Europa 2018: Frankreich – Deutschland – Holland

von Christiane

Europa: Frankreich_Deutschland_Holland 22.10.2018-5.12.2018

Unser erstes Ziel in Frankreich ist der Canyon von Verdun, dieser Canyon wird auch als Grand Canyon von Frankreich bezeichnet. Wir sind gespannt und nach kurzer Zeit, total begeistert.  Die Strasse führt nah am Canyon  vorbei. Die Aussicht ist atemberaubend. Es gibt einen Art Rundweg die – viele Aussichtspunkte sind an der Strasse, einer schöner als der andere. Ja, es geht steil nach oben und auf dem Weg nach unten, laufen mal wieder die Bremsen heiss. 

Die Nacht verbringen wir auf dem Wohnmobilstellplatz in Moustre Saint Marie. Der Platz liegt nur 700 Meter vom Zentrum des kleinen, sehr malerischem Ort entfernt. Der Weg geht bergauf und es geht noch weiter hinauf zur Kapelle „La Chapelle Notre-Dame -de- Beauvoir“. Klar, wandern wir hinauf, sind am späten Nachmittag alleine an der Kapelle, ein sehr besinnlicher Ort für mich. Über dem ganzen Dorf glänzt ein goldener Stern, gespannt an einer 135 Meter langen Kette zwischen zwei großen Felsen in einer Höhe von 497 Metern, scheint er dem Ort einen besondern Schutz zu gewähren. Einzigartig! Wir geniessen die Ruhe von Moustre Saint Marie in einer kleinen Bar bei einem Glas Wein. 

Am nächsten Tag umfahren wir den Canyon von der anderen Seite. Die Sonne scheint und an den Aussichtspunkten ist wenig los.

Trotzdem, wie so oft, zieht es uns wieder ans Meer, wir haben uns einen kleinen Campingplatz in Agay ausgesucht. Als wir dort ankommen, stellen wir fest, der Platz ist wirklich klein und sehr privat. Etwa 60 Stellplätze stehen den Urlaubern zur Verfügung, davon 10 in der ersten Reihe mit Strand und Meerblick. Unser Wohnmobil gehört hier schon zu den größeren Fahrzeugen und wir bekommen einen Platz etwas weiter hinten, umrahmt von einigen Büschen. Die Nachbarn sind international Deutsche, Franzosen, Belgier, Holländer geniessen diesen super gelegenen Platz. Zum Sundowner nehmen wir unsere Stühle und setzen uns an den Strand. Hinter uns  „1.Reihe Campingplatz“ schauen sich auch Ruth und Wolfram aus Köln bei einem Glas Weisswein den Sonnenuntergang an. Die beiden sind, wie immer in den letzten Jahren, seit fast sieben Monaten unterwegs. Es macht Spaß mit den beiden zu plaudern und wir bekommen viele Tipps von Ihnen. Zu Runde gesellen sich dann noch Sabrina und Franz aus Aachen. Franz ist schon viel als Skipper unterwegs gewesen und hat spannende Geschichten zu erzählen. Die beiden fahren am nächsten Tag wieder Richtung Heimat, ihr Saison-Kennzeichen treibt sie Heim. Sabrina fällt es  sichtlich schwer schon zu fahren.  Am nächsten Abend gesellt sich Volker aus der Nähe von Freiburg zu unserer kleinen Gruppe beim Sonnenuntergang dazu.

Er ist für zwei Wochen alleine unterwegs, seine Frau ist Lehrerin und hat noch keine Ferien. Abends treffen wir uns zufällig im Restaurant des Campingplatzes und schnell merken wir, dass die Wellenlänge stimmt. Am nächsten Tag kommt Volker zum Skatspielen vorbei. Wobei spannender sind unsere Gespräche an diesem und den nächsten Tagen! Sehr persönlich, mal lustig, mal traurig, mal nachdenklich.Es war toll dich zu treffen, Zeit mit dir zu verbringen und wir freuen uns sehr auch bald deine Frau kennenzulernen. Fünf entspannte Tage  verbringen wir in Agay. Der Ort selber ist in der Nebensaison eher geschlossen, zwei Kneipen von unzähligen sind noch geöffenet, der Strand schön und das Meer lädt zum Baden ein. Wir fahren weiter Richtung St.Tropez. In Ramatuell finden wir einen Stellplatz ca. 5 km von St.Tropez entfernt.  Bei mir kommen wieder Erinnerungen hoch, hier in Ramatuell habe ich in meiner Studentenzeit mit 10 Freunden zwei Wochen gecampt und gefeiert. Mit dem Rad fahren wir nach St. Tropez , in der Stadt ist an einem Sonntag wahnsinnig viel los. Die Zugänge der Innenstadt werden von der Polizei kontrolliert, Taschenkontrolle etc. Wir erfahren bald warum. Es ist Black Friday, also eine Art Sommerschlussverkauf. Die Sonne scheint, überall laufen Leute bepackt mit tüten durch die Gassen und wir genießen die Atmosphäre und bestaunen die tollen Schiffe der Schönen und Reichen. In einer kleinen Bar am Hafen lassen wir uns nieder und beobachten das Treiben ums uns herum.

In der Nacht erreicht uns dann ein richtiger Sturm, das Wohnmobil und wir  werden durchgeschüttelt und es regnet wie aus Kübeln.

Am nächsten Mittag nimmt der Wind ab und wir machen uns auf den Weg nach Toulon. Wir möchten vondort aus  in einer Tagestour die Insel  besuchen. Der Campingplatz in der Nähe des Schiffanlegers hat aber nur noch drei Tage geöffnet, bevor er für die Wintersaison seine Tore schliesst. Birger hat schon die Schiffsverbindungen etc rausgefunden. Aber meistens kommt es ja anders als man denkt. So auch in diesem Fall. Ungefähr 20 km vor der Stadt, geht mal wieder unsere Motorkontrolllampe an. Mittlerweile habe ich ein echt gestörtes Verhältnis zu dieser Warnlampe, weil sie so ziemlich alles heissen kann. Kurz nach dem die Lampe angeht, lässt auch die Leistung des Motors nach und wir finden noch rechtzeitig einen Platz am Seitenstreifen. Wie immer öffnen wir die Motorhaube, sehen nix und Birger versucht den Motor wieder zu starten. Es klappt. Am Strassenrand sehen wir ein Schild von einer Peugeotwerkstatt. Wir folgen dem Schild, den Peugeot hat das selbe Auto nur unter anderem Namen. Die Leute sind sehr nett, sprechen super französisch , wir leider nicht. Sie holen einen Mitarbeiter, der indischer Abstammung ist, er soll Englisch mit uns sprechen. Sein Englisch ist so gut wie unser Französchisch. Die Jungs versuchen unseren Motors auszulesen und die Fehlermeldung zu bekommen. Am Ende verstehen wir, dass sie unseren Motor nicht auslesen können, wir aber morgen gerne wieder kommen können. Wir fahren weiter, mittlerweile ist es schon Mittagszeit und alle Werkstätten haben die nächsten zwei Stunden geschlossen. Im Internet finden wir die Adresse eines Fiat Professional Händlers. Auf dem Weg dort hin, lässt zwischen durch mal wieder unsere Motorleistung nach, erholt sich aber wieder. Die Jungs bei dem großen Fiathändler  sind etwas zurückhaltend, der Mitarbeiter der für die Organisation  der Werkstatt ist, spricht ein wenig Englisch. Er kommt schon während der Mittagspause zu uns raus und fragt nach unserem Problem um direkt hinter zu schieben, sie hätten keine Zeit für uns. Es sei ein Feiertag in der Woche und auch noch Herbstferien und er hätte kaum Mitarbeiter vor Ort. Wir bleiben freundlich, drücken auf die hilfsbedürftige Mitleidsschiene. Er lässt sich soweit auf uns ein, das ein Mechaniker im Laufe des Nachmittags zumindest den Fehler auslesen wird. Eine Reparatur sei aber erst in einer Woche möglich. Wir nehmen erst Mal was wir kriegen können. Schneller als gedacht wird unser Womo in die Halle gefahren. Fehlerdiagnose ergibt mehrere Ergebnisse, es ist ein Fehler am Turbo, genaue Ursache erfordert mehr Messungen, dafür ist diese Woche keine Zeit mehr.  Die Herren versuchen noch für uns bei anderen Werkstätten anzurufen, aber auch die aber diese Woche keine Zeit mehr.  Man versichert uns, wir könnten mit dem Auto noch fahren, sollte es mal nicht mehr anspringen sollten, wir einfach nur mal kurz die Batterie abklemmen und wieder ankleben. Naja, wir sind ja eher keine technischen Experten. Wir machen uns auf den Weg zu einem Campingplatz in Tuolon, der ganzjährig geöffnet ist. Ein fünf Kilometer langer Tunnel führt via Autobahn unterirdisch unter der Stadt entlang, wir entscheiden uns für den  oberirdischen Weg durch die Stadt im Berufsverkehr, aber stehen bleiben mit defekten Fahrzeug im Tunnel ist für uns eher ein Alptraum. Der Campingplatz in Toulon liegt recht schön und ruhig, die australischen Nachbarn sind sehr nett. Leider sehen wir uns nicht so oft, da das Wetter schlecht und schlechter wird. Sobald es trocken ist nutzen wir die Gelegenheit und laufen die knapp 3,5 Kilometer in den Ort an die Strandpromenade. Unser Stadtteil ist wirklich sehr niedlich, eine schöne Altstadt mit vielen Gassen und kleinen Geschäften, langer Sandstrand.

Ja, wenn der Regen nicht wäre. An einem Nachmittag reisst der Himmel auf, der Wetterbericht sagt für die nächsten zwei Stunden „regenfrei“ voraus. Wir bewegen uns an die Strandpromenade. Dort angekommen fängt es an zu nieseln, es wird windig, Regen stärker. Es ist Markt und wir suchen unter einem der Stände Schutz. Der Wind wird böig, es giesst wie aus Eimern, wir helfen dem Marktstand Besitzer bei dem wir Zuflucht gefunden haben, seine Ware zu sichern, seinen Schirm festzuhalten und regelmäßig das gesammelte Regenwasser von den beiden Schirmen zu entfernen. Eine kurze Regenpause nutzen wir um ins nächste Kaffee zu flüchten, die Wassermassen die auf der Strasse sich sammeln und die überlaufenden Gullis lassen sich mit einem Dach über dem Kopf leichter beobachten.

Wir haben ja Zeit. Das Internet auf unserm CP ist sehr gut und so surfen wir viel im Netz, lesen und schauen TV. Eigentlich eine geruhsame Woche, wenn wir denn wüssten was unserem Womo so genau fehlt.  Eine Woche später stehen wir wieder bei Fiat in der Werkstatt, einer der Mechaniker spricht richtig gut Englisch und somit ist die Kommunikation kein Problem mehr. Nach knapp zwei Stunden ist klar, dass der Positionssensor defekt ist. Der Mechaniker erklärt uns sie hätten den Fehler überbrückt, wir könnten fahren, sollten dann irgendwann in den nächsten Monaten Zuhause den Turbo austauschen lassen. Sie könnten den Turbo auch austauschen aber erst nächste Woche. Wir halten Rücksprache mit dem Mechaniker Meister unseres Vertrauens in Deutschland. Die Fehlerdiagnose hatten wir ihm vorher schon geschickt. Auch er sagt fahren sei kein Problem. Ohne viele Worte entscheiden Birger und ich  spontan zurück nach Deutschland zu fahren um den Turbo tauschen zu lassen. In Frankreich ist es definitiv zu teuer und wie lange der Turbo noch durchhält kann uns keiner sagen. Gesagt getan! Um 12.30 Uhr setzen wir uns auf die Autobahn und sind abends um 21.00 Uhr schon in Trier,  am nächsten Abend in Norddeutschland.  Wir geniessen die knapp 10 Tage Zuhause, aber als unser Auto wieder fit ist, gehts schon wieder los. Unser Ziel ist ja Marokko und die Wärme. Leider ist der Wetterbericht der spanischen  Mittelmeerküste ziemlich mies. Viel Regen, Stürme, Kalt und das die nächsten 10 Tage.  So eilig haben wir es nicht, das Wetter im Norden ist zwar kalt aber sonnig. Wir verbringen drei  Tage in Cuxhaven, machen lange Spaziergänge, gehen Grünkohl essen.

Dann geht es ein Stückchen weiter bis nach Emden. Die Stadt gefällt uns sehr gut, der Womostellplatz ist direkt am Binnenhafen fussläufig zur Innenstadt.

Spanien meldet weiter schlechtes Wetter. Keiner von uns beiden war schon mal auf Texel und wir beschließen uns die holländische Insel näher anzuschauen. Im Norden der Insel gibt es einen schönen Campingplatz mit beheiztenHallenbad, Stränden und Radwegen vor der Tür. Fünf Tage erkunden wir die Insel mit Rad, abends liegen wir im warmen Wasser des Schwimmbades. Es ist noch einiges los in den Orten, Geschäfte, Restaurants sind geöffnet, Touristen zum Winterurlaub laufen warm eingepackt am Strand entlang. Das Wetter ist sonnig, aber kalt, am Strand lässt es sich schön spazieren, an einem Nachmittag dreht ein Kunstflieger vor der Küste seine Runden am Himmel. Wir sind beeindruckt, und mit leichter Genickstarre gehen wir nach der kostenlosen Show Kaffeetrinken. Holland, seine Strände und kleinen Orte gefallen uns sehr gut.

Ich erinnere mich an einen Ort aus meiner Jugend und so verbringen wir drei Tage in Katwijk und Nordwijk. Wir lassen uns vom Nordseewind durchpusten und finden bald „unsere“ Strandkneipe mit Kamin für die späteren Nachmittage.

Aber nun ist an der Küste Regen angesagt und wir beschliessen dann doch den Weg in den Süden anzutreten. Über Luxemburg geht es nach Frankreich. Die Temperaturen steigen, die Sonne kommt raus und in Frankreich werden wir dann zum ersten Mal an einem Kreisverkehr von den Gelbwesten begrüsst.  Der Kreisverkehr wird immer mal wieder für 5-10 Minuten gesperrt. Aber nach 30 Minuten rollen wir auch wieder. Die nächste Sperrung sehen wir auf der Autobahn auf der Gegenfahrbahn und als wir Warnschilder auf unsere Seite sehen, weichen wir für einige Kilometer auf die Landstrasse aus. Als wir dann irgendwann die Autobahn verlassen, sind die Mautstationen von den „Gelbwesten“ übernommen worden und wir geben nur unser Ticket ab und brauchen nichts zahlen. Zweimal fragen wir, ob dies auch okay ist. Aber alle andern Autos um uns herum machen es genauso. In Avignon „sparen“ wir noch mal die Gebühren, müssen jedoch um die folgende Strassensperre zu umfahren, gegen die Fahrtrichtung auf einen Supermarktparkplatz fahren und über das Gelände eines Einkaufszentrum uns wieder irgendwie auf den rechten Weg bewegen. Der Campingplatz in Avignon liegt nur 800 Meter über den Fluss hinweg von der Innenstadt entfernt. Wir erkunden die Stadt zu Fuss, die Sonne scheint. Es ist schon Anfang Dezember und wir sitzen draussen auf der Plaza und trinken Kaffee. Am Nachmittag schauen wir uns den Palast der Päpste an, schlendern durch die Altstadt. Avignon gefällt uns sehr gut.

Einige Gelbwesten sind unterwegs und demonstrieren gegen die Preiserhöhungspolitik der französischen  Regierung. Als wir am frühen Abend bei Einbruch der Dunkelheit die Innenstadt verlassen, sehen wir Rauchschwaden aus einer Gasse aufsteigen. Vom Campingplatz aus hören wir viele Martinshörner bis in die späte Nacht. Es gab dann doch noch Ausschreitungen. Am nächsten Tag verlassen wir die Stadt. Unser Ziel ist die Camargue. Dort solle es Flamingos, wilde Schimmel und schwarze Stiere geben. Vorher machen wir noch einen Abstecher zum Pont du Gard, eine alte römische Wasserleitung.

Hier war Birger in seiner Jugend schon einmal. Die Wasserleitung ist wirklich beeindruckend, in der Nebensaison kann man sie leider nicht erklimmen, aber von unten und von oben bestaunen. In der Camargue sehen wir dann tatsächlich noch wilde Flamingos, ob die weisse Pferde und die schwarzen Stier, die wir auch sehen wirklich „wild“ sind, lassen wir mal unbeantwortet.

Auf dem Stellplatz sind wir nicht alleine und der Ort „Saintes Maries de la Mar“ ist auch recht nett.  Spontan legen wir dann noch einen Stop in „Palavas les Flotes“ ein. Am Strand kann man schön Spaziergehen, der Stellplatz liegt direkt im Yachthafen. Es wird jeden Tag etwas wärmer, die Sonne scheint und die Tage werden länger. Nun sind nur noch wenige Kilometer bis nach Spanien.

Fazit: Ja, unser Weg nach Süden wurde je unterbrochen. Wir waren ziemlich genervt. Familie und Freunde im Norden waren erstaunt aber erfreut uns kurzfristig wiederzusehen . Aber wer weiss wofür es gut war. Im Nachhinein wissen wir es. Wir wünschen allen die  uns auf unserer Reise begleiten ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr 2019.

Dieser Beitrag gehört zu Europa 2018, Reiseberichte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.