Province Quebec: 13.05.2014 – 23.05.2014

 Quebec: Die Provinz Quebec ist viermal größer als Deutschland und wird von ca 8 Mio Menschen bewohnt. Die Franzosen waren so um 1608 die ersten Siedler hier. Seit 1974 ist in dieser Provinz französisch einzige Amtssprache und die Muttersprache von 80% der Bevölkerung. 8% der Bevölkerung haben Englisch als Muttersprache. Die Provinz ist katholisch ( 90% der Bevölkerung) was man an den vielen silberglänzenden Kirchtürmen hier erkennt. Es gab verschiedene Versuche von der Provinz sich von Kanada abzuspalten und Selbständigkeit zu erlangen. Die letzte Abstimmung erfolgte 1995  mit knapper Mehrheit (49,4% zu 50,6%) gegen die Selbständigkeit. Im Norden der Provinz sind ganz viele Landstriche unbewohnt.

Die Provinz Quebec empfängt uns dann erst einmal sehr freundlich mit einem kleinen Gastgeschenk: Wir wechseln die Zeitzone und bekommen eine Stunde geschenkt. Der Tag ist also etwas länger für uns. Gut so, weil es sind viele Campingplätze noch geschlossen (ich weiss ich wiederhole mich 😉 ) so dass wir weiter und länger fahren müssen als wir geplant hatten. Schließlich finden wir einen CP finden, direkt am Wasser, aber die Besitzer bieten uns nur einen Stellplatz mit Blick auf die vorbeiführende Strasse an. Nach dem wir ihnen erklärt haben, dass wir weder einen Stromanschluss brauchen und auch keinen direkten Wasseranschluss, dürfen wir uns direkt zwischen ihre noch unvermieteten Chalets direkt an den Strand stellen.

Die nächste Überraschung für uns ist, dass jeder hier in der Provinz Quebec französisch spricht nur wir nicht. Alle Hinweisschilder etc sind auf Französisch und auch nur auf Französisch. Und viele Leute, die wir vor allem auf der Gaspe Halbinsel treffen kein Wort Englisch sprechen. Trotzdem ist die Gaspe Halbinsel ein Traum. Der Weg führt an der Küste entlang und das Wetter spielt  auch mit.

In Bonaventure gehen wir in ein Museum über die Akadier. Die Akadier  und ihre Geschichte sind uns in Nova Scotia sehr häufig begegnet, doch auch die Erklärungen in unseren Reiseführern haben uns nicht genau erklären können wer die Akadier waren bzw sind.

Das Museum konnte es uns dann erklären. Naja eigentlich eher der nette englisch sprechende Mitarbeiter, den man extra für uns herbei gerufen hat, als die Damen am Museumseingang merkten, dass unser Französisch ungefähr so gut ist wie ihr Englisch. Dieser nette Museumsmitarbeiter erklärte uns den Aufbau der Ausstellung und fragte ob wir Hintergrundwissen zu den Akadiern bräuchten, wir nickten und wir bekamen eine halbe Stunde wirklich sehr guten, leicht verständlichen Geschichtsunterricht über die ersten französischen Siedler in Kanada, ihre Unterdrückung und anschliessende  Vertreibung durch die Engländer und ihre nicht wirkliche willkommene Rückkehr nach Kanada. Diese ersten Siedler nannten sich Akadier. Woher der Name kommt, es gibt verschiedene Varianten über den Ursprung des Namens…..

Im Nationalpark Forillon machen wir einige Wanderungen bei schönen Wetter und sehen einige Baumstachler, leider keine Elche oder Bären.

Auf einem CP  in St.Anne de Monts sehen wir bei unserer Ankunft ein Fahrzeug mit schweizerischem Nummernschild stehen. Birger nimmt Kontakt auf und lernt Denise und Marcel kennen. Die beiden super netten Schweizer sind fast auf der gleichen Route unterwegs wie wir und wollen in 1,5 Jahren von Halifax über Alaska nach Mexiko und über die Ostküste der USA zurück nach Halifax fahren. Tips, Ideen  und email Adressen werden ausgetauscht.

Es dauert auch nur knapp 12 Stunden da treffen wir uns wieder an der Fähre von Riviere du Loup nach St.Simom. Unser Ziel ist Tadoussac Die Stadt ist bekannt für ihre Walbeobachtungstouren, und da wollen wir hin. Das Wetter ist zwar eher schrecklich aber wir hoffen einfach auf Sonne, was bleibt uns übrig. Wir finden einen schönen CP direkt am Lorenz River keine 10 Meter bis zum Wasser,

es ist Wiesengelände und wir müssen in eine kleine Senke fahren zum Stellplatz…… Nachts regnet es ein wenig und es kommt wie wir es fast geahnt hatten. Am nächsten Morgen bei dem Versuch los zu fahren  drehen unsere Reifen  durch auf dem nassen Untergrund und unser Womo kommt aus der Minisenke nicht raus und gräbt sich ein. So lernen wir unsere netten Nachbarn auf dem CP kennen, die mit Abschleppkette und 4×4 Pick-Up (hier heissen diese Autos: Truck) schnell zur Hand sind und uns Greenhorns eine Lektion in Abschleppen geben. Nun wissen wir wo und wie wir an unserem Auto so ein Abschleppseil befestigen müssen…..Der Platz hatte ein morgendliches Unterhaltungsprogramm und wir haben wieder was dazugelernt. Unser Stellplatz sieht leicht umgegraben aus als wir ihn verlassen. Sorry!

Rechtzeitig zur Walbeobachtungstour sind wir in Tadoussac und treffen dort auf Denise und Marcel, die  bereits die Vormittagstour gemacht haben. Unsere dreistündige Tour in einem Zodiac beginnt am späten Mittag. Warm eingepackt geht es los auf den River. Recht schnell sehen wir die ersten Belugawale. Es geht kein Wind, das Wasser ist mehr als ruhig  so können wir die weissen Belugarücken bewundern. Belugas haben nicht eine so große Schwanzflosse wie andere Wale bspw. Buckelware, die beim Abtauchen aus dem Wasser ragt, so dass man bei den Belugas nur den Rücken bewundern kann.

Es ist noch früh in der Saison und die anderen Walfamilie sind noch nicht angekommen, klar wegen des strengen Winters. Der letzte Winter muss immer herhalten für jegliche Arten von Begründungen ;-).Wir geniessen die Fahrt, die Sonne blickt durch die Wolken und wir machen noch einen Ausflug mit dem Zodiac in den Fjord. Zum Abschied trinken wir in Tadoussac auf der Terrasse einer kleinen Kneipe ein Abschlussbier, bevor wir uns auf den Weg zum CP machen.

Unser nächstes Ziel ist Quebec, da es auf dem Weg einiges zu sehen gibt brauchen wir  für die knapp 200 km bis dorthin zwei Tage. Im Park Cap Tourmente National Wildlife Area sind bis zu 700 Vogelarten zu Hause Wir bewundern  die Schneegänse. Hier pausieren bis zu 100.000 Schneegänse auf ihrem Weg vom US Bundesstaat Virginia in den kalten Norden von Kanada. Mitte Mai sind „nur noch“ 30.000 Gänse anwesend, wir sind trotzdem mehr als beeindruckt.

Und ein Prozent der Schneegänse bleiben schwarz.

Als nächstes besuchen wir den Canyon St. Anne hier stürzt das Wasser aus 74m Höhe in eine Schlucht und man kann von verschiedenen Hängebrücken und Aussichtspunkten den Wasserfall bestaunen.

Etwas 20 km entfernt befindet sich der  Wasserfall im Parc de la Chute  Montmorency. Dieser Wasserfall ist 30 Meter höher als die Niagara-Fälle, aber bei weitem nicht so breit.

Die Basilika in St. Anne de Beaupre ist wirklich beindruckend schön. Es wird gerade eine Messe abgehalten. Anders als ich es kenne, singt nicht die Gemeinde alle die Kirchenlieder, sondern es gibt eine Sängerin. Die Stimme dieser Frau haut uns beide ziemlich um, so dass wir den Gottesdienst bis zum Ende weiterverfolgen.

Um Quebec City zu besuchen suchen wir einen zentralen Campingplatz. Schliesslich entscheiden wir uns auf der anderen Seite des Flusses gegenüber von Quebec-City zu übernachten und zum ersten Mal auf unserer Reise zwei Nächte. Von einer netten CP-Nachbarin lasse ich mir den Gebrauch der kanadische Waschmaschine und des Trockners  erklären und mache mal große Wäsche. In der Zeit kommt Birger mit einem anderen Nachbarn auf dem CP ins Gespräch und ist für die nächste Stunde nicht mehr gesehen. Habe ich eigentlich schon erwähnt wie unglaublich freundlich die Kanadier sind…… Abends klopft es an unsere Womotür und Birgers neue Bekanntschaft steht mit einem selbst gebackenem Kuchen vor der Tür. Es wird ein netter Abend, und wir sind etwas perplex aufgrund dieser netten Geste.

Mit dem Fahrrad sind es von unserem CP nur wenige km bis zur Fähre, die direkt am anderen Ufer, in  der Altstadt von Quebec -City anlegt. Der Radweg führt sehr schön am Ufer des St.Lorenz River entlang immer leicht abschüssig, die Räder rollen von alleine. Uns beschleichen üble Vorahnungen für den Rückweg. Quebec ist  die älteste Stadt Kanadas und besitzt eine vollständig erhaltene Altstadt aus dem 17. und 18 Jhd. Die Stadt hat  ca 517.000 Einwohnern. Eine begehbare Stadtmauer umringt den Ort. Uns gefällt Quebec City sofort. Es gibt eine Oberstadt (Haute Ville) und eine Unterstadt (Basse Ville). Wir flanieren durch die Gassen der Stadt schauen uns die alte Gebäude an, Parlament, Zitadelle, Rathaus, das Hotel le Chateau Fontenac uvm.

Das Hotel Le Chateau Fontenac hat Geschichte geschrieben. Hier trafen sich im zweiten Weltkrieg, Winston Churchill, Franklin Roosevelt und MacKenzie King um den D-Day zu planen. Dazu wurden kurzfristig 800 Hotelgäste ausgeladen und umquartiert.

Am Parlament geraten wir in eine Kundgebung oder Demonstration. Worum es geht verstehen wir leider nicht.

Am Nachmittag suchen wir uns eine Kneipe mit Terrasse um eine kleine Pause zu machen. Klar, Denise und Marcel laufen an uns vorbei und wir trinken erstmal gemütlich ein Bier, bevor unsere Wege sich für die nächste Zeit trennen werden.  Quebec hat uns sehr gut gefallen, gemütlich überschaubar… Tapfer fahren wir den Weg zum CP mit dem Rad zurück immer gleichmäßig leicht ansteigend, wir kommen etwas ins Schnaufen….. unsere Kondition ist noch ausbaufähig.

Abends bekommen wir dann noch mal Besuch von unserem kuchenbackendem Nachbarn und wir nutzten die Chance ihn über die Kundgebung in Quebec auszufragen und lernen auch sonst noch einiges über Kanada von ihm. Kurz vor dem Schlafengehen treffen ich im Waschraum des CP eine neue Nachbarin, die mich direkt auf deutsch begrüßt. Die 68 Jahre alte Lady hat mal in Baden-Baden als Kind gewohnt, weil ihr Vater  in Deutschland stationiert war. Sie kommt aus Winnipeg, hat die Rückseite unseres Womo gesehen und sich schon die Internetseite angeschaut. Die Bilder gefallen ihr. Sie erzählt mir, aber dann doch auf Englisch,  von ihrer einjährigen Weltreise vor einigen Jahren, während der sie Teile Asiens und Europas bereist hat, alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nun sind sie und ihr Mann mit dem Auto und ihrem Zelt auf dem Weg nach Neufundland. Für  nächstes Jahr haben sie eine sechsmonatige Reise nach Neuseeland und Australien geplant. Sie lädt uns ein sie und ihre Familie  in Winnipeg zu besuchen, wenn sie im Juli wieder  aus Neufundland zurück ist. Leider sind wir im Juli schon in Alaska. Birger kommt zwischendurch mal schauen, er wundert sich wie lange ich mich im Waschraum aufhalten 😉 Ja eben Frauengespräche.

Nun sind wir vier Wochen unterwegs und wir beschliessen sobald das Wetter beständig ist eine kleine Pause einzulegen, ohne Fahren und mal nix tun. Irgendwo im Seengebiet in Ontario vielleicht. Die Millionenstadt Montreal umfahren wir großzügig und geniessen etwas Landleben.

In St.Benoit du Lac besuchen wir ein Benedektiner Kloster und sind mal wieder rechtzeitig zur Messe da und hören den gregorianischen Gesängen der Mönchen zu.

Unterwegs irgendwo trauen wir uns endlich die nationale „Spezialität“ Poutine zu probieren, Pommes mit Sauce – in meinem Fall Pfeffersauce- und geschmacksneutralen Käsestücken. Nicht so schlimm wie es aussieht ;-).

Immer am St. Lawrence River entlang verlassen wir irgendwo bei Les Coteaux die Provinz Quebec und betreten die Provinz Ontario.

 Fazit: Quebec hat uns sehr gefallen, wir haben tolle Menschen getroffen, von denen wir viel über ihr Heimatland erfahren haben. Viele verschiedene Landschaften und National Parks sind wir durchfahren, haben Wanderungen unternommen, Wasserfälle, Kirchen, Wale, Gänse uvm gesehen. Gut die Elche und die Bären haben sich noch nicht gezeigt. Die erste Großstadt unserer Reise war doch nicht so groß, aber für uns genau richtig. Unser Französisch ist noch so schlecht wie vorher. Der Frühling hat begonnen auf dieser Etappe der Reise und wir sind nun genau seid vier Wochen unterwegs.

Dieser Beitrag gehört zu Kanada 2014, Nordamerika, Reiseberichte

3 thoughts on “Kanada: Quebec

  • renate+heiner christiansen 31. Mai 2014 at 19:16

    Hallo ihr 2!

    Durch Zufall sehe ich den neuen Bericht( Quebec).Eigentlich wollte ich New Brunswick lesen.
    Alles sehr Interesannt,nette Bekanntschaften,Washmaschinenkontakte,hilfsbereite Leute usw.
    Toller Bericht ,schöne Aufnahmen….weiter so -nach 4 Wochen die erste Pause!!
    Bericht wird noch heute nach Kurburg übermittelt.
    Herzliche Grüsse
    Heiner

  • Elfriede / Anne Naggar 1. Juni 2014 at 12:18

    Hallo Ihr 2! Elfriede sitzt neben mir am PC, da sie mit Birthe geskypt hat. Und nun sehen wir eure Fotos von eurem Round trip, ganz tolle Bilder! Euren Text kannte sie ja schon von gestern abend am Telefon.

    Elfriede und ich wünschen euch weiter eine gute Reise!!!

    Alles Liebe und Gute
    Mama / Elfriede

    und Anne

  • Birthe :o) 6. Juni 2014 at 10:06

    Hallo meine Besten,

    so viel zu sehen und zu erleben …. Wahnsinn …prima Photo’s und informative als auch lustige Berichterstattung …loeblich, loeblich.

    Herrliches Wetter in Perth – 23 Grad … da musste ich schnell das langaermelige ‚Winter-T-Shirt‘ mit dem kurzaemeligen austauschen 🙂

    Geniesst Euer Abenteuer seid umaermelt und gedrueckt.

    Alles Liebe von den Skippy’s 🙂

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