Marokko Teil 2 – Das Inland und der Osten

von Christiane

02. Marokko Teil2: Das Inland und der Osten vom 13.01.2019 bis 08.02.2019

Marokko bzw Königreich Marokko liegt im Nordwesten von Afrika. Marokko ist durch die Strasse von Gibraltar vom europäischen Kontinent getrennt. Als westlichstes der fünf (mit Westsahara sechs)  Maghrebländer grenzt es im Norden an das Mittelmeer, im Westen an den Atlantischen Ozean und im Osten an Algerien. Marokkos Südgrenze ist wegen des Westsaharakonfliktes bis zum Abhalten eines Un-Referendums über die zukünftige Zugehörigkeit der Westsahara international umstritten. Marokko ist seit 1956 unabhängig und gemäß Verfassung von 1992 eine konstituelle Monarchie.  Die bedeutendsten Städte des nordafrikanischen Landes sind Casablanca, die Hauptstadt  Rabat Fes, Marrakesch, Agadir, Tangar und Meknes. Um 1950 lebten 9 Millionen Menschen in Marokko, 2017 waren es 35,7 Millionen. Das Bevölkerungswachstum betrug 2015 1,3 % und das Durchschnittsalter nur 28 Jahre. Etwa 45 % der Bevölkerung sind Berber einschließlich 21 % arabisierte Berber. Sie sind heute zumeist sesshafte Bauern; nur eine Minderheit lebt noch als Nomaden  oder halbnomadisch in abgelegenen Gebieten des Mittleren Atlas oder auf den Hochplateaus im Osten des Landes. Rund 44 % der Marokkaner sind arabischstämmig.Die Bevölkerung ist in Marokko sehr ungleich verteilt. Zwei Drittel der Einwohner leben auf etwa einem Zehntel der Landesfläche im Nordwesten oder Westen. Ballungsgebiete sind die Küstengebiete im Norden und Nordwesten und das Sebou-Tiefland. Marokko hat eine alte Stadtkultur; 2015 lebten 60,2 % der Bevölkerung in Städten. Die Urbanisierung  schritt langsamer voran als in anderen afrikanischen Staaten. 27,3 % der Einwohner waren 2015 jünger als 15 Jahre; 6,1 % waren älter als 65 Jahre. Die Lebenserwartung betrug 74,3 Jahre (Frauen: 75,3 Jahre/Männer: 73,3 Jahre). Staatsreligion ist der Islam. Rund 98,7 % der Bevölkerung sind Muslime davon 90 % Sunniten mlikitishcer Richtung. 1,1 % der Einwohner bekennen sich zum Christum, meist Katholiken. in der Volksreligion ist der Glaube an Geister – als Erbe der vorislamischen Berber – tief verwurzelt. Marokko liegt beim Pro-Kopf-Einkommen in der höheren Gruppe der afrikanischen Staaten. Die Sozialversicherung umfasst Alters-, Hinterbliebenen- und Invalidenrenten. Auch Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft sowie Familienbeihilfen werden gewährt. Versichert sind allerdings nur Arbeitnehmer in Industrie und Handel, beziehungsweise Genossenschaftsmitglieder. Die Arbeitslosigkeit (2015 durchschnittlich 9,6 % ist besonders unter Jugendlichen hoch (19,6 %). Viele männliche Jugendliche wandern daher in andereStaaten aus. Um das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen, gehen staatliche Maßnahmen in Richtung „Marokkanisierung“, das heißt Verdrängung ausländischer Fachkräfte. Die Inflation lag 2015 durchschnittlich bei 1,6 %. Das Gesundheitswesen ist im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten gut entwickelt. Die medizinische Versorgung der Stadtbevölkerung ist allerdings wesentlich besser als die der Landbevölkerung. Knapp die Hälfte aller Ärzte praktiziert in Casablanca und Rabat. Allgemeine Schulpflicht besteht für 7- bis 13-Jährige, jedoch werden nur 91 % aller Jungen und lediglich 88 % aller Mädchen eingeschult. Bei leicht sinkender Tendenz sind noch 27,6 % der Erwachsenen Analphabeten, vor allem ist die ältere Gesellschaft vom Analphabetismus betroffen, die nie eine Schule besuchen musste. Das Schulsystem ist dreistufig: auf fünf Jahre Grundschulausbildung folgen in der Sekundarausbildung eine vierjährige Unterstufe und eine dreijährige Oberstufe. Daran schließt die Hochschulausbildung an. Universitäten befinden sich in  den großen Städten. Auch Fachhochschulen wurden gegründet. Im Allgemeinen ist die Ausstattung der meisten Hochschulen – auch der neueren – noch völlig unzureichend. Der Schulbesuch ist seit 1963 für 5- bis 13-Jährige obligatorisch und wurde 2002 auf die bis zu 15-Jährigen erweitert. Die Einschulungsquote beträgt 92 %, von den 15-Jährigen besucht jedoch nur noch die Hälfte die Schule. Der Unterricht erfolgt in den beiden ersten Schuljahren ausschließlich in arabischer Sprache, danach werden Mathematik und Naturwissenschaften in französischer Sprache unterrichtet. Die Alphabetisierungsrate betrug 2015 72,4 % (Frauen: 62,5 %, Männer: 82,7 %). Etwa seit dem Jahr 2000 wurden die Bildungsanstrengungen stark erhöht. Das Bildungsbudget übersteigt seither das vieler anderer arabischer Staaten, jedoch gilt die Effizienz immer noch als sehr gering. Die Abbrecherquote in der Sekundarstufe ist hoch; weniger als 15 Prozent der Schüler erreichen das Abitur. Marokko bildete 2003 mit Jemen und dem Irak die Schlussgruppe bei einem Ranking der Schulleistungen in den arabischen Ländern. In Mathematik und Naturwissenschaften stellte Marokko 2003 das absolute Schlusslicht im Vergleich arabischer Länder dar. Ein Schwerpunkt der Bildungsanstrengungen wurde seither auf die Informatikausbildung gelegt. Doch sind auch die neugegründeten Schulen und Hochschulen unterfinanziert. Es fehlt an Computern, Lehrbüchern und Plätzen für Praktika; die Fachrichtungsstruktur geht z. T. am Bedarf vorbei, so dass zahlreiche Absolventen nur schwer eine angemessene Beschäftigung im Land finden.Die Ursachen dieser Schwächen sind vor allem in der quantitativ und qualitativ unzureichenden  Primaschulbildung zu der der mit hohen Kosten modernisierte Überbau des Sekundarschulwesens und der Hochschulen in einem Missverhältnis steht, sowie in einer traditionalistischen pädagogischen und didaktischen Ausbildung, zentralistischen Entscheidungsstrukturen und einer fehlenden Evaluation.Dementsprechend ist das berufsbildende Schulwesen nur schwach entwickelt. Frauen und Männer haben laut Verfassung (von 2011) die gleichen Rechte. Die marokkanische Verfassung verlangt außerdem, dass Frauen bei der Eheschließung volljährig sein müssen, obwohl gewisse Ausnahmen zulässig sind. Allerdings hat das marokkanische Justizministerium in einer Studie festgestellt, dass die Zahl von minderjährig Verheirateten von 2004 bis 2013 auf fast das Doppelte angestiegen ist (von 18.341 auf 35.152). Laut Genfer Weltwirtschaftsforum rangiert Marokko bei den Frauenrechten auf Platz 133 von 142.

Die nächsten vier Tage verbringen wir faul auf einem Campingplatz etwas nördlich von Agadir. Hier an der Küste ist es tagsüber angenehm warm und auch nachts ist es wärmer als weiter im Norden, dh deutlich über 5 Grad. Der CP Terre d’Ocean liegt auf einer Anhöhe und wir haben einen tollen Blick übers Meer. 95% der Camper kommen aus Frankreich und bleiben zwischen 3-6 Monaten. Als wir ankommen, gibt es noch zwei freie Plätze. Die Tage vergehen wie im Flug.

Wir bleiben noch etwas am Meer und fahren weiter in den Süden nach Sidi Ifni. Auf dem viel gelobten und angeblich immer vollbelegten CP  El Braco finden wir ohne Probleme einen Platz. Der große Schotterparkplatz liegt, nur durch eine Mauer getrennt, direkt am Wasser. Im Ort gibt es viele Plätze zum Campen und alle sind wirklich gut besucht. Nur während unserer Spaziergänge durch den kleinen Ort treffen wir kaum Touristen. Uns gegenüber steht Fredrick aus Kiel. Er ist alleine für drei Monate unterwegs, seine Auszeit will er nutzen um  sich beruflich neu zu orientierten. Der gemeinsame Abend ist wirklich interessant und die Gespräche recht intensiv! Vielleicht sieht man sich ja in Kiel mal wieder!

Wir geniessen die Tage am Meer und machen uns dann auf den Weg ins Inland. Tiznit ist unser erstes Ziel. Die Stadt ist von einer schönen Stadtmauer umgegeben, es gibt einen großen Markt, der eher  für Einheimische als für Touristen konzipiert ist.  Wir schlendern durch die Stadt, gehen in einer Art Imbiss etwas essen und gehen am späten Nachmittag noch ein Mal zum Teetrinken auf die „Plaza“. Der nette Kellner, zeigt uns dann genau, wie man den Pfefferminztee von der Kanne in einem hohe Bogen ins Glas schüttet, den Tee aus dem Glas zurück in die Teekanne giesst und dann erneut im hohen Bogen zurück ins Glas. Zwei- bis dreimal wiederholt man das Prozedere. Der Grund: Der Zucker in der Kanne soll sich gut auflösen und vermischen und es soll sich ein Schaum auf der Teetasse bilden, einfach nur für die Optik.

Am nächsten Tag folgen wir einem Tipp aus unserem Reiseführer und gehen in ein nahegelegenes Restaurant zum Essen. Wir staunen nicht schlecht als wir dort gegen 14.00 Uhr ankommen. Die beiden  Gasträume sind ausgebucht und ausschliesslich von Franzosen besucht. Wir bekommen einen kleinen  Tisch und können das Spektakel gut verfolgen. Eine Speisekarte gibt es nicht, der Kellner bringt zunächst eine Flasche Wasser und fragt dann welchen Wein wir trinken wollen. Ja, es ist eine Seltenheit das Restaurants in Marokko eine Alkohol-Lizenz haben, nun wissen wir auch warum so viele Ausländer hier sind. Es ist recht laut und die Stimmung ausgelassen. Nach einiger Wartezeit bekommen wir ungefragt einen großen Teller mit Couscous und eine große Schüssel mit einer  Soße. Dazu wird uns noch ein Teller mit weichgekochtem Fleisch, Gemüse und Kartoffeln gebracht. Jeder bekommt hier das gleiche Essen, eine Auswahl ist nicht vorgesehen. Es sieht nicht so ganz doll appetitlich aus, aber mir schmeckt es ganz gut. Birgers Ding ist es nicht so. Zum Nachtisch gibt es etwas Gebäck und Kaffee. 

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Tafaroute. Die letzten Kilometer sind geprägt durch sehr schöne, rotleuchtende Granitfelsen. Diese haben die Gegend hier bekannt gemacht. Wir erkunden den kleinen überschaubaren Ort, Essen zur Abwechslung mal wieder eine Tajine und geniessen den Blick vom CP auf die tollen Felsen. Einer der marokkanischen Mitarbeiter auf dem CP hat lange in Amsterdam im Hafen gearbeitet und spricht fliessend Holländisch, Englisch, Türkisch, natürlich Französisch und Arabisch und ein wenig Deutsch. Wir sind beeindruckt. 

Weiter geht es nach Taroudannt.

Direkt an der Stadtmauer gibt es einen Stellplatz und wir sind mal wieder ganz zentral und fussläufig zum Zentrum „zuhause“. Die Stadt ist recht groß und wir lassen uns durch die Gassen treiben. Es ist Sonntag und es ist recht viel los auf den Strassen. Auf einem großen Platz lassen wir uns zum Kaffee nieder und beobachten das Treiben. Vor uns haben sich verschiedene Gruppen gebildet. Die einen hören einem Erzähler zu, dies ist hier auf dem Land eine Möglichkeit um Neuigkeiten zu verbreiten, denn ein großer Teil ist Analphabet und liest somit keine Zeitung. Oder es werden einfach nur zur Unterhaltung Geschichten erzählt. Ein anderer bietet ein Glücksspiel, daneben ist eine Art „Physiotherapeut“, der eine Wundersalbe verkauft und gleichzeitig einige Patient direkt vor Ort behandelt. Ein Interessent klagt wohl über Schmerzen in der Schulter, er wird erst eingecremt, dann schüttelt, zieht, zerrt  der Heiler an der schmerzenden Partie. Für uns sieht es nicht so gesundheitsfördernd aus, aber eine große Menge umkreist den Heiler und schaut ihm zu. Daneben beschwört ein anderer zwei Kobras mit einer Flöte. Zunächst wird er und seine „Haustiere“von niemandem beachtet, nach dem die ersten Männer stehen bleiben, wird der Kreis um ihn größer und größer. In einer anderen Ecke führen Musiker eine Art kleines Schauspiel auf und erzählen Geschichten. Wir sitzen recht lange auf dem Platz und sehen wie die Zuschauerzahl bei den einzelnen Akteuren mal mehr mal weniger werden. Man muss dazu erwähnen, dass die Zuschauer ausschliesslich Männer sind.  Sehr spannend.

Unser Weg führt uns weiter Richtung Marrakesch. Wir entscheiden uns über den 2200 Meter hohen Tizi n´Test Pass zu fahren. Der Wetterbericht hat kein Schnee in den Bergen vorhergesagt so machen wir uns morgens auf den Weg. 215 km sind es bis Marrakesch. Die ersten 60 km führen uns über  teilweise zweispurige Strassen zum Pass. Steil geht es nach oben, die Aussicht ist wahnsinnig schön. Die Strasse wird je näher wir der Passhöhe kommen schmaler, es ist nur noch eine Spur geteert, aber rechts und links kann man gut den Schotter befahren. Am höchsten Punkt liegt Raureif auf der Strasse, wir kommen an den Garagen von den Schneepflügen vorbei. Die Fahrt abwärts ist auch wunderschön und lässt sich auch mit dem Womo gut fahren. Bei Gegenverkehr wird sich die Teerspur brüderlich geteilt und jeder rutscht etwas auf die Schotterseite. Nach knapp 6 Stunden Fahrt erreichen wir unseren ersten CP etwas ausserhalb von Marrakesch.

Die Anlage ist sehr gepflegt, viele Zitrusbäume sind angepflanzt, alles blüht und die Mitarbeiter sind super nett. Wir nutzen die Annehmlichkeiten auf dem Stellplatz , waschen Wäsche, regeln einige Dinge per Internet, telefonieren mit Zuhause. Vom Campingplatz aus fahren wir mit dem Bus am nächsten Tag nach Marrakesch rein. Eine Fahrt kostet pro Person 0,50 € und der Bus hält an der Endstelle, dem Busbahnhof, so dass auch die Rückfahrt kein Problem ist.  Zuerst schauen wir uns die Moschee von Aussen an (uns als Nicht-Moslems ist der Eintritt nicht gestattet), gehen dann weiter Richtung Souk. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem Stand mit vielen Gemälden vorbei. Schon in anderen Städten vorher haben wir ein Auge auf bestimmte Bilder geworfen, nach Preisen gefragt, sind aber nie in die Verhandlungen richtig eingestiegen. Das Handeln um jeden Euro, egal ob ich Obst, Schuhe oder eine Tasche kaufen will,  ist nicht so mein Ding, nervt mich eher und hat bis jetzt dazu geführt, dass wir nichts gekauft haben. Nun gefallen uns die Bilder aber recht gut, wir steigen in die Verhandlungen ein. Für einen für uns angemessnen Preis erstehen wir zwei abstrakte Bilder auf Leinwand. Schnell sind sie eingerollt und verpackt. Nun schleppen wir diese Rolle den ganzen Tag mit uns herum, durch Marrakesch, aber mit einem zufriedenem Lächeln im Gesicht. Der Bazar (Souk) in Marrakesch ist riesig. In In viele verschiedenen Gassen, die alle ähnlich aussehen, reihen sich kleine und große Geschäfte aneinander. Das Sortiment wiederholt sich. Silber, Schuhe, Taschen, Teppiche, Süssigkeiten, Kleinkram, Tücher, Keramikware. Dazwischen Obst, Gemüse, Fleisch ( einfach an einem Haken in der Sonne schmorrend). Die Gerüche sind teilweise überwältigend. Ab und zu fährt ein Mofa durch die Menschenmenge, gefolgt von einem Eselskarren. Der Bazar ist größtenteils überdacht, soll wohl auch Schatten spenden, hilft jedenfalls nicht bei der Durchlüftung. Irgendwann finden wir uns auf einem offenem Platz wieder. Pause! In einem Kaffee stärken wir uns mit frisch gepressten Säften und Tee, bevor wir wieder los tigern. Der Gang durch die Gassen ist wirklich interessant, aber auch anstrengend.  Am frühen Nachmittag setzten wir uns auf die Dachterrasse eines Restaurants, dass Essen ist echt mies, aber der Blick ist super. Wir beobachten das Treiben ohne selber mittendrin zu sein.

Mutig stürzen wir uns wieder ins Getümmel und machen uns auf den Weg zum Palais el Badi. Ein alter Sultanpalast, von dem heute sehr gepflegte Ruinen, mit unterirdischen Gängen, erhalten sind. Diese wurden zum Teil als Gefängnis genutzt, zum Teil dienten sie als Vorratskammern. Das eigentlich Highlight sind für uns aber die vielen bewohnten Storchennestern auf den Türmen des Palais. Überall sieht man Storcheneltern mit Jungtieren.

Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg zurück zum Campingplatz, legen die Füsse hoch und öffnen eine Flasche Wein. Unsere Nachbarn auf dem CP kommen aus Australien und aus Österreich. Wir verbringen gemeinsam einen geselligen Abend tauschen Geschichten und Erfahrungen aus.

Laut unserem Reiseführer soll es einen noch schöneren Campingplatz auf der anderen Seite von Marrakesch geben. Da unsere Vorräte zu Neige gehen und  wir einkaufen müssen, entscheiden wir uns den Campingplatz zu wechseln. Wir haben ja Zeit. Großräumig umfahren wir die Innenstadt, aber auf den Strassen ist recht viel los. Die Marokkaner fahren auch etwas unvorhersehbar Auto, wechseln die Spur ohne Blick in den Spiegel ( was geht mich das an was hinter mir passiert) schneiden gerne Kurven, fahren am liebsten auf der Mitte der Fahrbahn, bleiben einfach mal mit dem Auto stehen um jemanden ein- oder aussteigen zu lassen, zu begrüßen etc.  Froh erreichen wir den anderen CP, er ist gut besucht, gepflegt, es gibt nichts zu meckern. Der andere Platz  (OurikaCP) hat uns persönlich trotzdem besser gefallen. Wir lernen Jana und Oliver kennen. Die beiden haben sich eine zwei- monatige Auszeit genommen und wollen nun mal mit etwas mehr Zeit reisen. Es ist nicht ihre erste Reise durch Marokko und wir bekommen einige wertvolle Tipps von ihnen.Wir verbringen zwei lustige Abende miteinander, bevor wir uns wieder auf den Weg machen.

Von einigen Reisenden haben wir gehört, dass die Strasse N9 Richtung Süden eine einzige Baustelle ist und man ewig lange Zeit braucht um dadurch zu fahren, mit viel Staub, Schlaglöchern etc. Unsere Idee ist, wir fahren an einem Sonntag durch diese Baustellen und kommen dann eventuell schneller voran. Gesagt getan. Leider brauchen wir erst einmal 2 Stunden am Sonntagmorgen um überhaupt erst einmal Marrakech zu verlassen. Denn es ist ein Marathon in der Stadt ( klar die Werbeplakate haben wir in der Innenstadt gesehen ..clever!!) und viele Strassen sind gesperrt. Wir folgen Umleitungen, suchen uns selber Abkürzungen bis wir dann irgendwann kurz vor der Ausfahrt aus der Stadt in einer Vollsperrung stehen, nichts geht mir, glauben wir. Um uns herum die Marokkaner beginnen auf der Strasse zu wenden um den  Weg zurück zufahren, der sie in den Stau gebracht hat, dafür müssen die hinter ihnen stehenden PKW aber auch wenden, ein lustigen hin und her wenden beginnt. Wir und einige andere große Fahrzeuge schauen sich das alles in Ruhe an. Auf der engen Strasse können wir eh nicht wenden. Schneller als gedacht fliest der Verkehr wieder. Über einige Seitenstrasse kommen wir dann auf die N9. Zumindest geht hier unser Plan auf, wir kommen gut durch, die Strasse ist gar nicht in so schlechtem Zustand und es finden am Sonntag wenig Bauarbeiten statt. Früher als gedacht kommen wir am Ziel an. Am nächsten Tag fahren wir früh morgens in die Ksar (befestigtes Dorf)  Aiit Benhaddou, die  seit 1987 UNESCO Weltkulturerbe ist. Ein wunderschönes Beispiel für traditionelle Lehmbauarchitektur. Die aus Stampflehm errichteten und mit Ornamenten geschmückten Häuser liegen ineinander verschachtelt am Berghang. Ein toller Anblick. Um in den Ort zu kommen, geht man entweder über eine Brücke und zahlt einen hohen Eintritt und man läuft über Sandsäcke über den Fluss und zahlt einen normalen Eintritt. Wir entscheiden uns für die zweite Alternative. Als wir den Ort betreten sind noch nicht so viele Touristen unterwegs, wir schlendern durch die Gassen. Erst oben auf dem Aussichtspunkt treffen wir die ersten Bustouristen. Wir sind beeindruckt von dem Ort und den schönen Lehmhäusern.

Am Nachmittag erreichen wir dann den Ort Agdz. Dort kann man vom CP aus die benachbarte, zur Zeit unbewohnte Kasbah besichtigen. Mit einem freundlichen Führer erkunden wir das Gebäude und lassen uns erzählen wie das Leben eines Paschas ( Landesfürst) und seiner Familie in einer Kasbah war. Auch sonst können wir all unsere Fragen über Land und Leute bei Achid los werden und er beantwortet alles in perfektem Englisch. 

Nach so viel Kultur und Besichtigung wird es wieder Zeit für etwas Erholung. In Zagora finden wir ein Plätzchen auf einem entspannten CP. Zur Begrüßung wird ein Teppich vor unserem Womo ausgebreitet, ein kleiner Tisch aufgestellt und wir bekommen einen Tee angeboten. Bis in den Ort ist es mit Rad nicht weit, so das wir zum Mittag immer unterwegs sind und sonst zwei Tage die Seele baumeln lassen.

Unser nächstes Ziel ist der Ort Tinerhir in den Bergen auf ca 1700 Metern Höhe.  Hier liegt die Todrhar Schlucht. Diese fahren wir ca 30 km entlang. An der engsten Stelle berühren sich fast die gegenüberliegenden Felswände. Das ganze Tal ist sehr grün, es führt Wasser und dementsprechend wächst hier viel Obst und Gemüse. Vor allem aber Datteln.

Wir bleiben nur eine Nacht auf dem wirklich schön gelegenem „Campingplatz“ vor einem Hostel. Die Wüste ruft. Genauer gesagt die Sahara., Hier  in Marokko hat man die Möglichkeit ganz nah mit dem Auto an die Dünen auf fahren. Es gibt zwei Orte, die an die ersten Dünen angrenzen. Wüste haben wir bis jetzt noch nicht so richtig gesehen, vielleicht können wir das hier ja nachholen. Schon auf dem Weg sehen wir die ersten Dünen.

Der Ort Mezuoga, ist als netter  Touristenort beschrieben und wir sind neugierig. Als wir ankommen sind wir vom Ort selber eher enttäuscht. Von unserem CP aus können wir direkt auf die Dünen zu laufen, aber irgendwie will bei uns keine Begeisterung aufkommen.

Wir kränkeln beide einwenig mit einer leichten Erkältung und können uns weder zu einem Kamelritt noch zu einer 4×4 Tour aufraffen. Unverrichteter Dinge verlassen wir den Ort und die Dünen wieder. Mir gefällt Marokko schon, aber eigentlich bin ich jetzt auch wieder bereit um langsam nach Spanien zurückzufahren. Wir fahren aus der Wüste über die Berger Richtung Fes. Unterwegs wollen wir übernachten, aber es ist noch recht früh am Tag, es ist kalt und windig draussen. Wir beschliessen einen Fahrtag einzulegen und die 460 km bis Fes durch zufahren. Was wir beide nicht bedacht haben ist, dass wir wieder über einen Pass fahren müssen auf ca 2220 Meter Höhe.Klar ist, wenn es im Tal schon kalt und windig ist, dann ist auf dem Pass, jawohl Schnee!! Wir schauen nicht schlecht als aus dem Regen Schnee wird und die Wiesen rechts und links von uns schon weiss gepudert sind. Plötzlich ist ein Schneeflug vor uns und wir fahren in einer Kolonne. An einigen Stellen wird der Pass nach dem wir in der Kolonne vorbeifahren sind, gesperrt. Auf der Gegenseite halten die LKWs an und machen es sich gemütlich. Hoffentlich kommen wir noch bis nach Fes.

Im Ort Ifrane, wohl ein Wohnort für reichere Marokkaner , viele Villen und Einfamilienhäuser säumen die Strasse sind viele Familien unterwegs, auf Wiesen und in einem Park werden Selfies im Schnee gemacht. So oft gibt es wohl doch keinen Schnee. Unter 1600 Höhenmetern gibt es dann keinen Schnee mehr und in Fes auf 500 Metern steigt das Thermometer wieder auf 10 Grad. Wer weiss, ob wir einen Tag später über den Pass gekommen wären, vielleicht war der Fahrtag doch besser als wir gedacht haben. Nun schauen wir uns Fes an. Mit dem Taxi geht es am nächsten Tag in die Medina (Altstadt) wir lassen uns durch die Gassen treiben, entspannt. Eine Gruppe vor uns biegt ab um sich ein Haus anzuschauen, wir folgen. Eine ehemalige Koranschule kann man besichtigen, tolle Holzschnitzereien, Marmorarbeiten und die kleinen Zimmer der Schüler stehen uns offen. Weiter gehts durch die Gassen, wir kommen bei den Gerbern vorbei, den Kupferschlägern, Schustern etc. Ja, klar die Bazare in den verschiedenen Städten ähneln sich schon sehr.

Der Campingstellplatz an einer Bungalowanlagen in Fes gefällt uns nicht so gut und so fahren wir früher als gedacht nach Meknes weiter. Hier wird Wein angebaut, eine Erbe der französischen Kolonialherren. In Meknes kommen wir an einem McDonalds vorbei und können nicht widerstehen.  Zum  CP sind es dann noch 24 km. Er liegt  ausserhalb der Stadt, ist sehr gemütlich, grün und die Betreiber sind sehr freundlich. Wir packen die Stühle aus und machen es uns gemütlich. Zumindest solange bis mein Campingstuhl unter mir nun endgültig  zusammenkracht. Birger hat die letzten Wochen immer mal wieder unsere Stühle repariert, Schrauben festgezogen, das Gestänge verstärkt etc. Aber jetzt, nach zwei Hamburgern, geht wohl nichts mehr. Die Betreiber kommen uns zu Hilfe, sie können alles reparieren, dafür seien die Marokkaner berühmt. Okay, wir geben den Stuhl in gute Hände. Achmed, die gute Seele und Mädchen für Alles auf dem Platz, macht sich an die Arbeit. Ruft mich irgendwann alles sei gerichtet. Sein Kollege ist auch ganz stolz und setzt sich in den reparierten Stuhl um zu zeigen, alles hält wieder. Naja, nur kurz, dann bricht der Stuhl erneut zusammen und er liegt danieder. Ihm ist nichts passiert. Wir lachen alle herzlich!

Achmid gibt nicht auf und am nächsten Tag ist der Stuhl wieder in Ordnung.

Zumindest für die nächsten zwei Tage. In die Stadt Meknes fahren wir vom CP aus mit dem Bus, schauen uns die Stadtmauer an und gelangen natürlich auf den Bazar auf dem es aber irgendwie nur nachgemachte Designer Klamotten vor allem Turnschuhe gibt. Wir sind verwirrt. Keine Taschen, Schuhe, Obst. Kurz bevor wir wieder zurückfahren wollen, gehen wir durch eine kleine Strasse, vorbei an Mofawerkstätten und stehen plötzlich auf dem einheimischen Markt. Von der Klobürste bis zum Silberschmuck kann man hier alles erwerben.

Wir genießen noch etwas den schönen CP bevor wir weiter fahren nach Chefauouen. Die blaue Stadt. Viele Reisende haben geschwärmt und uns ans Herz gelegt, diese Stadt auf jeden Fall zu besuchen. Eigentlich haben wir keine Lust mehr auf Märkte, Basare etc. Aber gut ein letztes Mal noch! Die Stadt liegt an einem Hang, der CP liegt ganz oben an diesem Hang. Leider finde ich nicht sofort den richtigen Weg durch das Strassengewirr, aber nach ein paar Wendemanövern, die Birger unter Begeisterungsrufen ausführt ( oder so ähnlich), kommen wir am Ziel an. Klar, wenn man auf dem Berg campt muss man zu Fuss runter in die Stadt. Über einige viele Stufen führt ein Weg in die Altstadt. Alles Häuser und Türen sind blaue angemalt, daher der Name blaue Stadt. Die Gassen sind wirklich  sehr niedlich und es macht Spaß durchzulaufen. Nichts ist überdacht, wie schön! Tolle Hauseingänge, verwinkelte kleine Gassen, kleine, nicht so überladene Shops. Viele Touristen sind unterwegs, vor allem Gruppen aus Asien.Wir suchen uns mal wieder eine schöne Ecke auf dem Marktplatz, gehen etwas Essen und machen eine Art Sitzbesichtigung.

Dies war nun definitiv unsere letzte Stadtbesichtigung in Marokko, aber wohl auch die schönste. Unser letzter Stop in Marokko ist wieder am Meer, am Mittelmeer. In Martil geniesen wir die ewig lange Strandpromenade und den tollen Sandstrand. Es ist Nebensaison, viele Geschäfte und Restaurants sind geschlossen, Touristen sind keine unterwegs. Es ist schön warm, sogar nachts über 10 Grad. Das Meer ist doch mehr so unser Ding, hier fühlen wir uns am wohlsten.

Auf dem CP lernen wir Doris und Eberhard kennen. Die beiden Deutschen wohnen in der Schweiz und sind gerade erst in Marokko angekommen. Wir sitzen den ganzen Abend zusammen und reden über das Leben, die verschiednen Werdegänge, Pläne, Wünsche und Ziele. Die beiden beginnen gerade ihre Marokkoreise, wir beenden unsere. Für uns war es ein besonders schöner letzter Abend in Marokko mit euch!

Am nächsten Morgen fahren wir Richtung Tanger Med, da soll unsere Fähre um 13.00Uhr nach Algeciras ablegen. Wir nutzen die Autobahn, müssen an einer Stelle noch Maut bezahlen. Erst als ich das Wechselgeld zurück bekomme, merke ich das ich die Maut von 16 DH ( ca 1,6€) mit einem 20 Euro Schein bezahlt habe und nicht mit einem 20 DH( ca 2 Euro). Ich habe aber das Wechselgeld in Dirham zurück gekommen. Wir verlassen Marokko und ich habe 180 DH Wechselgeld bekommen. Gestern habe ich noch unsere letzen Dirham an Doris verkauft. Toll. Im nächsten Ort kommen wir zum Glück an einer Wechselstube vorbei und ich tausche alles wieder zurück. Wir haben ja Zeit. Und wie viel Zeit wir haben erfahren wir dann am Hafen. Unser 13.00Uhr Fähre fährt nicht, auch die Fähre um 15.00 Uhr ist nicht im Fahrplan vorgesehen..Erst um 17.00 Uhr können wir übersetzten. So haben wir nun 6 Stunden Zeit. Wir haben die Fährzeiten nicht erneut im Internet gecheckt, sondern uns auf die Angaben auf den Tickets verlassen. Und schon wieder haben wir etwas gelernt!!  Zumindest ist das Internet im Hafen ganz gut und so vertreiben wir uns die Zeit. Ab 14.00 Uhr beginnt die Zollabfertigung, wir müssen mit dem Fahrzeug durch eine Wärmekontrolle, es wird geprüft ob sich keine Leute in oder unter unserem Auto verstecken um illegal nach Europa einzureisen. Um 19.00 Uhr sind wir wieder in Europa. Bis zum nächsten Stellplatz in Linea am Yachthafen  kurz vor Gibraltar ist es nicht weit. Ein Plätzchen ist auch noch frei und die Kneipe am Hafen hat auch noch geöffnet, so das wir nicht verhungern müssen. Europa we are back! 

Fazit: Uns hat Marokko sehr gut  gefallen. Ein abwechslungsreiches Land, mit tollen Berglandschaften, Bergmassiven und wunderschöner Küste. Die Städte sind alt, voller Kultur und schöner Architektur. Leider ist nicht genug Geld vorhanden um alles zu erhalten oder Instand zusetzen. Die Märkte in den Städten wiederholen sich, wer gerne shoppen geht und wem das Handeln im Blut liegt kommt hier voll auf seine Kosten. Unser Ding war es nicht! Die Menschen haben uns in ihrer Freundlichkeit und Entspanntheit sehr beeindruckt.

 

Dieser Beitrag gehört zu Marokko 2019, Reiseberichte

One thought on “Marokko Teil 2 – Das Inland und der Osten

  • Latifa & Gerhard 26. Februar 2019 at 13:17

    Hi Christiane & Birger

    Schade dass wir euch nicht ein bisschen mehr Insider Tips zeigen/geben konnten, denn Tangier, Marrakesh, Agadir & die Küste entlang nach Rabat & Casablanca hat es noch sehr viele „Secret Places“
    Wir ihr beide Marokko beschrieben/erlebt habt trifft das aus jedem Fall zu, es ist ein Land der Gegensätze, ein Land das sich entwickelt und ein sehr interessantes Land zu bereisen, nicht immer aufdringlich wie man es aus anderen Ländern kennt und ein sicheres Land im vergleich zu anderem.
    Es ist fuer mich natürlich einfacher für das Land zu schwärmen, denn wenn man jemanden wie Lafita kennt, die in Marokko aufgewachsen ist, Kultur, Sprache, Verhandlungen auf dem „Souk“ und sonst alles andere kennt, ist es viel einfacher dort zurecht zukommen.
    Toller Bericht, super Bilder und vielleicht Treffen wir uns mal gemeinsam in Marokko wieder, Herbst oder Fruehling sind die besten Reisezeiten um das ganze voll zu genießen.
    In diesem Sinne eine schöne weiterreise and keep in touch.
    Latifa & Gerhard from Seoul

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