrt ist etwas „kostspielig“.  Für die Zufahrtstrasse durch den Silva Lacandon wird eine kleine Gebühr erhoben zum Schutz des umliegenden Waldes. Dann erreichen wir einen Parkplatz, an dem wir unser Auto abstellen müssen und eigentlich, laut Reiseführer, mit einem Bus zu den Ruinen gebracht werden. Diese Busse gibt es nicht mehr, dafür geschäftstüchtige Taxifahrer. Da die Strasse für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, handeln wir mit den privaten Fahrern einen für uns akzeptabel Preis aus. An der Ruine ist dann noch ein für mexikanische Verhältnisse recht hoher Eintrittspreis fällig. Dafür haben wir die Ruinen für uns ganz alleine.  Leider ist die Anlage kaum noch ein touristischer Magnet und die Wandmalereien gar nicht so gut erhalten, wie der Reiseführer es beschreibt.

In knapp einer Stunde haben wir alles gesehen und machen uns auf den Weg nach Frontera Corozal. Hier campen wir auf dem Parkplatz eines Hotels und können das recht gute Internet in der Lobby nutzen. Von hier starten wir am  nächsten Tag morgens um 7.30 Uhr unsere Bootsfahrt zu der Ausgrabungsstätte Yaxchilan. Yaxchilán ist eine historische Maya-Stadt am Fluss  Usumacinta  im heutigen mexikansichen Chiapas. Yaxchilán war eine bedeutende Stadt während der Klassik und die dominante Macht in der Region Usumacinta. Die Stadt herrschte über andere, kleinere Städte wie Bonampak und war lange Zeit mit Pietas Negras verbündet, zumindest kurzzeitig auch mit Tikal.. Yat-Balam, Gründer einer lange Zeit herrschenden Dynastie, erlangte den Thron am im Jahr  320, als Yaxchilán noch eine unbedeutende Stadt war. Unter der Herrschaft seiner Nachfolger wuchs der Stadt-Staat zur Hauptstadt der Region heran. Mit der rivalisierenden Stadt Palenque führte sie im Jahr 654 Krieg. Die Dynastie überdauerte bis ins frühe 9. Jahrhundert. Yaxchilán hatte seine größte Macht während der langen Herrschaft von König Schild-Jaguar II., der 742 über 90-jährig starb. Die Stätte ist nur mit dem Boot über den Fluss erreichbar. Ein französisches  Ehepaar teilt sich mit uns das Boot, die beiden sind als „Backpacker“ unterwegs. Nach einer 40 minütigen Bootsfahrt erreichen wir die Ruinen. Wir sind ganz alleine und geniessen die Geräusche des morgendlichenUrwaldes, denn die Ruine liegt mitten im Urwald. Brüllaffen schreien, Vögel kreischen, manche singen auch, Grillen zirpen.  Zwei Stunden lang klettern wir die verschiednen Tempel hinauf und bewundern Skulpturen. Mal wieder sind wir erstaunt auf „wie viel Geschichte“ wir so rumlaufen, wie alt diese Bauten alle sind und mit wie viel mühevoller  „Handarbeit“ sie erbaut worden sind .

Nach einer entspannten Rückfahrt mit dem Boot machen wir uns direkt auf den Weg zur nächsten Ruinenstadt. Palenque ist das Ziel. Nur knapp einen Kilometer entfernt von dem Eingang der Ruine gibt es in einer Hotelanlage einige Stellplätze für Camper und eine schöne Wiese für Zelter. Aber das Beste ist der große Pool. Nach unserer Ankunft springen wir in das lauwarme Nass und verbringen dort den Nachmittag. Eine Mexikanerin, die super englisch spricht, gibt uns noch ein paar Tips während des gemeinsamen Badens. Ganz früh am nächsten Morgen stehen wir noch vor Kassenöffnung am Eingang von Palenque. Die Franzosen, die wir am Vortag kennengelernt haben, sind auch schon da, und ein netter Typ aus Kalifornien. Die Anlage gehört uns fünf alleine, zumindest die erste halbe Stunde, bis die ersten Touristenbusse anrollen. In der Nacht hat es geregnet und es ist noch etwas bewölkt, so das erklettern der Pyramiden nicht ganz so anstrengend ist. Dafür ist es wieder etwas diesig und über dem Urwald schweben noch ein paar Wolken.

Aber unser „Programm“ ist für diesen Tag noch nicht zu Ende. Etwa 60 km von Palenque gibt es die „schönsten“ Wasserfälle von Mexiko – Agua Azul – und etwas näher den Wasserfall Misol-ah. Die Strasse nach Agual Azul schlängelt sich durch tropischen Regenwald und immer wieder bieten Frauen am Strassenrand Früchte, nein eigentlich nur Bananen, an. Sie spannen Schnüre über die Strasse und „zwingen“ uns so zum Anhalten. Aber wir können nicht an jedem „Haltepunkt“ Bananen kaufen. Wir sind fast dankbar als eine junge Frau uns frische Kokosnuss mit Zitrone und einem scharfen Gewürz anbietet. Sehr lecker! Die Zufahrtstrasse zu Agua Azul führt durch das Gebiet der Zapatisten, die sich die Durchfahrt mit einer kleinen Gebühr, von 20 Pesos (1 Euro) pro Person,  bezahlen lassen. Die Wasserfälle sind normalerweise ein Touristenmagnet, so haben wir sie auch in Erinnerung. Um so erstaunter sind wir, dass kaum Besucher dort sind. Wir bekommen einen Parkplatz in der ersten Reihe und laufen fast alleine den Weg am Wasserfall entlang. Die vielen Verkaufsstände und Restaurant am Rande des Weges warten wohl vergeblich auf Kundschaft.  Wir geniessen die Ruhe, den schönen Wasserfall der sich jetzt, in der Trockenzeit, in seiner ganzen blauen Farbe zeigt und können ungestört Fotos machen.

Von hier geht es zum Misol-ah, ein weiterer schöner Wasserfall, der in ein von Pflanzen und Felsen eingerahmtes „Becken“ stürzt. Hier gibt es ein nettes Restaurant in dem wir den Nachmittag ausklingen lassen.

Den Abend verbringen wir dann wieder im Hotelpool und lauschen den Erzählungen einiger Mitglieder einer kleinen, internationalen Reisegruppe, die eine fünfwöchige Tour durch Mexiko, Belize und Guatemala machen.  Am nächsten Tag verabschieden wir uns recht früh vom Bundesstaat Chiapas und machen uns auf den Weg in das 380 km entfernte Campeche, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und Teil der Yucatan Halbinsel.

 Fazit: Die Fahrt durch Chiapas hat uns bis jetzt von Mexiko am besten gefallen. Es war so abwechslungsreich: Natur, Ruinen, Städte, Wasserfälle und Tiere. Die Strassenverhältnisse  waren besser als in Oaxaca und es war leichter einen Stellplatz zu finden. Wir haben unser neues mexikanisches Lieblingsgetränk gefunden „Chelada“. Nichts für echte Biertrinker, aber wir mögen es:   Viel frisch gepresste Zitrone mit Eiswürfel in einem Glas mit Salzrand und aufgefüllt mit einem Bier deiner Wahl.

 

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2 thoughts on “Mexiko: Chiapas

  • Birthe 27. Mai 2016 at 01:40

    Ganz tolle Photo’s und interessante Berichte – ich möchte auch !!!!!! Wünsche Euch weiterhin gute und sichere Fahrt ….und warte gespannt auf die nächste ‚Fortsetzung‘. Seid umärmelt und gedrückt. Eure Birthe & Co :o)

  • Michael+Bärbel 29. Mai 2016 at 20:10

    was für tolle Bilder danke

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