Provinz Ontario: 23.05.2014-11.06.2014

 Ontario: Die Provinz wird von ca. 13 Mio Menschen (dass sind 39% der kanadischen Bevölkerung) bewohnt, diese leben auf einer Fläche von ca 1.1 Mio qkm. Also jeder einzelne hat viel Platz. Die Hauptstadt der Provinz ist Toronto. Die meisten Menschen leben im Süden der Provinz entlang der Grenze zu den USA. Vier der fünf großes Lakes ( Ontario, Erie, Huron und Superior)  sowie der Saint Lawrence River und der Rainy River bilden die Grenze. Toronto ist aufgrund der großen Zahl der Immigranten aus allen Teilen der Erde eine der multikulturellsten Städte der Welt. Die Engländer waren die ersten Siedler hier und König Viktoria entschied, dass Ottawa die Hauptstadt von Kanada sein soll und bis heute ist. Ontario ist sowohl geprägt durch hightech Industrie, Dienstleistung, Bergbau ( Nickel, Uran, Gold, Platin, Zink und Kupfer) und Landwirtschaft.

Ontario empfängt uns mit schönem Wetter, blühenden Apfelbäumen, Flieder und Kirschbäumen. Der Frühling ist hier schon etwas weiter. Und Ontario begrüßt uns wieder in Englisch, wir verstehen wieder alle Schilder und den nette Mitarbeiter am CP müssen wir nicht erst fragen ob er Englisch spricht, er spricht es einfach. Ja, aber nicht nur Frühling und Sonnenschein sind schon da, nein auch unsere neuen Freunde, die Mücken/Gelsen haben sich schon eingefunden. Da Kanada ein großes Land ist gibt es auch große Schwärme von großen Mücken. Hier ist alles immer etwas größer. Wir bekommen eine kleine Vorahnung von dem was uns wohl noch in den nächsten Monaten so erwarten wird.

Immer entlang des St. Lawrence River geht unser Fahrt. Die Dörfer und kleine Städtchen sind wirklich schön. Das Upper Canadian Village, ein living museum, beeindruckt uns total und wir bringen einen halben Tag dort. Es ist ein Dorf aufgebaut worden mit Originalhäusern von 1860 und in diesem Dorf „wohnen“ und leben Menschen – zumindest zwischen 9.00 Uhr und 19.00 Uhr. Es gibt eine Schreinerei, eine Schule, eine Zinnwerkstatt, eine Käserei, ein Bäcker, eine Taverne, ein Hotel, das Haus des Pfarrers, eine Weberei, eine Näherei etc. In jedem Haus werden wir von den freundlichen Bewohnern empfangen, die natürlich authentisch gekleidet sind, und bekommt eine persönliche Darstellung und Erklärung von ihren Aufgaben und ihrem Leben. In jedem Haus werden wir herzlich Willkommen geheissen und lernen viel von den dort „lebenden Menschen“. Es hat soviel Spaß gemacht mit der Bäuerin zu sprechen, die uns ihr Haus zeigt und ihren Mann entschuldigt, der gerade mit den Ochsenkarren durchs Dorf zieht. Klar wissen wir schon, wir sind ihm eben begegnet, genauso wie der Postkutsche. Es ist wirklich Leben in diesem Dorf.

Unser nächstes Ziel ist das Gebiet der 1000 Inseln, also es sind 987 bewohnte Insel und  wenn man alle kleinen Felsen, die aus dem Wasser ragen etc dazu zählt sind es fast 2000 Inseln. Vom Skyline Tower, der genau zwischen den Grenzen von USA und Kanada steht hat man aus 125 Höhe und drei Aussichtsplattformen eine tolle Sicht. Auch vom Boot aus, kann man die kleinen Ferienhäuser, nun gut nennen wir sie doch eher Villen bewundern. Das Schiff fährt genau zwischen den beiden Staaten her.

In Kingston besuchen wir das Fort Henry, es ist praktischer Weise in der Eintrittskarte vom Upper Canadian Village enthalten. Die Ausstellung ist toll gemacht mit vielen interaktiven Möglichkeiten und wir nutzen sie alle. Dann betreten wir das eigentlich Fort und sind überrascht, wir sind schon wieder mitten im Leben, diesmal in dem  eines militärischen Forts. Es wird marschiert in Originaluniformen, die Soldaten und Offiziere, die sich im Fort begegnen grüßen sich originalgetreu und wir bekommen noch eine Führung vom Soldaten durch die Räume, incl. einer Vorführung eines tatsächlichen Kanonensaluts von der Festungsmauer. Toll, so macht Geschichte Spaß.

Zunächst umfahren wir Toronto. Die sechs-spurigen Autobahnen wirken etwas abschreckend zumal ständig zwei Spuren irgendwo anders hinführen um später doch wieder aufzutauchen. Die ganze linke Spur ist zeitweise nur für PKWs mit mindestens zwei Insassen oder Busse vorgesehen, und die zweite linke Spur ist für Fahrzeuge über 6,5 m verboten, also für uns. Plötzlich gibt es eine Express Spur besser gesagt zwei…..wir nehmen die einfach mal…. puh alles sehr anstrengend!  Wir machen uns auf den Weg zu den Niagarafällen. Die empfangen uns erstmal mit Regen, so dass wir die angeleuchteten Fälle ( abends ab 21.00 Uhr) nicht bewundern können, da die bunten Scheinwerfer durch den Regen und die Gischt nicht durchdringen können. Egal, am nächsten Tag lacht die Sonne und wir geniessen die Fälle, mit dem vollen Touristenprogramm. Bootsfahrt mit „Maid of the Mist“ vor die Fälle, ein Blick hinter die Fälle „Walk behind the falls“ und ein Blick auf die Stromschnellen der Klassifizierung 6 „White River Walk“ das 3 D Movie lassen wir dann aus, wäre am im Touristen-Adventur-Pass für umgerechnet  40 Euro auch noch drin gewesen, dafür nutzen wir die Buslinien die im Pass enthalten sind.

Es war ein wirklich schönes Erlebnis, zumal es nicht voll war und wir nirgendwo Warteschlangen etc hatten. Es war echt ein entspannter schöner Tag. Der Ort selber mit all seinen vielen Hotels, Casinos, Restaurants und Fast Food Angeboten ist nicht so ansprechend, aber wir haben ausserhalb gecampt.

Unser nächstes Ziel ist das Gebiet der 30.000 Islands. In Midland geniessen wir die Landschaft der Inseln auf einer 2,5 stündigen Bootstour. Das Boot ist für ca 300 Passagiere ausgelegt, wir waren ca 30 Leute an Bord. Eine ruhige Tour, mit viel Platz an Bord!Das Wetter ist wirklich schön, wir haben mittlerweile unsere kurzen Hosen rausgeholt! Alle Campingplätze haben geöffnet und wir sind auch nicht mehr die einzigen Gäste.

In Meaford an der Georgian Bay stehen wir auf einem schönen CP direkt am Wasser, es ist erst Mittag als wir ankommen. Birger knüpft direkt wieder Kontakt zu den Nachbarn und  wir werden direkt zum campfire am Abend eingeladen. In Kanada hat jeder Stellplatz eine Art  Feuertonne, manchmal sind es auch ausrangierte Waschmaschinentrommeln, um ein Feuer entzünden zu können. Das wärmt abends und hält die  Mücken ab. Christin und Rob und zwei ihrer Freunde ( Marjo und ihr Mann) erzählen uns viel über ihr Land, wir diskutieren über Eishockey, Curling (sehr populär in Kanada), Politik, Restaurants, Arbeitszeiten  und den Unterschied zwischen Deutschland und Kanada im Allgemeinen und im Besonderen. Es wird ein langer Abend und ich grille meine ersten Marshmallows im Lagerfeuer! Etwas verkokelt aber lecker!

Auf dem Weg zum nächsten Ziel wendet Birger plötzlich und sagt er hätte was tolles entdeckt. Ja,  auf einem Parkplatz sehen wir einen gelben Unimog aus Deutschland. Zumindest das Auto haben wir schon gesehen im internet auf der homepage der beiden Berliner. Die beiden sind auch unterwegs nach Patagonien und wir tauschen einige Erfahrungen aus und hoffen uns auf der Strecke bald mal wieder zu sehen.

In Tobermory bleiben wir zwei Tage. Die CP Besitzer sind ein Auswanderer Paar aus Deutschland und geben uns viele nützliche Infos über Ferienzeiten und lange Wochenenden in Kanada, weil dann die meisten CP besetzt sind, weil ganz Kanada on the road ist. Wir können es uns fast vorstellen, denn vor, sagen wir mal, jedem dritten Haus, ein Campertrailer (fifth wheel genannt) oder Wohnwagen oder Wohnmobil oder Wohnbus hier in Kanada stand und irgendwann müssen die ja mal los auf die Strasse. Nun versuchen wir unsere Route einwenig den Ferien und den beiden langen Wochenenden (der Montag ist ein Feiertag) anzupassen bzw überlegen vorher einen CP zu reservieren.

Wir machen Wanderungen im Bruce NP und treffen unsere ersten Schlangen. Auf die zweite wäre Birger fast drauf getreten, sie lag mitten auf dem Weg… Das Wasser ist total klar und unglaublich kalt, meine Füsse laufen fast blau an als ich sie mutig ins Wasser hänge….

Per Schiff besuchen wir die „potflowers“ und können unterwegs noch einige Wracks auf dem Meeresgrund bestaunen.

Von Tobermory nehmen aus wir die Fähre Richtung Espanol. Leider ist die Überfahrt etwas vernebelt. Nach einer sehr schwülen und extrem mückenreichen und daher kurzen Nacht machen wir uns auf den Weg zum Lake Superior. Dieser größte Süßwassersee Ontarios hat eine Größe von 82.000qkm und ist  umgeben von vielen Provincial Parks mit noch mehr Möglichkeiten zum Wandern. Bären begegnen uns zwar immer noch nicht aber dafür sehen wir mehrmals Elche am Strassenrand!

Mal wieder überfahren wir eine Zeitzone und bekommen eine Stunde geschenkt. Nun ist es bei uns im Vergleich zu Deutschland schon sieben Stunden früher. Wir fahren zunächst in den Provincal Park Agawa und wandern an tollen Stromschnellen vorbei, immer ein wenig unruhig ob ein Bär auftaucht, weil beim Wandern wollen wir ihnen dann doch nicht so gerne begegnen.

Im Rainbow Provinical Park bleiben wir direkt am See über Nacht und wollen am nächsten Tag uns den Quimet Canyon und danach den Sleeping Giant  anschauen.

Leider macht unser Womo uns einen kleinen Strich durch die Rechnung. Kurz nach dem wir losfahren leuchtet eine Warnlampe auf. Ein Blick ins Buch sagt uns, wir sollten unsere Vorderbremsen kontrollieren lassen. Nach knapp 27.000 gefahren km in ca 1,5 Jahren. Natürlich passiert dies an einem Freitag und es ist schon gegen Mittag, die nächste größere Stadt ist 120 km entfernt und dann kommt erstmal länger nix!  Wir beschliessen spontan unsere Pläne zu ändern und den direkten Weg  in die Stadt,Thunder Bay, zu nehmen. Unterwegs sehen wir einen Ford Händler mit Werkstatt. Wir fragen ob sie uns die Bremsbeläge wechseln könnten, wir haben nämlich welche dabei 😉 die Kollegen trauen sich aber an unser Auto nicht ran. Fiat ist als Automarke nicht so bekannt in Kanada, obwohl Fiat bekannterweise Chrysler aufgekauft hat. Aber wir bekommen eine Adresse in Thunder Bay ein Dogde-Chrysler Händler, der wohl auch Fiat vertreibt. Nichts wie hin.  Nachmittags um 14.30 Uhr stehen wir in der Werkstatt. Zeit haben sie keine mehr für uns, aber die Bremsen zu wechseln ist kein Problem evtl am Montag? Birger packt seine Überredungskünste aus, der Manager wird gefragt und klar sie helfen heute noch. Wir lassen unsere Ersatzteile da und haben nun 1,5 Stunden Wartezeit zu überbrücken und gehen etwas essen. Als wir nach einer Stunde (typisch deutsch oder?) wieder in der Werkstatt sind, staunen wir nicht schlecht, als der Manager uns sagt, sie hätten unser Womo wegen seiner Höhe doch nicht in die Werkstatthalle fahren können, aber er hätte unser Auto zu einem Trailer und Truck Service fahren lassen und die wären gerade dabei unsere Bremsbeläge zu wechseln. Leider wären wir nicht erreichbar gewesen und er glaube er hätte in unserem Sinne gehandelt. Er würde uns jetzt dort hinfahren lassen von einem Mitarbeiter. Total perplex und begeistert schauen wir ihn an. Solche Hilfsbereitschaft haben wir noch nicht oft erfahren und Birger überlegt ob er als Manager so eine Entscheidung getroffen hätte, einfach ein Auto in einer andere Werkstatt zu bringen. Wir sind froh und dankbar über die Eigeninitiative des Managers! Der Trailer und Truck Service ist schon eifrig mit unserem Womo beschäftigt und das Fabrikat ist ihnen eigentlich egal. Wir bekommen erneut den Hinweis (die Kollegen von Ford sagten es schon), dass unsere Vorderräder erneuert werden müssten, bald wenn möglich. Okay, das auch noch!  Als wir dann auf der Rechnung die Empfehlung lesen in 150 km die Vorderreifen zu erneuern  werden wir unruhig.

Der Abend ist sonnig und wir übernachten vor dem Fort Wilhelms in Thunder Bay. Wir lernen die sehr sympathische Carolyn mit ihrem Hund Parker kennen, sie leistet uns zwei Stunden Gesellschaft und erzählt uns alles was man über Thunder Bay wissen muss und ein wenig von sich selbst. Ein entspannter Abend. Abends suchen wir  dann doch noch im Internet nach einem Reifenhändler.  Wir werden schnell fündig und Fountain Tired hat auch samstags geöffnet. Also bleiben wir noch einen Tag länger in der Stadt und unser Womo bekommt ein paar neue Schuhe. Es regnet eh den ganzen Vormittag und so nutzen wir den Tag….. Die passenden Reifen sind vorrätig und nach langen 2 Stunden, wir sind nicht die einzigen Kunden, kann es wieder losgehen. Es waren zwei aufregende Tage  für uns. Froh waren wir über die mitgenommenen Bremsbeläge, wer immer die Idee oder den Tipp hatte für uns, Vielen Dank!

Nach dem Besuch des Fort Wilhelm, ein living museum in dem der Handel mit Tierfellen etc  in der Zeit um 1816 gezeigt wird verlassen wir Thunder Bay.An den Kakabeka  Wasserfällen im gleichnamigen Provincial Park übernachten wir. Als wir mit einem Glas Wein in der Hand vor unserem Womo sitzen werden wir angesprochen von zwei kanadischen Ehepaaren. Sie sind neugierig auf unser Gefährt und wir geben eine Führung durch unsere 8 qm.  Die Gegeneinladung uns ihren Bus anzuschauen und der schaut von aussen wirklich aus wie ein Reisebus, nehmen wir gerne an und sind total beeindruckt, denn diese Wohnmobil-Reisebusse haben die Möglichkeiten Wohnteile auszufahren, so dass der Wohnbereich und das Schlafzimmer sich in der Breite verdoppeln. Zu sechst haben wir entspannt Platz und es wird ein langer, netter Abend mit Val und Tony, und Bonnie und Eric. Vielleicht sehen wir Val und Tony in zwei Wochen im Banff NP wieder, je nach dem wie schnell wir sind.

Von Thunder Bay geht es nun langsam in die Einsamkeit. Bis in die nächste Stadt sind es ca 280 km und viel zu erleben gibt es nicht so viel unterwegs…. wäre da  nicht erst ein Elch und dann auch noch dieser Bär.

Bestimmt eine halbe Stunde beobachten wir den Bär vom Womo aus, wir am Strassenrand sein Mittagessen einnimmt und sich nicht stören läßt.Unser erster Bär!

Und der nächste lässt nicht lange auf sich warten.


Über Fort Francis fahren in Etappen nach Kenora. Ein sehr schöner kleiner Ort am See. Hier kann man mit Wasserflugzeugen die Seewelt von oben bewundern, Boote mieten oder einfach nur am See sitzen und die Landschaft geniessen.

 Fazit: Ontario ist eine wirklich sehr abwechslungsreiche Provinz, große Städte ( Toronto, Ottowa), die Niagaras, viele Seen und Insellandschaften und sehr hilfsbereite und offene Menschen. Oft überholen uns Autos auf der Strasse, die die Rückseite unseres Womo gelesen haben und hupen und winken lachend oder halten ihren ausgestreckten Daumen aus dem Fenster.  Wir durften viel sehen und erleben und haben uns sehr wohl gefühlt. Ontario ist riesig groß!

Wir treffen uns wieder in der Provinz Manitoba!Christiane & Birger
Dieser Beitrag gehört zu Kanada 2014, Nordamerika, Reiseberichte

One thought on “Kanada: Ontario

  • Birthe :o) 19. Juni 2014 at 18:33

    Tolle Photo’s und wieder einmal sehr interessanter ‚Begleitroman‘ ….bei den Niagarafaellen war ich auch vor dupzig Jahren….Sehens- und erlebenswert … weiss nicht so genau, ob ich mich mit dem Schlaengelein (von dem Getier gibt es leidlicherweise mehr als genug in Australien …) oder den ‚Baerchen‘ vertraut machen wollte ….aus der Sicherheit des Wohnmobils ….vielleicht ….

    Wuensche Euch weiterhin ganz viel Spass und seid umaermelt und gedrueckt von dem Australischen Familienzweig 🙂 Ganz liebe Gruesse 🙂

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