Alaska 1 bis Valdez

von Christiane
Alaska vom Top of the World Highway bis Valdez Teil 1: vom 01.07.2014-16.07.2015

 Alaska: Ist der 49.Bundestaat der USA. Alaska gehörte früher mal zu Russland und wurde 1867 von den Russen, die aufgrund der Napoleonischen Kriege finanzielle Schwierigkeiten hatten,  unter Leitung des damaligen US Aussenministers Seward für 7,2 Mio U$ an die USA verkauft. ( für weniger als 5U$ pro qkm). Damals wussten man noch nichts von den wertvollen Schätzen, die in Alaskas Boden versteckt sind.  Alaska ist mit einer Fläche von 1,7 Mio qkm der größte Bundesstaat der USA,  auf der 723.000  Einwohner leben. Die Hauptstadt heisst Juneau und ist die einzige Hauptstadt der Welt, die nur bei Flugzeug oder Schiff erreichbar ist, nicht mit dem Auto. Haupteinnahmequellen sind Erdöl, Erdgas, Fischfang und Tourismus. Der Spitzname von Alaska ist „ Last Frontier“, dies steht auch auf den Nummernschildern der Autos, so heissen unzählige Kneipen, Hotels etc.

Wir sitzen gerade in Seward am Meer und geniessen die Sonne. Okay, es ist recht windig und das Thermometer zeigt nur 15°C, aber wir hatten die letzten drei Tage nicht so tolles Wetter ……. und halten eben jetzt die Gesichter in die Sonne. Vielleicht ist es aber auch diesmal besser, dass ich  auch in diesen Reisebericht am Anfang beginne. Der Anfang war die Einreise in die USA.

Der Grenzposten zwischen Kanada und den USA auf dem Top-of- the-world-highway liegt wirklich einsam. Von Dawson City aus fahren wir ca.80 Meilen (1 Meile=1,6km) und kommen an ein einsames Haus, die Grenzstation, die sich die Kanadier und die Amerikaner teilen. Die Formalitäten werden zügig und auch freundlich erledigt und wir bekommen für die USA ohne weitere Nachfragen unsererseits eine Aufenthaltsgenehmigung für die nächsten 6 Monate, einen tollen Elch-Stempel in den Pass gedrückt und nach der üblichen Frage, ob wir Waffen mit uns führen, dürfen wir einreisen. Unser Wohnmobil war von geringem Interesse und wurde weder von aussen noch von innen begutachtet.

Der erste Ort in den USA heisst Chicken, liegt ca. 100 Meilen von der Grenze entfernt und hat im Sommer 21 Einwohner (im Winter 7), einen Saloon, ein Restaurant, zwei Cafes, eine Möglichkeit zum Goldwaschen und drei Campingmöglichkeiten mit verhältnismäßig vielen Stellplätzen.

Wir trinken einen Cafe und fahren weiter nach Tog. Tog, ganz ehrlich, ist eher für die Durchreise geeignet. An der Durchgangsstrasse reihen sich Tankstellen, an Motels, an Campingplätzen, Visitor Center und den ein oder anderen Burger Laden. Wir verbringen hier, wie viele Grenzüberquerer unsere erste Nacht in den USA. Als Entschädigung fahren wir am nächsten Tag nicht so viele km und machen früh halt am Quarz Lake. Direkt am See gibt es Campmöglichkeiten, am anderen Seeufer sehen wir einen Elch immer mal wieder am Ufer grasen und einige Angler sind auf dem See unterwegs. Abends bietet uns ein Angler sogar sein Boot an für den Abend, da er nun nach Hause fährt und wir ja noch vor Ort sind. Wir sind erfreut überrascht aber lehnen ab.

Auf dem Weg nach  Fairbanks  besuchen wir den Ort Northpol. Hier wohnt das ganze Jahr der Weihnachtsmann für die nordamerikanischen Kinder. Hierhin gehen die Wunschzettel und von hier kommen die Antworten. Und klar es wäre nicht Amerika, hier kann man das ganze Jahr mit dem Weihnachtsmann sprechen und jede Menge Weihnachtsschmuck kaufen. Aber irgendwie ist es sehr nett.

Obwohl  Feiertag ist, der 4. Juli  also  der amerikanische Unabhängigkeitstag, bekommen wir in Fairbanks auf einem Campingplatz noch einen Stellplatz und auch noch direkt am Chenan River. Diese Gelegenheit nutzen wir und entschliessen uns drei Tage  zu bleiben. Der 4. Juli wird eigentlich mit viel Feuerwerk und mit Umzügen in den USA gefeiert, so auch in Fairbanks, allerdings sind Feuerwerke wenig interessant anzuschauen, wenn es eigentlich die ganze Nacht hell ist. Wir wundern uns und schmunzeln etwas als ab 19 Uhr am Abend regelmäßig irgendwo Feuerwerkskörper gezündet werden und die tollen Lichter kaum am Himmel zu erkennen sind, dafür ist es schön laut. Andere Gruppen fahren mit kleinen Schlauchbooten den Chenan River hinunter, die Strömung ist recht stark, paddeln muss keiner, und mit Musik und Bier winken uns die Feiernden von den Booten aus zu. Der Gruß  bzw Wunsch zum 4. July heisst „ Happy fourth!“ Wir brauchten ein wenig um dies zu verstehen, aber dann kam er uns auch leicht über die Lippen!

Die Chenan Hotsprings in der Nähe von Fairbanks besuchen wir um mal wieder in einer warmen Quelle  zu entspannen. Die Hotsprings liegen am Ende einer 90 km langen Sackgasse, trotzdem sind wir aufgrund des Feiertagswochenende nicht ganz alleine, auch ein Elch kommt an das Wasserbecken um zu schauen was wir denn dort zu treiben. Wir schauen nicht schlecht ;-).

Unsere erste Berührung mit dem amerikanischen Entertainment  machen wir dann auf einer Raddampfer Bootsfahrt auf dem Chenan River. Nach betreten des Schiffes werden alle Gäste erstmal zu Blaubeer-Donuts eingeladen und die dreistündige Fahrt stoppt  bereits nach nicht ganz 10 Minuten, weil  direkt neben uns ein Wasserflugzeug zweimal startet und landet. Der wirklich unterhaltsame Moderator ist per Funk mit dem Piloten verbunden und führt mit ihm noch ein interessantes Interview über seine Flugerfahrungen und Wasserflugzeuge im Allgemeinen.

Damit auch alle Passagiere gut sehen können  hängen an verschiedenen Orten Monitore, die das Geschehen live übertragen. Der sehr charmante und humorvolle Moderator stellt dann den Kapitän des Schiffes vor, dieser stellt uns wiederum das Schiff vor, einzelne Mitarbeiter erscheinen auf dem Bildschirm. Es ist wirklich unterhaltsam und sehr professionell. Die Geschichte der Reederei, der Kapitän ist der Enkel des Gründers, die Geschichte des Chenan River hält uns bei Laune bis wir an den Sled dogs von Susan  Butcher anhalten. Susan Butcher war die erfolgreichste Schlittenhundeführerin der USA und gewann viermal den Iditaroad , das bedeutendste pber 1700 km lange, Hundeschlittenrennen der Welt. Susan verstarb allerdings 2006. Nun führt ihre Tochter die Hundezucht weiter und erzählt uns über Funk  vom Land aus, umgegeben von ihrem Hunden,  alles Wissenswerte über Schlittenhunde.

Nach ca. 1,5 Stunden erfahren wir auf einem Landgang alles wichtige über das Leben der Inuit in Alaska  und die Tochter von Susan Butcher verkauft und signiert ein Buch von und über ihre Mutter. Auf dem Rückweg winkt uns dann noch die über achtzigjährige Gründerin der Schiffsgesellschaft von ihrem Garten aus zu und wir winken alle brav zurück. Zum Abschluss gibt noch eine großzügige kostenlose Verkostung für alle Gäste mit Produkten aus dem Bordshop. Die drei Stunden waren wirklich kurzweilig und unterhaltsam, professionell moderiert und für uns recht amerikanisch. Mal sehen was da noch so kommen wird.

Unser nächster Stop ist der Denali NP. Diesen darf man nur die ersten 15 Meilen mit dem eigenen Auto befahren, möchte man weiter hinein fahren, muss man eine Bustour buchen. Wir haben schon von Fairbanks aus uns für die  Tour  zum Eielson Visitor Center entschieden, auf der Tour gibt es die Chance den Mount McKinley zu sehen, den höchsten Berg von Nordamerika. Morgens um 6.30 Uhr  sitzen  wir dann, mit weiteren 30 Gästen, für die nächsten 8,5 Stunden in einem Bus. Es gibt immer mal wieder kurze Stops, aber Hauptattraktionen sind das Bergpanorama und das wildlife.

Das Wetter ist leider durchwachsen, aber wir sehen dreimal Grizzlybären, eine wirklich große Karibouherde und einen Elch, allerdings braucht man für alle Entdeckungen ein Fernglas…..! Die Aussicht auf die Berge ist wirklich toll, den McKinley sehen wir leider nicht, weil Nebel aufzieht. Am Ende sind wir trotzdem froh, dass wir die Tour gemacht.

Abends übernachten wir auf einem Aussichtsparkplatz, der für Camper frei gegeben ist. Mit uns stehen noch acht andere Womos dort, der Blick auf die Berge ist toll.Wir treffen Karl aus Oldenburg, der mit seinem Hymer unterwegs. Gemeinsam verbringen wir einen wirklich unterhaltsamen und interessanten Abend, sitzen in der Sonne, tauschen Erfahrungen aus und geniessen den Ausblick auf den McKinley der sehr gut zu sehen ist und sogar teilweise wolkenfrei ist. Dies geschieht nicht so häufig.

In Anchorage befolgen wir einen Tipp von Karl und gehen in einer Brauerei mit toller Terrasse ein Bier trinken. Der Kellner erkennt an unserem „Oxford Englisch“ das wir keine Amerikaner sind und als er hört, dass wir aus Deutschland kommen, erzählt er uns vom Fussballerfolg der Deutschen gegen Brasilien und ist immer noch begeistert von dem Spiel, dass er mit der gesamten Crew aus dem Restaurant verfolgt hat. Wir sind dann auch mal stark begeistert. Abends werden wir auf dem Campground von freundlichen Amerikanern zum Lagerfeuer eingeladen und es wird ziemlich spät, die Themen sind wirklich vielfältig und wir bekommen einen Einblick wie „man“ in den USA lebt.

Das Wetter wird schlechter und wir entscheiden uns aufgrund des Regens von Anchorage nach Homer, der Hauptstadt des Heilbuttfangs, direkt durchzufahren. Homer  liegt am westlichen Ende von Alaska und ist bekannt fürs Fischen und Angeln. Bestimmt an die 600 Wohnmobile bevölkern den kleinen Ort, der eigentlich keine Sehenswürdigkeiten hat, ausser einen aussergewöhnliches tolles Bergpanorama. Bei schlechtem Wetter  verbringen wir hier zwei Tage. Auf einem Aussichtspunkt werden wir erst von einem Paar aus Kalifornien angesprochen und dann treffen wir zwei Schweizer, die für ein Jahr unterwegs sind und quatschen uns richtig fest.

Ja, und in Homer haben wir nun unser Ost-West-Überquerung vollendet. 16.000 km in 11 Wochen vom Osten Kanadas in den Westen Alaskas. Auf dem Weg von Homer zurück nach Kenai kommen uns bussli-on-tour, Denise und Marcel, entgegen, nach einem Austausch der letzten Neuigkeiten und Pläne verabreden wir uns auf einen geselligen Abend in Seward.

Überall an den Flüssen und auch im Meer stehen unzählige Menschen und angeln, vornehmlich Heilbutt und Lachs. Mit Angeln und wirklich riesigen runden Netzen an langen Stäben stehen sie im Abstand von 3 -5 Metern  nebeneinander im Wasser und fangen alles was was sie kriegen können. Das ist natürlich so nicht richtig, jeder Angler darf 25 Fische  aus dem Meer ziehen und pro Familienmitglied (Ehefrau, Kinder) 10 weitere.

Seward ist auch ein Angler und Touristenort, das Freizeitangebot ist recht umfangreich und  viele Reisende und auch unser Reiseführer haben uns eine ganztägige  (9 Stunden) Schifffahrt zu den Gletschern empfohlen. Der Trip ist nicht ganz billig aber sehr, sehr lohnenswert. Wir sehen ganz viele Orcas (Killerwale), einige Buckelwale, Seelöwen auf Eisschollen sitzend,  Papageientaucher und andere Vögel und klar die Gletscher. Der Kapitän ist sehr unterhaltsam und informiert uns über die Tiere und ihren Lebensraum.

(und am Ende der Fahrt sogar über das Ergebnis des Finalspiels der Fussballweltmeisterschaft) Das Boot ist nur zur Hälfte ausgebucht und wir haben Platz uns frei zu bewegen. Leider spielt das Wetter nicht so ganz mit, aber die vielen Tiere, die wir in Ruhe beobachten durften,  haben uns entschädigt.

Den Abend verbringen wir heiter und ausgelassen und  mit einem Glas Wein mit Denise und Marcel und die Herren diskutieren intensiv die weitere Routenplanung, aber ohne eine ganz konkrete Entscheidung ;-))

Am nächsten Tag scheint die Sonne….. und wie oben erwähnt wir sitzen am Meer. Aufgrund des Wetters bleiben wir noch eine Nacht länger in Seward, unser Stellplatz ist direkt am Wasser. Die Stadt, hatte alle Parkplätze am Ufer ( ca 600 Stück) für Camper freigegeben. Für wenig Geld dürfen wir hier in einer traumhaften Bergkulisse übernachten, aber ohne Komfort. Dry- camping (trocken campen) nennen es die Amerikaner, also kein Wasser, kein Strom und kein Abwasser direkt am Stellplatz und eine geringe Anzahl von Duschen und Toiletten. Da wir ja autark sind in unserem Womo ist uns das egal, es gibt eine Stelle um Frischwasser zu tanken und Schmutzwasser abzulassen, mehr brauchen wir nicht.

Von hier aus sind es nur zwei Stunden zum Ort Whittier. Dies ist unser nächstes Ziel, denn von dort nehmen wir eine 6-stündige Fähre nach Valdez.

 Fazit: Alaska hat eine tolle Landschaft, je besser das Wetter um so toller ;-). Es sind wirklich viele Touristen unterwegs, die meisten in Wohnmobilen oder mit dem Zelt. Die Saison in Alaska ist eben sehr  kurz von Juni- August. Aber wir haben immer sofort einen Platz auf einem Campground gefunden, ganz ohne Reservierung, Tickets für Aktivitäten mussten wir bis jetzt nicht im Voraus buchen. Viele Amerikaner sind als Touristen hier unterwegs, weniger Europäer. Wir haben Orcas gesehen, dass sagt doch alles oder? Und: wir werden langsamer, dafür haben wir zwar etwas Zeit gebraucht, aber seit Fairbanks, verbringen wir nun öfter mal zwei oder drei Nächte am selben Ort ;-)) eben  slow-motions und es tut uns gut!

Wir sehen, hören oder lesen uns dann am Ende unseres Alaskaaufenthaltes wieder!!

Dieser Beitrag gehört zu Nordamerika, Reiseberichte, USA 2014

4 thoughts on “Alaska 1 bis Valdez

  • Birthe :o) 20. Juli 2014 at 16:28

    Meine Besten,

    Ich ‚will auch‘ ….sooooooo tolle Photo’s und Wegbeschreibungen …. Mit dem ‚Weihnachtsmann‘ konnten wir gestern auch dienen. Wir haben mit Freunden ‚Christmas in July‘ gefeiert. Richtig nett. Also in diesem Sinne: „Frohes Fest“ :o).

    Passt auf Euch auf und versorgt uns weiterhin mit so schoenen Photo’s :o). Seid umaermelt und gedrueckt.

    Eure Birthe & Clan :o)

  • Christiane und Birger 24. Juli 2014 at 01:48

    Hallo zusammen,
    wir möchten uns an dieser Stelle einmal bei allen bedanken, die uns auf unserer Reise mit lieben Worten begleiten und uns mit ihren Kommentaren und emails zeigen, dass ihr gefallen an unserer Seite findet! Wir freuen uns über eure Reisebegleitung, euer Interesse und eure Unterstützung, die ihr uns mit auf den Weg gebt!
    ganz liebe Grüße
    Christiane und Birger

  • Birthe 31. Juli 2014 at 12:59

    HAPPY BIRTHDAY LIEBES BRÜDERCHEN !!!!!!!!!
    Herzliche Glückwünsche zu Deinem ‚runden‘ Geburtstag. Macht es Euch nett. Warten auf das spezielle Geburtstagsphoto in Eurem nächsten Bericht (mindestens umringt von Eisbären oder (für die ‚Angsthäschen‘) von „50“ Pinguinen 🙂 ). Sei umärmelt und gedrückt (auch Umärmelungen an meine liebe Schwägerin). Viele liebe Geburtstagsgrüsse – auch von dem Muttertier aus Deutschland. Passt auf Euch auf. Alles Liebe von Deinem Lieblingsschwesterchen und Clan aus Perth :).

  • Volker und Melanie 31. Juli 2014 at 21:20

    Da gucken wir nach Wochen mal wieder, wo Ihr gerade seid und treffen genau den Geburtstag von Birger (eher unbekannterweise). Herzlichen Glückwunsch und alles Gute.
    Vielleicht treffen wir Euch ja mal auf Eurer langen Reise irgenwo auf der Welt, aber da Ihr dieses Jahr noch nicht in Australien seid, so wie wir, im November in Perth und Richtung Ningaloo Reef.
    P.S. Detlef Heinemann von Seabridge Tours haben wir 1995 am Uluru kennengelernt 🙂
    Viele Grüße von Volker und Melanie aus Witten

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