Kolumbien Teil 1 : vom 10.09.2016 –  28.09.2016

Kolumbien: Kolumbien liegt im nördlichen Teil von Südamerika. Es grenzt an den Pazifischen Ozean und auch an das Karibische Meer. Auf dem Festland berührt Kolumbien Panama, Venezuela, Brasilien, Peru und Ecuador. Der Landesname ist von Christoph Kolumbus abgeleitet. Bogota liegt auf 2600 Meter, ist die Hauptstadt des Landes und gleichzeitig wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Kolumbiens. Die Fläche  Kolumbiens beträgt 1.138.910 qkm,  auf dieser leben  ca 48 Mio Einwohner. Davon leben 74% in den Ballungsgebieten, rund die Hälfte der Landesfläche ist unbewohnt.  Der größte natürliche Reichtum des Landes ist seine Flora, insgesamt kommen in Kolumbien zwischen 45.000 und 55.000 Pflanzenarten vor, davon allein 3500 Orchideenarten. Auch das Tierreich ist mit insgesamt 2890 Landwirbeltierarten sehr vielfältig: mit 1721 Vogelarten sind 20 % aller weltweit vorkommenden Arten und mit 358 Säugetierarten sieben Prozent der weltweit vorkommenden Arten vertreten. In Kolumbien wird die Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Dominant ist die römisch-katholische Glaubensrichtung, der etwa 90 % der Bevölkerung angehören, jedoch verzeichnen evangelikale Gruppen in den letzten Jahren ähnlich wie in anderen Staaten Lateinamerikas einen großen Zulauf. Nur ein Drittel der Beschäftigten des Landes verfüge über Sozial- und Krankenversicherungen. Die reichsten 20% der Bevölkerung verfügten über 62 % des gesamten Einkommens und sind damit verantwortlich für den wesentlichen Teil des landesweiten Konsums. Den Anteil der sehr Armen an der Bevölkerung wird auf ca 18% geschätzt. Große Fortschritte wurden im Bereich der Schulbildung erreicht, da nur 2,4 Prozent der Kinder nicht regelmäßig die Schule besuchten. Sind die Eltern auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen, bekommen sie diese nur, wenn ihre Kinder regelmäßig die Schule besuchen. Geschieht dies nicht, werden die Leistungen gestrichen. Seit Jahrzehnten schwelt in Kolumbien ein bewaffneter Konflikt zwischen linksgerichteten Guerillatruppen, rechtsgerichteten Paramilitärs und der regulären kolumbianischen Armee. Sämtliche beteiligte Parteien machten und machen sich schwerster Menschenrechtsverletzungen schuldig. Die Opfer stammen mehrheitlich aus der Zivilbevölkerung. Die jetzige Regierung hat einen Friedensvertrag mit der Farc ausgehandelt. Dieser ist von der Bevölkerung in der Volksabstimmung am 02.10.2016 bei einer Wahlbeteiligung von 37 % knapp abgelehnt wurde.  Beide Parteien halten aber an dem Friedensabkommen fest und sind erneut in Verhandlungen getreten.Die kolumbianische Wirtschaft ist weit gefächert, Kaffee spielt eine zwar wichtige aber mit rund 15 % der Exporterlöse nur noch untergeordnete Rolle spielt. Mit der Globalisierung der Wirtschaftswelt sind andere Produkte in den Vordergrund gerückt wie Bananen,Schnittblumen, Smaragde, exotische Früchte, Zuckerrohr und Zucker, Tabak, Reis, Industrieprodukte, Bekleidungsindustrie, Chemikalien, Erdöl, Erdgas und Erdölderivate, Steinkohle, Gold und Nickel. Wichtigste Einfuhrgüter sind Kraftfahrzeuge, Ausrüstungen für die Telekommunikation, chemische Produkte und Vorprodukte, Eisen- und Stahlprodukte, Papier und Karton, Polyethylen und landwirtschaftliche Produkte. Das Land ist der zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Produkte in die USA.

Einreise:  Unser Wohnmobil ist mit dem Frachter unterwegs von Colon/Panama nach Cartagena/Kolumbien, wir nehmen den Flieger von Panama City nach Cartagena. Nach 1 Stunde und 10 Minuten betreten wir zum ersten Mal kolumbianischen Boden. Die Einreise erweist sich als recht einfach, aber etwas langwierig, die Schlange vor dem Einreiseschalter ist lang. Die Beamtin fragt nach unseren Berufen und wie lange wir im Land bleiben wollen. Birger sagt spontan 90 Tage, das ist die erlaubte „Höchstdauer“ . Die Beamtin nimmt unsere Ausweise und führt uns zu einem anderen Schalter „Supervisor“. Wohl nur er kann die 90 Tage genehmigen. Er schaut unsere Ausweise an, schweigend stempelt er ein 90 Tage Visum hinein und wir dürfen weiter gehen.

Die erste Nacht verbringen wir in einem Hotel etwas ausserhalb von Cartagena – Altstadt am Strand. Es ist Wochenende und ein Festival, so das alle Hotels im Stadtzentrum, die uns gefallen hätten ausgebucht waren. So geniessen wir den Blick aufs Meer und den langen Sandstrand und faulenzen einen Tag. Schon am nächsten Tag wechseln wir die Unterkunft und beziehen unser Zimmer in einem kleinen Boutiquehotel nur 15 Minuten Fussweg ins historisches Zentrum.  Es ist wahnsinnig heiss in Cartagena und die hohe Luftfeuchtigkeit erleichtert die Stadtbesichtigung nicht  wirklich. Wir schlendern durch die Gassen, erkunden die Aussenmauern, sitzen auf dem ein oder anderem Platz bei kühlen Getränken und beobachten die Leute. Lange haben wir nicht mehr so viele Touristen an einem Ort gesehen. Die Altstadt ist einladend, es gibt viele Geschäfte zum Shoppen und viele Restaurants und Bars zum Entspannen.

Den nächsten Vormittag nutzen wir noch um das Fort San Felipe de Barajas zu besuchen und haben eine nette Aussicht über die Stadt.

Am späten Vormittag kann es dann losgehen, wir gehen zum Hafen um den Papierkram und die Administration zu erledigen um am nächsten Tag unser Wohnmobil in Empfang nehmen zu können (genaue Prozessbeschreibung siehe unter: https://www.slow-motions.de/verschiffung-panama-kolumbien/).

Zuerst holen wir bei SeaboardMarina unser Bill of Landing ab. Dort treffen wir Ruben uns seine Freundin aus Valencia, die beiden haben wir schon in Panama City bei der Polizei getroffen. Ruben spricht Englisch und Spanisch und dies wird sich für uns  noch als sehr hilfreich erweisen. Gemeinsam machen wir uns mit dem Taxi auf zur DIAN. Dort müssen wir die temporäre Einfuhr für Kolumbien für unsere Autos beantragen und mit dem „Inspektor“ einen Termin ausmachen für die Besichtigung  des Fahrzeuges im Hafen am nächsten Tag. Der Inspektor namens Andres kommt uns entgegen als wir das große DIAN Areal betreten, spricht uns an ob wir Autos aus dem Hafen holen wollen, verweist uns in ein Gebäude, wir sollten dort schon mal Zettel ausfüllen. Auch sagt er uns schon mal welche Kopien er von uns  braucht. Er käme dann  in einer halben Stunde zu uns. Brav füllen wir alles aus und im Kopie-Shop gegenüber der DIAN machen wir die fehlenden Kopien. Von der netten Damen an der Rezeption werden wir um Geduld gebeten, Andres käme etwas später so in einer halben Stunde. Warten auf Andres Teil 2. Irgendwann kommt Andres, nimmt die Kopien entgegen, kontrolliert das ausgefüllte Formular und schickt uns zum Hafen. Dort sollten wir nun den Termin mit ihm für den nächsten Tag bestätigen lassen und die notwendigen Gebühren zahlen. Der Fussweg zum Hafenbüro ist nicht weit und dort werden wir schon Jorge und seiner Frau Sonja erwartet. Die beiden verschiffen ihr Auto gemeinsam mit Ruben im gleichen Container und die vier können die nächsten administrativen Schritte nur zusammen tun. Ruben, Jorge und ich gehen in ein Büro wo uns erklärt wird, das Papiere noch vorbereitet werden, mit denen wir dann die noch ausstehenden Hafengebühren bezahlen können. Am nächsten Morgen sollten wir wieder kommen, um mit dem Inspektor in den  Hafen zu gehen, das Auto anschauen und am morgigen Nachmittag das Auto aus dem Hafen zu fahren. Mich fragt der nette Beamte auf Englisch drei Mal ob mein Auto auch im Container sei. In verneine drei Mal und sage es wurde LoLo verschifft. Er verbessert mich und sagt RoRo, ich verbessere ihn und sage „Nein, Lolo auf einem Flatrack!“. Wir setzen uns hin und  warten, ziemlich  lange es ist mittlerweile schon  fast 18.00 Uhr, als der Beamte zu uns kommt und sagt unsere Autos seien noch nicht ausgeladen worden, somit können keine Papiere erstellt werden und wir sollten morgen früh um 9.30 Uhr wieder kommen. Viel warten für nichts, Geduld ist gefragt. Nicht so meine Stärke.  Am nächsten Morgen sind wir früher als geplant am Hafen, unser Auto sei noch nicht entladen. Wir nutzen die Zeit und gehen los die verpflichtende Autoversicherung für Kolumbien abschliessen. Als wir zurück zum Hafen kommen stehen Ruben und Jorge am Zahlschalter und ich gehe freudig ins Büro um meine Rechnung abzuholen. Das war zu früh gefreut. Unser Auto ist als Container-Verschiffung im Computer und nun müsse dies erst geändert werden…….. Zwei Stunden später ist dies passiert. Bis zum Termin mit dem Inspektor um 14.00 Uhr haben wir Zeit, wir gehen etwas Essen und holen unser Gepäck aus dem Hotel, weil die Beamten versprochen haben, wir kriegen auf jeden Fall am Nachmittag unser Auto aus dem Hafen.

Um 14.00 Uhr betreten wir drei mit Helmen den Hafen, die beiden Herren fragen sich durch wo wir genau hinmüssen, und ich folge brav. Büro gefunden, dann wird erst der Container mit den beiden Autos geöffnet und dann gehen ich mich einem Mitarbeiter zu Womo. Von weitem sehe ich schon, das unser Womo Öl verliert. An einer „Sammelstelle“ stellen wir die Autos in Reihe und warten auf  den Inspektor Andres (Teil 3), während dessen wirft sich Jorge unter das Womo, dreht den Ölfilter fest ( warum der locker war, keine Ahnung) holt noch ein Werkzeug raus um ihn richtig fest anzuziehen und Ruben füllt netterweise  Öl nach, dass ich im Womo gefunden habe. Dann erscheint irgendwann Andres, geht ums Auto rum, füllt Zettel aus und schickt uns wieder ins Hafenbüro. Dort warten wir nun auf neue Papiere, nämlich auf die Autorisierung, das wir die Autos aus dem Hafen rausfahren dürfen. Nach 1,5 Stunden Wartezeit haben Ruben und Jorge ihre Papiere, ich nicht. Mittlerweile leistet mir Birger bei Warten vor Ort Gesellschaft ( er musste bis jetzt an der Rezeption warten…). Wir fragen was das Problem ist und kriegen als Antwort wir sollten uns keine Sorgen machen. Irgendwann rückt der Beamte dann mit der Info raus, dass unsere Verschiffungsgesellschaft SeaboardMarina 85 U$ zu spät  überwiesen hat, die seien noch nicht auf dem Konto des Hafens angekommen, und ohne die Zahlung können sie das Auto nicht freigeben. Wir bieten an die 85 U$ zu zahlen, aber dies ist nicht möglich,  weil die Buchhaltung das nicht verbuchen kann. Im Büro wird es nun hektisch, gemeinsam mir der Chefin und anderen Kollegen wird intern diskutiert, in andere Büros gelaufen, telefoniert……Nach über einer Stunde haben die netten Beamten eine interne Lösung gefunden und ich darf das Auto aus dem Hafen holen. Draussen ist es schon Dunkel aber der nette Hafenmitarbeiter vom Vormittag kommt mir entgegen und begleitet mich zum Auto, wieder werden Papiere ausgefüllt. Am zwei Schranken  an der Hafenausfahrt wird das Auto noch doppelt gecheckt und endlich haben wir unser Womo wieder.  Mit viel Geduld und viel Einsatz der netten Kollegen am Hafen von Cartagena. An der ersten Tankstelle kaufen wir Öl  für das Womo. Da es schon Dunkel ist fahren wir nicht mehr zum CP ausserhalb der Stadt, sondern auf den Hotelparkplatz vom Hotel „Bellavista“. Was für ein ungepflegtes Hotel und ein matschiger nicht schöner Parkplatz. Aber wir brauchen einen Platz für die Nacht, wir sind  müde und erschöpft. Birger will noch unsere eingebaute Zwischenwand abbauen, Jorge und Sonja stehen auch in dem Hotel und beide helfen  schnell alles abzumontieren. Erleichtert sitzen wir spät am Abends beim Bier.  Kolumbien wir kommen!

Von Cartagena machen wir uns auf in Richtung St. Marta. Die Orte und Dörfer durch die wir kommen sind chaotisch, etwas schmutzig und ärmlich.  Etwas verunsichert setzten wir unseren Weg fort.

Am späten Nachmittag kommen wir auf dem CP Los Angeles an. Auf einer Wiese unter Kokosnusspalmen mit Meerblick und Sandstrand finden wir einen schönen Platz, ohne das die akute Gefahr besteht, das runterfallende Nüsse unser Auto beschädigen. Wir lernen Brigitte und Daniel aus der Schweiz kennen, die ihre Reise in Argentinien begonnen haben und von Cartagena nach Hause verschiffen werden. Am nächsten Tag kommen noch Christiane und Werner aus Berlin dazu und wir bekommen viele Tipps und lauschen ihren Geschichten aus Südamerika.  Der CP ist wirklich schön, sehr entspannend und genau das richtige zur Erholung nach den Geduldsproben der Verschiffung. Nach vier Tagen verlassen wir den Platz und setzten unsere Reise fort.

Es ist später Samstagnachmittag als während unsere Fahrt unsere Motorlampe leuchtet. Oh, die Lampe kennen wir ja noch aus Panama.  Wir suchen vergeblich eine geöffnete Werkstatt und plötzlich geht die Lampe auch wieder aus. Auch gut. Wir verbringen zwei schöne Tage in Tulo am Strand. Es ist Wochenende und die Strandpromenade ist rappel voll. Nur Einheimische und eine Handvoll Touristen. Wir schlendern um her und wir wissen nicht hier  wer wen  neugierig anschaut, wir die Einheimischen oder sie uns.  Alle sind freundlich, grüßen und wir fühlen uns wohl.

Weiter geht es dann Richtung Medellin eine Stadt mit 3,5 Mio Einwohnern. Zwei Tage zeigt sich unsere Motorkontrolllampe nicht. Vielleicht ein Wackelkontakt? Doch bei der Tour über die kolumbianischen Berge nach Medellin, piept und leuchtet es wieder.

In einem etwas größeren Bergdorf halten wir an einer kleinen Werkstatt an, der Besitzer bringt uns 100 Meter weiter zu einer großen Werkstatt mit Grube. Die Jungs holen ihr Handy raus und lesen unseren Computer im Auto aus. Bekommen einige Fehlermeldungen und machen sich auf die Suche. Schnell stellen sie fest, das unser Motorventilator defekt ist. Sie können uns nicht helfen, da sie für Fiat keine Ersatzteile haben. Aber sie beruhigen uns wir könnten weiter fahren, bei Steigungen nicht zu schnell.

Bis Medellin sind es noch 200 km über die Berge, tapfer machen wir uns auf den Weg. Die Landschaft ist so schön.

In der riesigen Stadt Medellin quälen wir uns durch den Feierabendverkehr,  der Fahrstil hier ist die Hölle. Jeder ist sich selbst der nächste und keiner schaut rechts oder links. Die Motorradfahrer sind die schlimmsten, jede kleinste Lücke wird von ihnen zum vorbeischlängeln genutzt.

Bei Dunkelheit erreichen wir unseren Stellplatz in den Bergen bei dem Hostel Al Bosquet. Sehr freundlich werden wir empfangen, quatschen noch was mit den beiden anderen Campern aus Belgien und der Tschechei, bevor wir müde ins Bett fallen. Am nächsten Morgen fahren wir, ausgestattet mit einige Werkstatt Adressen, zurück in die Stadt. Unsere erste Wahl fällt auf einen Citroen Händler, weil  der Kastenwagen von Citroen den selben Motor hat wie unser Fiat Ducato, und den Citroen Jumper haben wir schon vermehrt auf den Strassen hier fahren sehen. Die Werkstatt will uns gar nicht helfen und verweist uns direkt an einen Suzuki Händler. Dort spricht eine nette Dame aus dem Büro perfekt Englisch, die Jungs wollen helfen. Wir fahren in die  schon mit Autos zu geparkten Werkstatthalle. Der selbe Fehler wird festgestellt, eine Sicherung ausgetauscht, aber das Ersatzteil ist das Problem. Der Werkstattleiter schreibt uns in Spanisch auf wo der Fehler im Auto ist, schreibt seine private Telefonnummer dazu damit wir oder  die nächste Werkstatt ihn jederzeit anrufen können.

Sie schicken uns zu Fiat. Ja, die Adresse ist auch auf unserer Liste, aber wir haben noch keine Fiats, auf den Strassen gesehen. Auf dem Weg zu Fiat verfahren wir uns. Nein, eigentlich haben wir nur eine falsche Adresse aufgeschrieben. Um uns herum nur Autohändler, aber kein Fiat. Da entdeckt Birger einen kleinen Laden mit der Aufschrift „Fiat und IVECO Repuesto (Ersatzteile)“.  Ich gehe rein und frage nach dem Weg zur Fiat-Werkstatt. Der Besitzer spricht etwas Englisch und ist total begeistert von unserem Auto. Geht raus und macht Fotos, fragt was wir in der Werkstatt wollen. Ich erkläre es ihm und frage spontan ob er wohl einen Ventilator für unser Auto hat. Er hat zwei verschiedene Ventilatoren, die er mir zeigt,  und ich fotografiere die Teile zu Sicherheit mal ab. Ein Mitarbeiter von ihm fährt dann mit dem Motorrad vor und bringt uns zur Fiat-Werkstatt. Es ist noch Mittagspause aber der Wachmann begrüßt uns freundlich. Eine halbe Stunde später sind die Mechaniker und der Werkstattleiter da, bestaunen das große Auto, öffnen das Werkstatttor. Es ist genug Platz für uns, und zwei junge Männer machen sie direkt an die Arbeit.  Messen, schauen und hören. Keiner spricht Englisch, unser Spanisch wird immer besser in der Not. Irgendwann machen die Jungs sich dran den Ventilator auszubauen, dazu muss die ganze Front abgebaut werden. Der super nette Werkstattleiter legt sich im weissen Hemd noch unter das Auto. Der Ventiltor ist ausgebaut, er dreht nicht mehr rund, aber auch die Werkstatt hat kein Ersatzteil.

Ich zücke mein Handy und zeige ihnen die Bilder aus dem Laden. Der Werkstattleiter mit einem Mechaniker schnappen sich den kaputten  Ventilator, den Zettel mit der  Adresse von dem Laden, setzten sich ins Auto und fahren los. Nach einer halben Stunde kommen sie zurück mit dem Ersatzteil. Es passt tatsächlich und nach 45 Minuten ist alles eingebaut. Danke an Kommissar Zufall und die Reiseengel! Die Jungs sind super stolz, wir auch! Aber dann stellen sie fest, das die Klimaanlage auch defekt ist. Sie suchen und messen, telefonieren mit einem Experten. Irgendwann steht dieser persönlich auf der Matte schraubt an der Elektronik rum. Nach einer Stunde ist auch der Fehler behoben. Nach fast vier Stunden verlassen wir erleichtert die Werkstatt und alle stellen sich zum Abschiedsfoto auf! Muchas, muchas  gracias!

Nun wird es aber endlich Zeit sich das Land anzuschauen. Wir machen einen Tagesausflug mit dem Wohnmobil zum  Piedra Pelone.  Dies ist ein Empfehlung von dem Autoverkäufer aus der Fiat-Werkstatt. Er hat uns Fotos gezeigt und erzählt wie toll es ist.  Der Piedra Pelone ist ein großer Fels, den man über 740 Stufen besteigen kann, und oben angekommen wird man mit einer tollen Aussicht über eine riesige Lagunenlandschaft belohnt. So schön, wir können uns nicht satt sehen.

10 Kilometer liegt der schöne, malerische Ort Guatape. Auf dem Weg dort hin werden wir zum ersten Mal von der Polizei gestoppt. Ganz freundlich, fragt er nach den Papieren, schaut interessiert in unsere deutsche Zulassung, versteht nicht viel und wünscht uns eine gute Weiterfahrt. Guatape ist ein wirklich schönes Dorf, die Häuser sind alles bunt bemalt, es gibt kleine Geschäfte, einen Hauptplatz und viele Restaurants. Wir spazieren durch die Gassen, Essen spät zu Mittag bevor wir uns auf den Weg zurück nach Medellin machen.

Von Medellin selber haben wir noch nichts gesehen, obwohl wir schon drei Tage dort sind. Das wollen wir ändern und beschliessen uns für eine „Free Walking Tour“ durch die Stadt anzumelden. Diese Touren gibt es in jeder größeren Stadt auf der ganzen Welt immer auf Englisch.  Man meldet sich per Internet  an, bekommt eine Bestätigung und einen Treffpunkt. Die Touren sind zunächst kostenlos und am Ende wird man um einer freiwillige Spende gebeten, je nach Geldbeutel und wie einem die Tour gefallen hat. Morgens machen wir uns früh auf den Weg mit dem Bus in die Stadt, es geht viele Kurven runter, der Busfahrer bekreuzigt sich bevor er die ersten Kurven nimmt, die Fahrt ist …. sagen wir mal sehr schnell……, wir sind froh als wir den Bus verlassen dürfen. Um 9.30 Uhr sind wir pünktlich am Treffpunkt für die „Free Walking Tour“ . Unsere junge, Energie geladene Führerin ist in Medellin geboren, hat in USA und Argentinien gelebt, bevor sie zurück in ihre Heimatstadt gekommen ist. Vier Stunden lang führt sie unsere 18-köpfige Gruppe durch „ihre“ Stadt. Immer wieder sitzen wir auf irgendwelchen Treppen und sie erzählt uns was sich in den letzten 20 Jahren alles verändert hat. Sie beantwortet all unsere Fragen zur Politik, Wirtschaft, Drogen, Bildung, Armut etc in Kolumbien und in Medellin.  Die Volksabstimmung zum Friedensvertrag zwischen der Regierung und der Farc stehen vor der Tür und auch hier lernen wir viel. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir haben das Gefühl der Stadt und der Bevölkerung einen Schritt näher gekommen zu sein. Uns hat die Tour sehr gut gefallen.

Nach vier Stunden Großstadt-Getümmel beschließen wir zum CP zurückzufahren. Dazu nehmen wir erst die Metro und von der Metro steigen wir um auf die Seilbahn. Medellin ist ein Tal gebaut und hat sich über die Jahre wahnsinnig ausgebreitet. Dies ging zur in Richtung der Berghänge. Die Aussenbezirke liegen alle an den sehr steilen Hängen, damit die  Menschen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt oder zur Arbeit etc gelangen können, hat man verschiedene Seilbahnen gebaut.  Die erste Seilbahn führt uns über Wohnviertel, Wellblechhütten, kleine Steinhäuser, Erdwege. Hier und so lebt ein Großteil der Menschen in Medellin. Es gibt wie bei einer Metro verschiedene Haltestellen an denen man ein- und aussteigen kann. Wir fahren bis zur Endhaltestelle und steigen um in die Seilbahn zum Arvi-Park, einem  Naherholungsgebiet in den Bergen. Nun führt die Seilbahn über Bäume und Wanderwege. Eine ruhige entspannte Fahrt über den Baumwipfeln.

Für die letzen Kilometer bis zum Stellplatz nehmen wir den Bus. Ein spannender Tag in Medellin geht zu Ende und wir nehmen Abschied von der Stadt und von unserem gemütlichen Stellplatz. Unser nächstes Ziel ist der Ort Salento. Der Ort liegt ca 2600 Meter hoch und ist bekannt für da Nahe Valle de Cocora mit seinen Wachspalmen. Das Hostel/Hacienda Serrena liegt sehr schön auf einer Anhöhe mit einem tollem Blick auf die Berge drum herum. Hier fühlen wir uns sofort wohl. Es gibt schnelles Internet, warme Duschen, Frühstück ist im Campingpreis inkludiert und bis in den Ort sind es nur 20 Minuten zu Fuss. Am nächsten Tag erkunden wir den Ort und fahren mit einem Jeep-Taxi in das alle de Cocora.  Die 25-minütige Fahrt kostet umgerechnet nur 1,1 Euro pro Person, aber das Auto fährt erst los, wenn es voll ist und voll heisst, es sind mindestes 10 Personen im Auto (stehend und/ oder sitzend) oder „hängen“ aussen am Auto. Im Valley angekommen machen wir eine 4-stündige Wanderung, bewundern die Wachspalmen, laufen durch eine kleinen Fluss, überqueren den Fluss über zusammengezimmerten Baumstamm-Brücken. Als Nebel aufzieht kehren wir zum Ausgangspunkt zurück.

Den nächsten Tag nutzen wir um unser Route durch Kolumbien neu zu überdenken, wir brauchen für wenige Kilometer hier viel Zeit, die Durchschnittsgeschwindigkeit ist sehr gering. Es geht oft über sehr kurvige Gebirgsstrassen, mit vielen LKWs, die nur schwer zu überholen sind. Dann gibt es gut geteerte Strassen in Nord-Süd Richtung, aber die Verbindungen in Ost-West-Richtung sind oft nur lange schlechte Schotterstrassen. So entscheiden wir uns Richtung Süden nach San Augustin zu fahren und von dort aus wieder zurück, mit einigen Abstechern nach Salento zurück zukehren. Um dann weiter westlich wieder nach Süden zu fahren Richtung Ecuadorgrenze. Gesagt getan. Von Salento geht es zunächst Richtung Desierto Tatocoa. Eine kleine Wüste. Der Weg dort hin führt uns über eine 80 km Passstrasse für die wir mehr als drei Stunden brauchen. Schöne Landschaft, viele Kurven auf 3500 Meter hoch und dann auf 1000 Meter wieder runter.  Viel Verkehr, es ist die Hauptstrecke auch für den Schwerlastverkehr nach Bogota. Die Überholmanöver der Einheimischen Autofahrer, Motorradfahrer und erst  recht der Busfahrer sind wahnsinnig gefährlich. Gerne wird kurz vor Kurven überholt, frei nach dem Motto: „Als ich letzte Woche hier her gefahren bin, ist mir auch keiner entgegen gekommen!“  Unterwegs fahren wir auch an der ein oder andren Unfallstelle vorbei. Es ist ein sehr langer Fahrtag.

Am späten Nachmittag kommen wir in der kleinen Wüste an, finden eine Stellplatz an einem einheimischen Restaurant mit  tollem Blick auf die roten Gesteinsformationen. Schon auf der Strasse haben wir Uwe getroffen, der seit über einem Jahr mit seine Fahrrad unterwegs ist und auf dem Nachbargrundstück im Schatten sein Zelt aufgeschlagen hat. Er kommt auf ein Bier bei uns vorbei, und ein junges Pärchen schläft in Hängematten bei unserem Restaurant unter einem Dach. Lenni kommt aus Deutschland, seine Freundin aus Spanien. Gemeinsam geniessen wir bei Bier und interessante Gesprächen den Sonnenuntergang über der „Wüste“.  Die Nacht ist nicht so heiss wie gedacht, aber wir beschließen am nächsten Tag weiterzufahren…. denn morgens wird es schnell heiss und es ist kein Schatten für unser Womo in Sicht.

Unser nächstes Ziel sind die Ausgrabungsstätten von San Augustin.

Fazit: Zunächst hat die Adminstration der Verschiffung unsere Geduld stark auf die Probe gestellt. Dann war unser Reisestart in Kolumbien  etwas überschattet von diversen Werkstattbesuchen. Dank unserer Reiseengel, Kommissar Zufall,  der Hilfsbereitschaft und dem Können von vielen lieben Menschen, konnte das Problem behoben werden.  Wir hatten viele lange Fahrtage, die auch dazu geführt haben, dass wir am jeweiligen Zielort länger geblieben sind. Viele Wohlfühlstellplatz gab es hier. Es ist ein langsameres Reisen. Wir haben Berge, Seen, Flüsse und Wüste gesehen, moderne Städte und kleine Dörfer. Viele Kontraste, viele schöne Eindrücke und Erlebnisse.

Dieser Beitrag gehört zu Kolumbien 2016, Reiseberichte, Südamerika