Europa: Schweden

von Christiane

Europa: Schweden vom 20.05.2029- 15.06.2019

Endlich sind wir wieder on the road. Unser Plan ist es den Sommer in Skandinavien zu verbringen. Wir wollen an der Ostküste von Schweden bis Finnland fahren, dann wieder etwas Richtung Süden nach Helsinki, von dort ganz in den Norden zum Nordkap und über die Küste von Norwegen wieder in südliche Richtung. Soweit der Plan, der sich natürlich ständig ändern kann. Wir haben die Fähre von Rostock nach Trelleborg gebucht, mit einem Wohnmobil, ist  dies, zwar nicht die schnellste aber die  günstigste Möglichkeit, die  wir fanden, um nach Skandinavien zu kommen. Bis dahin bleiben uns noch vier Tage Zeit und wir beginnen unseren neuen Reiseabschnitt in Grömitz. Vom Stellplatz sind es knapp drei Kilometer zu Fuss ins Zentrum, fast ausschliesslich an der Strandpromenade entlang. Die Wolken am Himmel werden immer dunkler. Wir entschliessen uns erst einmal etwas Essen zu gehen. Und tatsächlich am Abend kommt doch die Sonne noch mal raus, wir finden eine Strandbar und trinken einen Cocktail auf unsere Reise. Ein guter Start, wie wir finden. Über Wismar und Rerik geht es dann nach Rostock.

Das Wetter ist durchwachsen, aber als wir nachmittags auf die Fähre fahren strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Sechs Stunden dauert die Überfahrt, wir liegen in zwei Liegestühlen in einer windgeschützten Ecke und geniessen die „Bootsfahrt“. 

Nach 21.00 Uhr kommen wir in Trelleborg an, die Nacht verbringen wir nicht weit vom Anleger auf einem Stellplatz, nicht sehr schön, aber wir wollen ja auch nur die Nacht dort verbringen. Am nächsten Morgen fahren wir nicht weit. Ystad ist bekannt aus den Wallander-Krimis von Henning Mankell, klar, dass ich mir das Städtchen anschauen mag. Ausserhalb gibt es einen Stellplatz mit Blick auf die Ostsee und der Fussweg in die Stadt führt immer am Wasser entlang, leider auch ein kurzes Stück an einer Kläranlage. Ystad ist beschaulich, im Dom spielt gerade eine junge Frau am Klavier einige Pop-Evergreens und wir hören zu, applaudieren auch kräftig, aber eine Zugabe gibt es leider nicht. Wir essen unser erstes schwedisches Sofateis und lernen das der Kaffee in den Cafés immer ein „refill“ ist.

Unser Weg führt uns weiter durch kleine niedliche Hafenstädtchen, an fast allen Yachthäfen, sind auch Stellplätze für Womos, die sehr gute Sanitäranlagen haben, oft auch kostenlose Waschmaschinennutzung.  Immer wieder machen wir kleine Abstecher zu Sehenswürdigkeiten.

Karlskrona ist ein hübscher Ort mit einer Art „Museumsinsel“ okay eine Halbinsel. Im dortigen Marinemuseum bewundern wir zwei ausgestellte U-Boote, eines kann man auch von Innen erkunden. Die Innenstadt bietet viele Cafés und Restaurants, der Hauptplatz mit Kirche und Rathaus hat sich gerade in eine Baustelle verwandelt.

Im Ort Kalmar besuchen wir das Schloss. Es ist von aussen schon ein imposantes Gebäude, viele Könige residierten hier und jeder hat es umbauen lassen, je nach dem Geschmack der Zeit und der Person. Die Erklärungen an den Ausstellungsstücken sind nicht nur auf schwedisch und englisch sondern auch in deutscher Sprache. So erfahren wir entspannt viel über die Geschichte Schwedens, seiner Nachbarländer und der Beziehung zu Deutschland. Durch den Schlossgarten spazieren wir dann Richtung Innenstadt.

Viele Jungendliche sind unterwegs in einheitlichen T-Shirts, sie feiern ihren letzten Schultag und ziehen gemeinsam durch die Innenstadt. Nachmittags gehen wir in ein kleines Café, das unser Reiseführer empfiehlt. Von aussen ist es nicht zuerkennen, dass es im ersten Stock liegt. Über dem Eingang steht nur der Name die Holztür ist geschlossen, aber viele Leute kommen und gehen durch die Tür. Sonst hätten wir es wohl nicht gefunden. Das Café erstreckt sich über mehrere Wohnungen auf einer Ebene und ist eingerichtet wie heimische Wohnzimmer oder Esszimmer. Jeder Raum, jeder Tisch sieht anderes aus, mit Sesseln oder Stühlen, Eckbänke. An der Theke bestellt man Kuchen, Snacks, Baguette und Getränke und sucht sich seinen Lieblingsplatz aus. Einige lesen Zeitung, Studenten sitzen zusammen am Computer, Ehepaare lesen Zeitung. Sehr gemütlich.

Von Kalmar fahren wir über eine schöne lange Brücke auf die Insel Öland. Die Sommerfrische verbringen hier die schwedischen Royals jedes Jahr, und somit ist es auch ein beliebtest Urlaubsziel für die Schweden.Zunächst erkunden wir den Norden der Insel. Bis zum Leuchtturm, dem langen Jan.

Auf dem Weg dorthin passieren wir viele Windmühlen, viele kleine Dörfer. Die Season hat noch nicht begonnen, vieles hat noch geschlossen. Wir sind überrascht, dass viele Cafés, Restaurants auch Campingplätze erst ab Midsommer öffnen. Bis dahin sind es noch gut drei Wochen, die Sonne scheint und viele Wohnmobile  und Zelter sind schon unterwegs. Abends auf dem Stellplatz mit Blick auf die Schären, spricht uns ein Ehepaar aus Norddeutschland an. Sie erzählen uns unter anderem, dass sie unbedingt zum Astrid Lindgren Museum nach Vimmby fahren wollen, das sei ja eine Art Pflichtprogramm, wenn man in Schweden ist. Ja, finde ich auch und mache mich direkt auf die Suche. Durchstöber unseren Reiseführer  nach Infos und dann das Internet. Danke für den Hinweis! Aber erst geht es noch nach Borgholm zum Sommerschloss der Royals und  auf die Südseite von Öland. Das Sommerschloss kann man nur von aussen bewundern, dafür aber durch den Schlossgarten wandeln. Der ist jedoch recht schlicht gehalten und auch nicht sehr groß.

Da finden wir die  Südspitze der Insel doch interessanter. Am Leuchtturm, langer Erik, ist ein Vogelschutzgebiet und auf den vorgelagerten Felsen, haben Seehunde ihr zuhause gefunden. Es ist recht windig und frisch, aber in dem kleinen Café wärmen wir uns auf. Etwas später fängt es an zu regnen und wir verkriechen uns auf einem Stellplatz ins Wohnmobil.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf nach Vimmybö. Dort steht das Geburtshaus von Astrid Lindgren und ihren Geschwistern und sie hat auch später einige Jahre mit ihrem Mann hier gewohnt. Auf dem Grundstück hat man nun ein Museum erbaut. Durch ein schönes Seengebiet führt uns die Strasse vom Meer weg ins Landesinnere. Das Museum wirkt gar nicht so groß, bewaffnet mit einem AudioGuide lassen wir uns in die Geschichten unserer Kindheit entführen. Denken wir. Aber das Museum beschäftigt sich sehr anschaulich mit dem Lebensweg von Astrid Lindgren und ihrer Familie, Eltern, Geschwistern, Kindern, Freunde. Auch ihre Rolle und ihre Stellung in der schwedischen Gesellschaft, ihren Bekanntheitsgrad wusste sie gut zu nutzen für Dinge die ihr am Herzen lag. Schutz von Kindern vor Gewalt, Umweltschutz, gesunde Ernährung etc. Viele Dinge die uns so nicht bewusst waren. Ein Stück „schlauer“ verlassen wir das Museum und erkunden noch das Grundstück mit dem Geburtshaus, das spätere Wohnhaus und auch die Stellen im Garten, in dem Astrid Lindgren mit ihren beiden Geschwistern soviel gespielt hat. Die Spiele finden sich in einigen ihren Büchern wieder!

In den nächsten Tag fahren wir weiter an der Küste entlang, machen einige Wanderungen und lassen die entspannte Gelassenheit der Schweden auf uns überschwappen.

Nach soviel Natur wird wieder Zeit für ein bisschen Sightseeing. Stockholm! Ich selber war noch nie in Stockholm, habe viel tolles über die Stadt gehört und bin sehr neugierig. Wir entscheiden uns auf einem Campingplatz ca 19 Kilometer ausserhalb von Stockholm unser Quartier aufzuschlagen. Bei der Überlegung was wir uns anschauen wollen und es gibt sooooo unglaublich viel zu sehen in Stockholm, sind wir auf den Stockholmpass gestossen. Ein Citypass, mit dem man in fast alle Museen hineinkommt, die Sightseeing Busse und auch Boote nutzen kann, das Stadtschloss und auch Drottingholm und vieles mehr. So einen Pass gibt es in fast allen großen Städten, nun probieren wir ihn aus. Mit der Ubahn sind wir in ca 25 Minuten in Gamblastan, der Altstadt von Stockholm, mit schönen Gassen und unzähligen Kneipen, Cafés und Restaurants. Naja und mit noch unglaublich vielen Touristen, Schülergruppen, Reisegruppen aller Herren Länder. Unser erster Weg führt uns ins ABBA Museum. Das kleines Museum, mit vielen Besuchern, erzählt uns die Geschichte von Agneta, Benny Björn und Annafried. Alte Fotos, ihr Plattenstudio – in dem nun die Besucher auch mal singen dürfen -, Interviews mit ihrem Manager, seiner Frau und der Sekretärin lassen uns etwas tiefer in das Leben der vier Blicken. Aber immer nur positiv, versteht sich.

Nach dem Museumsbesuch brauchen wir erst mal eine Pause. Nach einem Bierchen gehts direkt weiter ins Vasa-Museum. Hier steht das Original Schiff -die Vasa- sie wurde zwischen 1625 und 1628 erbaut. Das Besondere: ihre Jungfahrt hat sie  nur knapp 1 Meile lang bis zum Hafenausgang geschafft hat, dort versank sie. Grund für den schnellen Untergang war, dass sie instabil im Wasser lag.  1956 wurde das Wrack gefunden und 1961 hat man das Schiff nach 333 Jahren aus dem Hafen geborgen, trocken gelegt und ein Museum drum herum gebaut.  

Nach soviel Museum, gönnen wir uns eine Bootsfahrt und schauen uns Stockholm von der Seeseite an.

Am nächsten Tag geht es direkt weiter. Wir starten unsern Tag mit etwas Kultur und besichtigen das Nobelmuseum. Die Idee hatten noch ein paar andere Schülergruppen, Studentengruppen etc. Aber für jeden ist Platz genug.

Nun ist wieder etwas Entspannung angesagt, mit einem Boot fahren wir ca 45 Minuten über die Kanäle zum Schloss Drottingholm. Hier residiert der König mit seiner Gattin. Große Teile des Schlosses kann man besichtigen, was wir auch tun, und der Schlossgarten ist riesig groß.

Zurück in der Stadt, gibt es erst einmal eine kleine Stärkung, dann geht wieder auf ein Boot. Stockholm von der „Seeseite“ ist wirklich schön und wüssten wir nicht wie kalt und dunkel es hier im Winter ist, könnten wir uns fast vorstellen hier zu wohnen.

Unseren letzten Tag in Stockholm nutzen wir für einen Besuch des Stadtschlosses, hier ist der Arbeitsplatz der Royals und in manchen Räumen dürfen Staatsgäste auch übernachten. Es gibt eine Kapelle, eine recht übersichtliche Schatzkammer, königliche Ställe.

Als wir das Gebäude verlassen, stehen viele Menschen auf dem Hofplatz, dessen Mitte gerade abgesperrt wird. Die königliche Garde hält jeden Tag um 12.00Uhr hier eine Parade ab, die Militärkapelle spielt dazu. Ein schönes Schauspiel.  Dann gibt die Zeremonienmeistern der Kapelle ihren Platz an einen Dirigenten ab und die Kappelle spielt einige Charts-Hits und es kommt leben in die Zuschauer, auch die klassischen Stücken gefallen uns sehr gut.

Nach einer knappen Stunde ist das Spektakel beendet. Da waren wir zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort.  Wir drehen noch eine kurze Runde mit dem Sightseeingbus, weil wir keine Lust mehr haben zu laufen. An der Promenade mit Blick auf die Stadt steigen wir aus, setzen uns in die Sonne in  ein Bistro, folgen dem Beispiel der Schweden um uns herum, trinken eine Flasche und „gucken Leute“. Stockholm werden wir auf jeden Fall wieder besuchen.

Nun ist es wohl wieder Zeit für totale Entspannung. Wir fahren nach Mariefred, nein nicht nur zur Entspannung, wir wollen das Schloss Gripsholm besuchen. Da Feiertag ist und Pfingstwochenende, suchen wir uns erst einen Platz auf einem CP direkt am See. Unsere Nachbarn kommen aus Ostfriesland und schnell kommen wir mit Ralf und Martina ins Gespräch. Doch bevor es zu gemütlich wird, laufen Birger und ich in den Ort und besuchen das Schloss, dass die größte Porträt-Sammlung von Schweden enthält. Tatsächlich von tausenden Bilder lächeln uns Damen und Herren in verschiedenen oft lustigen Gewändern entgegen. Die Namen können wir uns nicht merken. Angeschlossen ist eine Van-Gogh Ausstellung, die das Leben des Künstlers beschreibt, ohne auch nur ein Original zu zeigen. Uns gefällt diese Ausstellung sehr gut!

Abends sitzen wir mit Ralf und Martina zusammen. Ralf erzählt er hätte unsere Internetseite angeschaut, wir seien ja noch in Portugal, aber sie sähen uns jetzt ja hier in Schweden. Spät dran, was, Christiane?! Er hat mein schlechtes Gewissen voll bedient und am nächsten Nachmittag setzte ich mich hin und schreibe zumindest den noch fehlenden Spanienbericht und stelle ihn auf unsere homepage. Abends grillen wir dann zu viert gemeinsam, es gibt viel zu erzählen…. der Rest muss dann bis Deutschland warten! Wir sehen uns wieder!

Unsere Fahrt geht weiter Richtung Norden, zur finnischen Grenze. Unserer Strecken werden etwas länger, jeden Abend finden wir einen tollen Platz zum Stehen mit Blick auf die Schären. Bei einer Wanderung um den Ort Vaxbö, entdecken wir ein kleines Café. Die Besitzer sind super lieb, sie haben erst vor einem Jahr das Haus gekauft. Sie stellen selber Eis her, die Zutaten pflücken sie selbst. Rhabarber und Erdbeerreis sind ein Traum. Das Café eine Puppenstube. Wir werden noch zu einem Stück mega leckerem Kuchen eingeladen und der Besitzer erzählt uns wie er letzte Nacht versucht hat eine Jus für sein Pistazieneis selber herzustellen, das Fertigprodukt sei viel zu teuer. Er zeigt uns beide Varianten. Irgendwann reissen wir uns los und setzten unsere Wanderung fort!

Die Mücken lassen uns während unseres Aufenthalts in Schweden  in Ruhe, wir hatten mehr erwartet. Um den Ort Börsta rum stehen wir zwei Tage und machen zwei schöne Wanderungen. Schweden entspannt uns total. 

Fazit: Von Schweden haben wir auf dieser Tour die Ostseeküste befahren. Der Blick auf die Schären, die kleinen niedlichen Orte haben uns sehr gefallen. Alles erinnert ein bisschen an Bullerbü.Die Möglichkeiten zu Campen sind sehr vielfältig immer mit tollem Blick aufs Wasser. Das Reisen ist ganz einfach, alle sprechen Englisch. Wir fühlen uns sauwohl!

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