Marokko: von Tanger Med nach Essauira vom 03.01.-12.01.2019

Marokko bzw Königreich Marokko liegt im Nordwesten von Afrika. Marokko ist durch die Strasse von Gibraltar vom europäischen Kontinent getrennt. Als westlichstes der fünf (mit Westsahara sechs)  Maghrebländer grenzt es im Norden an das Mittelmeer, im Westen an den Atlantischen Ozean und im Osten an Algerien. Marokkos Südgrenze ist wegen des Westsaharakonfliktes bis zum Abhalten eines Un-Referendums über die zukünftige Zugehörigkeit der Westsahara international umstritten. Marokko ist seit 1956 unabhängig und gemäß Verfassung von 1992 eine konstituelle Monarchie.  Die bedeutendsten Städte des nordafrikanischen Landes sind Casablanca, die Hauptstadt  Rabat Fes, Marrakesch, Agadir, Tangar und Meknes. Um 1950 lebten 9 Millionen Menschen in Marokko, 2017 waren es 35,7 Millionen. Das Bevölkerungswachstum betrug 2015 1,3 % und das Durchschnittsalter nur 28 Jahre. Etwa 45 % der Bevölkerung sind Berber einschließlich 21 % arabisierte Berber. Sie sind heute zumeist sesshafte Bauern; nur eine Minderheit lebt noch als Nomaden  oder halbnomadisch in abgelegenen Gebieten des Mittleren Atlas oder auf den Hochplateaus im Osten des Landes. Rund 44 % der Marokkaner sind arabischstämmig.Die Bevölkerung ist in Marokko sehr ungleich verteilt. Zwei Drittel der Einwohner leben auf etwa einem Zehntel der Landesfläche im Nordwesten oder Westen. Ballungsgebiete sind die Küstengebiete im Norden und Nordwesten und das Sebou-Tiefland. Marokko hat eine alte Stadtkultur; 2015 lebten 60,2 % der Bevölkerung in Städten. Die Urbanisierung  schritt langsamer voran als in anderen afrikanischen Staaten. 27,3 % der Einwohner waren 2015 jünger als 15 Jahre; 6,1 % waren älter als 65 Jahre. Die Lebenserwartung betrug 74,3 Jahre (Frauen: 75,3 Jahre/Männer: 73,3 Jahre). Staatsreligion ist der Islam. Rund 98,7 % der Bevölkerung sind Muslime davon 90 % Sunniten mlikitishcer Richtung. 1,1 % der Einwohner bekennen sich zum Christum, meist Katholiken. in der Volksreligion ist der Glaube an Geister – als Erbe der vorislamischen Berber – tief verwurzelt. Marokko liegt beim Pro-Kopf-Einkommen in der höheren Gruppe der afrikanischen Staaten. Die Sozialversicherung umfasst Alters-, Hinterbliebenen- und Invalidenrenten. Auch Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft sowie Familienbeihilfen werden gewährt. Versichert sind allerdings nur Arbeitnehmer in Industrie und Handel, beziehungsweise Genossenschaftsmitglieder. Die Arbeitslosigkeit (2015 durchschnittlich 9,6 % ist besonders unter Jugendlichen hoch (19,6 %). Viele männliche Jugendliche wandern daher in andereStaaten aus. Um das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen, gehen staatliche Maßnahmen in Richtung „Marokkanisierung“, das heißt Verdrängung ausländischer Fachkräfte. Die Inflation lag 2015 durchschnittlich bei 1,6 %. Das Gesundheitswesen ist im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten gut entwickelt. Die medizinische Versorgung der Stadtbevölkerung ist allerdings wesentlich besser als die der Landbevölkerung. Knapp die Hälfte aller Ärzte praktiziert in Casablanca und Rabat. Allgemeine Schulpflicht besteht für 7- bis 13-Jährige, jedoch werden nur 91 % aller Jungen und lediglich 88 % aller Mädchen eingeschult. Bei leicht sinkender Tendenz sind noch 27,6 % der Erwachsenen Analphabeten, vor allem ist die ältere Gesellschaft vom Analphabetismus betroffen, die nie eine Schule besuchen musste. Das Schulsystem ist dreistufig: auf fünf Jahre Grundschulausbildung folgen in der Sekundarausbildung eine vierjährige Unterstufe und eine dreijährige Oberstufe. Daran schließt die Hochschulausbildung an. Universitäten befinden sich in  den großen Städten. Auch Fachhochschulen wurden gegründet. Im Allgemeinen ist die Ausstattung der meisten Hochschulen – auch der neueren – noch völlig unzureichend. Der Schulbesuch ist seit 1963 für 5- bis 13-Jährige obligatorisch und wurde 2002 auf die bis zu 15-Jährigen erweitert. Die Einschulungsquote beträgt 92 %, von den 15-Jährigen besucht jedoch nur noch die Hälfte die Schule. Der Unterricht erfolgt in den beiden ersten Schuljahren ausschließlich in arabischer Sprache, danach werden Mathematik und Naturwissenschaften in französischer Sprache unterrichtet. Die Alphabetisierungsrate betrug 2015 72,4 % (Frauen: 62,5 %, Männer: 82,7 %). Etwa seit dem Jahr 2000 wurden die Bildungsanstrengungen stark erhöht. Das Bildungsbudget übersteigt seither das vieler anderer arabischer Staaten, jedoch gilt die Effizienz immer noch als sehr gering. Die Abbrecherquote in der Sekundarstufe ist hoch; weniger als 15 Prozent der Schüler erreichen das Abitur. Marokko bildete 2003 mit Jemen und dem Irak die Schlussgruppe bei einem Ranking der Schulleistungen in den arabischen Ländern. In Mathematik und Naturwissenschaften stellte Marokko 2003 das absolute Schlusslicht im Vergleich arabischer Länder dar. Ein Schwerpunkt der Bildungsanstrengungen wurde seither auf die Informatikausbildung gelegt. Doch sind auch die neugegründeten Schulen und Hochschulen unterfinanziert. Es fehlt an Computern, Lehrbüchern und Plätzen für Praktika; die Fachrichtungsstruktur geht z. T. am Bedarf vorbei, so dass zahlreiche Absolventen nur schwer eine angemessene Beschäftigung im Land finden.Die Ursachen dieser Schwächen sind vor allem in der quantitativ und qualitativ unzureichenden  Primaschulbildung zu der der mit hohen Kosten modernisierte Überbau des Sekundarschulwesens und der Hochschulen in einem Missverhältnis steht, sowie in einer traditionalistischen pädagogischen und didaktischen Ausbildung, zentralistischen Entscheidungsstrukturen und einer fehlenden Evaluation.Dementsprechend ist das berufsbildende Schulwesen nur schwach entwickelt. Frauen und Männer haben laut Verfassung (von 2011) die gleichen Rechte. Die marokkanische Verfassung verlangt außerdem, dass Frauen bei der Eheschließung volljährig sein müssen, obwohl gewisse Ausnahmen zulässig sind. Allerdings hat das marokkanische Justizministerium in einer Studie festgestellt, dass die Zahl von minderjährig Verheirateten von 2004 bis 2013 auf fast das Doppelte angestiegen ist (von 18.341 auf 35.152). Laut Genfer Weltwirtschaftsforum rangiert Marokko bei den Frauenrechten auf Platz 133 von 142.

Morgens knapp 2,5 Stunden vor Abfahrt der Fähre kommen wir am Hafen an. Wir staunen nicht schlecht, ungefähr 30 Wohnmobil sind schon da.

Also stellen wir uns mal in die Reihe an, und gehen abwechselnd los, um zu schauen wie das Prozedere hier am Fährhafen ist. Birger ist erfolgreich und hat eine Mitarbeiter gefunden, die perfekt Englisch spricht und ihm erklärt wo wir genau hin müssen. Wir fahren an der länger gewordenen Schlange vorbei und parken als 2. Fahrzeug vor dem Einfahrtstor für unsere Schifffahrtslinie. Es fahren fast gleichzeitig drei verschiedene Linien los. Vor uns steht ein deutsches Fahrzeug mit Wohnwagen, der Fahrer hat auch Langeweile und so findet er in Birger einen dankbaren Gesprächspartner. Sofort löchert Birger den Mann aus Magdeburg über dessen Marokko-Erfahrungen, er fährt zum 3.Mal „rüber“. Nach 1,5 Stunden sind wir viele unserer Fragen los geworden und haben hilfreiche Antworten erhalten. Die Auffahrt auf die Fähre geht problemlos. Auf der Fähre sitzen zwei Beamten der marokkanischen Einreisebehörde und erledigen schon mal die Einreiseformalitäten aller Passagiere. Die restliche Zeit nutzen wir um uns mit anderen Reisenden zu unterhalten. Etwas aufgeregt sind wir schon, wie bei all unseren Reisen vorher auch! Nach ca 2 Stunden kommen wir am Ziel an, also fast am Ziel, der Hafen von Tanger Med ist gerade von anderen Fähren blockiert und so dümpeln wir und zwei andere Fähren ca 30 Minuten vor der Hafeneinfahrt rum bevor wir anlegen dürfen. Schnell sind wir von Bord gefahren. Am Ausgang des Hafengeländes bildet sich dann eine Schlange vor dem Zoll.  Ein netter englischsprechender Zöllner ( er hat uns auch  eine Abfertigung in französischer, arabischer oder spanischer Sprache angeboten) nimmt unsere Ausweise und Fahrzeugpapiere entgegen und verschwindet damit. Nach ca 20 Minuten kommt er mit unserenPapieren, einem ausgefüllten Formular und einem Kollegen zur Verstärkung zurück. Nach einem kurzem Smalltalk und viel Gelächter bekommen wir alles notwendige in die Hand gedrückt, ein paar freundliche Abschiedsworte und los gehts. Wir sind in Marokko. Einige Meter hinter den Zollhäuschen ist ein Parkplatz, zwei Geldautomaten, eine Wechselstube. Schnell ziehen wir marokkanische Dirham und setzen uns auf die Autobahn. Laut Reiseführer sollte man die Stadt Tanger umfahren und etwas weiter im Süden die erste Nacht verbringen. Wir haben uns für den Ort Moulay Bosselham entschieden. Unser Campingführer von Edith Kohlbach, empfiehlt dort einen Campingplatz direkt an der schönen Lagune. Nach ca 2 Stunden Fahrt auf einer super ausgebauten, gebührenpflichtigen Autobahn erreichen wir den CP International. Mit uns kommen noch drei französische Fahrzeuge an. Wir staunen nicht schlecht über  100 Wohnmobile die hier auf dem Platz stehen. Schnell ist der Papierkram erledigt und wir suchen uns ein Plätzchen. Neugierig machen wir uns einige Zeit später auf den Weg in den sehr nahegelegenen  Ort. In einem kleinen Hotel mit Terrasse und Blick auf die Lagune trinken wir einen Café. Ich bin die einzige Frau im Café .

Nach dem wir Getränke und Aussicht genossen haben, drehen wir eine Runde über die Hauptstrasse, viele Männer sind unterwegs, teilweise mit Kaftans bekleidet, andere mit Jeans und Winterjacke. Die wenigen Frauen tragen Kopftuch, ganz wenige sind vollverschleiert, andere haben ihr Haar gar nicht bedeckt. Auf dem Weg zurück zum CP treffen wir ein anderes deutsches Paar, auch zum ersten Mal in Marokko, wir quatschen ein wenig. Später stehen Gudrun und Dirk bei uns am Womo, bei einem Glas Wein lernen wir uns besser kennen und verabreden uns für den nächsten Tag zum gemeinsamen Abendessen im Ort. Am nächsten Morgen versuchen Birger und ich im Städtchen eine SIM Karte für unseren InternetUSB-Stick zu bekommen. Laut Reiseführer und den Infos anderer Touristen kein Problem. Im ersten Laden haben wir keine Chance, als wir den Stick hochhalten, bekommen wir Schulterzucken zur Antwort. Aber ein ältere Mann vor dem Laden, erklärt uns auf Französisch, diese Sprache ist uns leider total fremd, wo wir das bekommen was wir brauchen. Aber der Laden so verstehen wir hat noch geschlossen, weil der Besitzer immer so lange schläft. Mit viel Gestik und Mimik erklärt uns dies alles. Wir schauen genau hin, weil zu hören nutzt ja bei uns und unseren  Sprachkenntnisse nix! In einem anderen Laden gibt man uns das selbe zu verstehen was uns der nette Herr schon erklärt hat. Also erkunden wir den Ort, laufen durch die Gassen und versuchen uns einzuleben. Tatsächlich hat der besagte Laden irgendwann geöffnet, nach unserer Uhr früher als erwartet. Mit Händen und Füssen und zaghaften Preisverhandlungen unsererseits, bekommen wir 20 GB für 2 Monate. Der nette Ladenbesitzer schaltet die Karten für uns frei, testet alles mit unserem Stick an seinem PC. Zwischendurch bedient er noch ca 10 andere Kunden, die meisten wollen nur ein Handy von ihm um kurz zu telefonieren, dafür wechseln einige Münzen den Besitzer. Interessiert schauen wir dem Treiben zu. Auf dem Rückweg zum CP spricht uns ein Einheimischer in perfektem Englisch an und fragt ob wir Interesse hätten an einer Bootsfahrt über die Lagune zur Vogelbeobachtungen. Es gäbe zur Zeit Flamingos zu sehen. Wir sind schon öfter hier angesprochen worden, aber noch nie auf Englisch, wir kommen ins Gespräch, Hassan ist sehr geschickt. Er fragt uns ob wir das Buch von Edith Kohlbach oder Erika Därr ( Reise Know How Marokko) kennen würden. Er sei der Hassan, der von beiden Damen empfohlen werden würde und er würde beide Ladies auch sehr gut kennen. Ja, erwischt! Beide Reiseführer haben wir dabei, ja, ich habe von ihm gelesen und ja, ich bin schon interessiert. Er habe eine Fahrt mit zwei Italien um 14.00 Uhr wir sollten zum Hafen kommen, 100 DH ( 10Euro/Person) für ca 3 Stunden Bootsfahrt. Wir vergessen zu handeln und sagen zu. Dirk und Gudrun hätten auch Lust zur Bootstour und so stehen wir kurz vor 14.00 Uhr zu viert am Hafen. Hassan ist mit den Italiener schon auf dem Wasser und freut sich über zwei Passagiere mehr. Er spricht wirklich gut Englisch und erzählt uns ein wenig über das Leben in der kleinen Stadt, über seinen Lebensweg einige Geschichte zur Historie von Moulay Bouselham und auch ein paar Geschichten aus dem Koran bringt er uns näher. Verschiedene Vogelarten erklärt er uns, wir sehen einen Fischadler beim verspeisen seiner Beute und am Ende auch noch Flamingos.

Es wird kühler und Hassan fragt uns nach der Uhrzeit. Erst jetzt stellen wir fest, dass wir die falsche Uhrzeit haben. Unser Handy, i-pad haben eine Zeitverschiebung zur Marokko von einer Stunde angegeben. Diese gab es auch bis letztes Jahr. Aber in diesem Jahr hat Marokko darauf verzichtet und Marokko hat nun die selbe Uhrzeit wie Europa. Uns ist es super peinlich, weil aufgrund unserer falschen Uhrzeit haben Hassan und das Paar aus Italien eine Stunde auf uns gewartet, weil wir eine Stunde zu spät zur Bootstour gekommen sind. Wir entschuldigen uns tausendmal bei allen! Abends suchen wir dann zu viert ein Restaurant zum Essen, die Auswahl ist groß. In einem Restaurant sitzen draussen ein paar Touristen und auch einige Einheimische beim Essen. Wir schliessen uns an. Ich esse zum ersten Mal Tajine. In einem Tonzylinder gegartes  Gemüse mit Kartoffeln und wahlweise Fleisch oder Fisch. Genauso sieht die Tajine von Dirk aus, meine besteht nur aus einer schmackhaften Tomatensauce mit leckeres Hackbällchen.

Am nächsten Tag setzen wir unsere Fahrt fort. Mohammedia ist unser Ziel. Dieser Ort soll ein guter Ausgangspunkt sein um Rabat, die Hauptstadt von Marokko und Casablanca zu besuchen. Dirk und Gudrun schliessen sich uns an. Auf dem nahe am Meer gelegen CP in Mohammedia sind wir nicht alleine, ca 50 Fahrzeuge stehen hier. Langsam verstehen wir, dass wir nicht alleine in Marokko unterwegs sind. Viele französische Rentner überwintern in Marokko, es ist halt sprachlich für sie sehr einfach und günstig ist Marokko im Gegensatz zum spanischen Festland auch! Birger und ich fangen an die „Ausflüge“ nach Rabat und Casablanca zu planen. Birger sucht sich die Zugverbindungen raus, fragt die CP Besitzer nach Taxifahrten etc, ich lese ein wenig im Reiseführer. Zum CP gehört ein Restaurant mit Blick direkt aufs Meer. Mit Dirk und Gudrun gehen wir dort erst Mal einen Kaffee trinken, nein falsch, die Herren trinken Pfefferminztee, ein sehr beliebtes Getränk der Marokkaner, leider sehr süss, wir Frauen trinken frischen Orangensaft. Die Preise sind wirklich unschlagbar und irgendwie kosten alle Getränke immer 10 DH ( 1€).

Wir entschliessen uns auch noch etwas zu essen, der Kellner erklärt uns es wird etwas dauern, jeder von uns versteht eine andere Wartezeit. Am Ende müssen wir ca 2 Stunden auf unser Essen warten, es ist aber sehr lecker und wir haben ja Zeit. Abends spielen wir zusammen Rummikup. Am nächsten Morgen gehts dann los. Schon um 9.00 Uhr bringt uns ein Taxi vom CP zum Bahnhof, dort kaufen wir Hin-und Rückfahrtickets für den Zug nach Rabat. Der fährt auch gerade in den Bahnhof ein und etwas 45 Minuten später steigen wir schon in Rabat aus. Der Bahnhof der Hauptstadt ist ein sehr modernes Gebäude und liegt wirklich recht zentral. Zuerst laufen wir zum Königspalast. Der liegt in einem großen Areal, mit vielen Wohnhäusern und  einer großen langen Mauer drum herum. Wir versuchen an mehreren Eingängen das Areal zu betreten, werden aber sehr freundlich auf Englisch von Polizeibeamten immer ein Stück weiter geschickt. Jeder der Polizisten heisst uns Willkommen in Marokko und lächelt uns an. Endlich finden wir den richtigen Eingang und staunen nicht schlecht ,als ein Beamter in einem kleinen Büro nach unseren Reisepässen fragt. Die müsse er nämlich in einem großen Buch registrieren. Birgers „strafende“ Blicke treffen mich sofort, morgens hat er noch gesagt wir sollten die Pässe mit nehmen, vielleicht müssten wir sie irgendwo vorzeigen. Ich habe es abgetan, mit dem Hinweis wir hätten ja unsere Personalausweise dabei. Diese zeigen wir jetzt alle vier auch brav vor. Der Beamte sagt, dies würden nicht reichen, wo die Ausweise sein. Wahrheitsgemäß sagen wir diese sein im Wohnmobil und das stände in Mohammedia. Das sei aber weit, meint der nette Beamte, nimmt die Personalausweise und macht für uns eine Ausnahme. Vielen Dank!  Vor dem Königspalast steht eine Moschee mit hohem Minarett, Springbrunnen säumen den Platz vor dem Palast.

Alleen führen durch das Areal und gut abgeschirmte Wohnhäuser sind hinter Hecken und Mauern erkennbar. Dem Palast darf man sich nur auf gut 30 Metern nähern und von aussen auch ein paar Bilder machen, als wir durch das Haupttor fotografieren wollen, werden wir zurück gepfiffen. Auf dem Weg zurück spricht uns ein Polizist an und erklärt uns kurz, dass das Gebäude gegenüber die Grundschule sei, in die der amtierende König, Mohammed der VI gegangen sei und jetzt würde dort sein Sohn unterrichtet. Vom Königspalast geht es zurück Richtung Bahnhof, nach einer stärkenden Kaffeepause laufen wir zum Turm von Hassan II. Der Turm sollte mal 88 Meter hoch werden, ist aber nie fertig gestellt worden, auf dem Platz davor stehen viele, viele Säulen, diese sollten mal der Grundstein für eine Moschee werden, die nie erbaut wurde. Aber es gibt auch ein Mausoleum von Mohammed V., sehr prunkvoll, mit Wächtern Aussen und Innen, bekleidet mit wunderschönen Gewändern.

Von dort geht es weiter am Wasser entlang mit dem Ziel zum andalusischen Viertel. Uns  fällt auf, das viel gebaut wird in der Stadt, Häuser, Strassen, Fassaden, überall Baustellen. Es ist Sonntag, wir empfinden die Hauptstadt als sehr angenehm, wenig stressig und wir werden weder angesprochen noch ständig angebettelt. An der Promenade gibt es einige Restaurants, Einheimische und Touristen genießen die Sonne und den freien Tag. Auch für uns ist es Zeit für ein Mittagessen. Wir müssen uns eingestehen, wie ungewöhnlich wir es empfinden keine Alkohol in einem Restaurant bestellen zu können. Ja, wir sind eben in einem islamischen Land und Wasser ist eh viel gesünder als ein Glas Wein.

.Am Wasser entlang geht es zum andalusischen Viertel. Hinter einer großen Mauer verbirgt sich  eine kleine Stadt mit Gassen, Häusern, viele Verkaufsstände, eine Garten und einer tollen Aussicht auf das Meer und den Strand von Rabat.

Nicht weit entfernt befindet sich der Souk von Rabat, der Markt. Viele verschiedene Gassen, hunderte von Geschäften mit Schuhen, Taschen, Teppichen. Keramik, Schmuck, Obst, Gewürzen. Die Händler sprechen uns immer mal wieder an, aber freundlich und nett. Wir grüßen höflich zurück, können uns aber noch nicht entscheiden die Läden zu betreten. Dirk hat Interesse an Teppichen, wir folgen ihm in einen Laden hinein. Mit der Händlerkultur in Marokko müssen wir noch etwas warm werden. Es liegt an  uns, alle sind freundlich, keiner bedrängt uns.

Der Markt ist sehr groß es gäbe noch viel mehr zu sehen, aber wir müssen noch zum Bahnhof laufen und zurück nach Mohammedia fahren. So beschliessen wir uns auf den Heimweg zu machen bevor es dunkel wird. Vor dem Souk befindet sich eine Art Flohmarkt, auf dem privat Leute Dinge verkaufen, es ist etwas trubelig, es scheint, dass die Marokkaner erst ab dem späten Nachmittag auf ihre Märkte gehen. Der Zug nach Mohammedia ist rappel voll, wir erfahren, dass Ferienende ist und viele auf der Heimreise sind. Am Bahnhof in Mohammedia versuchen wir ein Taxi zum CP zu bekommen, Taxis stehen genug vor dem Bahnhof, aber irgendwie spricht uns keiner an. Dann erklärt uns ein Taxifahrer, er dürfe nur 2-3 Leute in seinem Petit-Taxi mitnehmen, wir müssten ein Grand-Taxi, diese dürften allerdings nur auf der anderen Strassenseite, gegenüber vom Bahnhof halten. Da steht aber keins. Gudrun ruft den Taxifahrer von der Hintour an, der schlauerweise uns seine Handynummer hinterlassen hat. 10 Minuten später sammelt er uns ein und bringt uns zum CP. Es war ein schöner Tag, wir sind alle etwas geschafft, bei einem gemeinsamen Glas Wein, beschliessen wir am nächsten Tag nichts zu tun und fallen alle todmüde  ins Bett. Am nächsten Tag sind wir etwas faul, wollen uns aber trotzdem noch den Ort Mohammedia anschauen. Wir lassen uns wieder mit dem Taxi abholen und uns an der Strandpromenade absetzten, in der Hoffnung dort ein nettes Restaurant für ein spätes Mittagessen  zu finden. Der Taxifahrer setzt uns bei einem teuren Fischrestaurant ab, Preise fast wie ihn Europa. Aber wir wollten ja eigentlich mit Meerblick etwas einheimisches Essen. Also laufen wir die Promenade entlang, finden viele Cafés, entweder ohne Speisekarte oder mit Pizza als Angebot. Also laufen wir zurück Richtung Bahnhof, dort schickt uns ein Cafebesitzer zum Essen in die nächste Querstrasse und wir sehen vor ca 5 verschiedenen Snackbars. Wir haben Hunger und entscheiden uns für eine der vielen Imbissbuden mit Plastiktischen und Stühlen auf dem Bürgersteig. Einheimischer gehts wohl kaum noch. Es gibt Hähnchen am Spiess, Shawarma, eine Art Döner, Pommes, Fruchtsäfte, verschiedene Saucen, Lammfleisch und vieles mehr. Der Besitzer ist super lieb und bemüht, putzt ca 4x unseren Tisch sauber, stellt uns eine ganze Packung Servierten auf den Tisch und wir bekommen als einzige Gäste Besteck. Die Einheimischen essen das Hähnchen mit den Fingern. Das Essen ist lecker und gut gewürzt mit 4 Euro pro Person incl Getränk sind wir dabei. 

Abends sitzen wir wieder zusammen spielen und trinken ein Glas Wein. Die Abende und Nächte sind recht kalt, das Thermometer sinkt auf 5 Grad. Wir hatten eigentlich erwartet, dass es in Marokko wärmer ist als auf dem spanischen Festland. Es dauert auch immer so bis zum späten Vormittag bis die Temperaturen anziehen und man die Jacke ausziehen kann. Der nächste Tag beginnt wieder früh.Es geht erneuet per Taxi zum Bahnhof, diesmal allerdings bringt uns der Zug in die andere Richtung. Casablanca ist das Ziel. Ein Marokkaner spricht uns erst auf Englisch, dann im perfekten Deutsch an. Er ist Autohändler und hat auch eine Firma in Deutschland. Er heißt uns herzlich Willkommen in seinem Land und wünscht uns einen schönen Aufenthalt. Casablanca begrüßt uns recht laut, um den sehr modernen Bahnhof herum ist alles eine große Baustelle. Unser Ziel ist die Moschee, es ist die drittgrößte Moschee der Welt und eine von zweien in Marokko, die man von Innen besichtigen kann, auch als Nicht-Moslem. Der Weg dorthin führt uns an einer recht viel befahrenen Strasse auf der einen Seite und einer nicht enden wollenden Baustelle auf der anderen Seite vorbei. Aber es ist auch der direkte  Weg zu Ricks Café. Genau, das Café, das im Film Casablanca eine Hauptrolle spielt. Wobei der Film wohl nicht in Casablanca gedreht wurde. Klar, machen wir einige Fotos vor dem noch geschlossenem Café.

Die Moschee ist leicht gefunden, hoch ragt das Minarett über die Stadt. Die Moschee bietet im Inneren Platz für bis zu 20000 Gläubige, aussen auf dem Vorplatz können noch ein Mal 80000 Menschen beten. Alles ist wahnsinnig groß.

Am Eingangsbüro kaufen wir Tickets für die nächste Führung, diese werden in fast allen Sprachen angeboten. Vor betreten der Moschee müssen wir unsere Schuhe ausziehen und bekommen kleine Tragetaschen um sie mitzunehmen. Wir sind total beeindruckt von der Größe des Gebäudes von den Steinmetzarbeiten und Holzarbeiten im Inneren. Nur drei Jahre hat es gebraucht um dieses Gebäude zu errichten und fertig zustellen. Unser Führer leiert ein paar Daten herunter, ist aber sonst nicht so doll motiviert uns seine Religion näher zu bringen oder uns zu Fragen zu ermutigen. Trotzdem war der Besuch der Moschee unglaublich beeindruckend ein wirkliches Highlight unserer Reise.

Von der Moschee aus geht es wieder in die Innenstadt von Casablanca, es ist laut und voll. Wir landen auf dem Souk von Casablanca, es ist ein mehr einheimischer Markt, es werden mehr nützliche Dinge angeboten und Obst und Gemüse, als Souvenirs, Teppiche usw. Motorräder und Radfahrer fahren auch umher, ein turbulentes Treiben um uns herum. Wären wir nicht zu viert gewesen, hätten Birger und ich wahrscheinlich einen größeren Bogen um diesen Teil des Marktes gemacht.  Aber zu viert fühlen wir uns sicherer und sind mutiger uns in dieser uns so fremden Kultur zu bewegen.

Am Ende des Strassengewirres treffen wir wieder auf eine Hauptstrasse, Cafés und Eisdielen säumen den Strassenrand. Genau das Richtige. Gemütlich trinken wir Café, essen ein Eis. Hinter uns ist der „bekannte“ Uhrenturm und in den Gassen um in herum befindet sich der touristischere Teil des Marktes. Hier finden wir wieder Klamotten ( klar alles Markenartikel für kleines Geld!), Taschen, Schuhe etc. Wir sind nun schon mutiger, gehen in die Läden rein und haben kein schlechtes Gewissen ohne Einkauf auch die Geschäfte wieder zu verlassen. Uns werden langsam die Füsse schwer, nach einem kurzen Abstecher in die Haupteinkaufsstrassen entscheiden wir uns zurück zum Bahnhof zu gehen. Das ist mit einem kleinem Umweg verbunden, da ich uns alle erst einmal in die falsche Richtung führe. Am Nachmittag kommen wir müde auf dem CP an. Die letzten Tage zu viert waren entspannt, wir verstehen uns gut  und so beschliessen wir, die nächsten Tage auch noch wieder gemeinsam zu verbringen. Dirk und Gudrun müssen Mitte Januar wieder in Malaga sein und wollen bis dahin auch noch etwas die Küste entlang fahren um dann über Marrakech zurück zu fahren. Unser nächstes Ziel ist Jadida. Die Stadt direkt am Meer, soll eine kleine Festungsanlage haben, die einen Besuch wert sein soll. Von Mohammedia fahren wir knapp 100 km nach Jadida, unser ausgewählte CP liegt recht Stadt nah und wir stehen nicht, wie Birger glaubte, alleine auf dem Gelände. Eher im Gegenteil. Der CP ist sehr gut besucht, unnötig zu erwähnen, dass fast nur Franzosen unsere Nachbarn sind. Wir stehen ganz nett unter Bäumen auf einer Wiese, die Sanitäranlagen sind nicht weiter erwähnenswert. Bis in die Stadt sind es knapp 2,5 km zu Fuss immer an der Strandpromenade entlang. Der Strand ist riesig lang und breit, viele Gruppen spielen Fussball oder Volleyball, zwei Männer spielen Fussballtennis und kommen dabei ordentlich in Streit.  Mal wieder gehen wir Café trinken und beobachten das Treiben um uns herum.

Auf dem Weg zur Festung legen wir noch einen Stop zum Mittagessen ein. Es ist ein Fischrestaurant, aber es gibt auch Pizza, was für mich wichtig ist, da ich kein Fisch mag. Gudrun und Birger bekommen zu erst ihr Essen, Dirk etwas später und ich als Letzte, wir merken, dass die Pizza aus der Nachbarschaft geholt wurde . Man hilft sich eben unter echten Gastronomen. In der kleinen Festungsanlage gibt es eine Gasse mit Souvenirgeschäften, spannender ist aber der Spaziergang auf der Festungsmauer mit Blick aufs Meer. Okay, so genau darf man nicht hinschauen, es ist schon ziemlich müllig, viel Plastik und Abfall liegt im Wasser. 

Wir schauen uns noch die  Zisterne an, eine Sehenswürdigkeit der kleinen Festungsstadt. Kann man gesehen haben, muß man aber nicht.

Uns zieht es zurück zur Promenade und es ist klar noch Zeit für einen Café bevor wir zurück zum CP laufen. Am nächsten Morgen gehts um 10.00 Uhr schon los, ca 190 km liegen vor uns bis in den Ort Essauira. Wir beschliessen nicht über die Autobahn zu fahren, sondern nehmen den Weg über die Landstrasse N 1. Für uns ergibt sich auf dem Weg durch die vielen Orte ein widersprüchliches Bild. Auf der Strecke werden wir von teuren, gepflegten Neuwagen überholt, neben uns fahren Menschen mit von Esel gezogenen Pritschenwagen, manchmal mit einem Handy am Ohr. Frauen tragen gepflücktes Gras auf ihrem Rücken, Jugendliche mit Mofa oder Fahrrad, ein Handy dabei.

Am Nachmittag kommen wir am Ziel an. Zuerst statten wir dem Carrefour-Supermarkt einen Besuch ab, zum einkaufen ist es wohl die teuerste Alternative in Marokko, aber der Supermarkt hat eine Lizenz um Alkohol zu verkaufen. Diese Lizenz ist nicht weit verbreitet im Land, auch nich notwendig, weil Moslems in der Regel keinen Alkohol trinken. Wir hin und wieder schon und so stocken  wir etwas unsere Vorräte auf. Der kleine nicht sehr gepflegte CP im Ort hat noch gerade zwei Plätze frei, so dass wir erst einmal unsere Fahrzeuge einparken.

Der CP liegt als einziger fussläufig zur Stadt und ist deswegen sehr gut ausgebucht. Wir machen uns auf dem Weg zum Strand, wir haben Hunger und suchen ein Restaurant. Der Strand ist riesig, es gibt eine tolle Strandpromenade mit vielen Cafés und Kneipen alles sehr westlich. Freundliche Marokkaner wollen uns sofort Kamelreiten, Pferdereiten oder auch Quadfahren am Strand verkaufen, im Hintergrund sehen wir Kitesurfer.

Ein etwas groteskes Bild. Wir lassen das alles ein wenig auf uns wirken und entscheiden uns dann in einer Nebenstrasse einheimisch zu essen. Es gibt Hähnchen, Shawarma und mexikanische Tacos, die Säfte kommen aus dem Laden gegenüber, die Pommes bringt der Kollege aus der Nachbar-Imbissbude. Alle arbeiten mal wieder zusammen!  Bei uns wäre so etwas eher nicht vorstellbar. Am nächsten Morgen laufen Birger und ich in den ca 2,5 km entfernten Stadtkern. Gudrun und Dirk wollen später mit dem Rad los.  Hinter der Stadtmauer liegen unzählige schöne Gassen mit noch mehr verschiedenen Shops, Klamotten, Gewürze, Korbarbeiten, Taschen, Schuhe, Kosmetik…nette Verkäufer. Es gibt viel zu sehen.

Wir schauen uns drei Galerien an und überlegen ob wir von den Bildern, die uns wirklich gut gefallen, welche kaufen sollen. Aber wir sind uns unsicher wegen der Preise. Klar wissen wir, dass hier Handeln zum guten Ruf gehört, aber was sind die Bilder tatsächlich wert bzw was sind wir bereit zu zahlen. Dies handeln müssen für alles und jedes auf den Märkten empfinden wir eher als anstrengend und mühselig. Bei einer Pause in einem kleinen Café entscheiden wir, erst mal keine Bilder zu kaufen. Dafür werde ich bei einem der schönen Gewürzstände schwach, vergesse im Vorfeld zu handeln, zahle zu viel, freue mich trotzdem über meine marokkanischen Gewürze.

Es ist unser letzter Abend zu viert. Gudrun und Dirk müssen in einigen Tagen wieder in  Malaga sein. Birger und ich entscheiden uns weiter in den Süden zu fahren, dort soll es wärmer sein. Auch haben wir nun erst einmal genug Städte und Souks gesehen und wollen nun an den Strand, ans Meer etwas faulenzen. Es war eine sehr schöne Zeit mit euch, Gudrun und Dirk, in Marokko, geniesst den Rest eures Urlaubes!

Fazit: In Marokko tauchen wir wirklich in eine andere Kultur ein. Nicht zu vergleichen mit den Ländern, die wir bereit bereist haben. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen imponiert uns, aber lässt uns auch etwas zurück weichen. Wir sind es nicht gewohnt so oft angesprochen zu werden, wollen nicht immer Nein sagen, aber auch nicht jeder Aufforderung sich etwa anzuschauen nachkommen. Das Land ist voller Gegensätze, die Schere zwischen Arm und Reich ist sehr groß auch der Unterschied zwischen Stadt und Landleben. Noch beobachten wir sehr viel, schauen zu, sind eher zurückhaltend. Fühlen uns aber gleichzeitig sehr wohl, gut aufgehoben in diesem Land.

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