Uruguay, Brasilien – Amazonas –

von Christiane

Uruguay, Brasilien -Amazonas-Flusskreuzfahrt- vom 25.05.-17.06.2018

Brasilien: Brasilien ist der flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößte Staat der Erde. Es ist das größte und mit über 200 Millionen Einwohnern auch das bevölkerungsreichste Land Südamerikas von dessen Fläche es 47,3 Prozent einnimmt. Brasilien hat mit jedem südamerikanischen Staat außer Chile und Ecuador  eine gemeinsame Grenze. Die ersten Spuren menschlicher Besiedlungen durch die Paläo-Indianer  reichen mehrere tausend Jahre zurück. Nach der Entdeckung Amerikas  und der Aufteilung des südamerikanischen Kontinents  wurde Brasilien eine portugiesische Kolonie. Diese mehr als drei Jahrhunderte andauernde Kolonialzeit, in der Einwanderer verschiedenster Herkunft (freiwillig oder gezwungenermaßen) nach Brasilien kamen, trug erheblich zur ethnischen Vielfalt des heutigen Staates bei. Nach der im Jahre 1822 erlangten Unabhängigkeit, auf die eine Zeit der konstitutionellen Monarchie folgte, wurde das Land 1889 als Vereinigte Staaten von Brasilien zu einer Republik. Nach der Zeit der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 kehrte das Land zur Demokratie mit einem  präsidentiellen Regierungssystem zurück. Laut dem Zensus des Jahres 2010 bekennen sich 64,6 % der Bevölkerung zur römisch-katholische Kirche . Dieser Anteil schrumpft seit Jahren immer weiter: Lag er 1960 noch bei 91 %, nahm er bis 1985 auf 83 % ab und betrug im Jahr 2000 nur noch 73,6 %. Teile des brasilianischen Katholizismus sind stark von afrobrasilianischen Traditionen beeinflusst. 22,2 % der Bevölkerung sind Protestanten. Diese Konfession kam seit dem 19. Jahrhundert mit deutschen Einwanderern ins Land. Im 20. Jahrhundert haben aber vor allem nordamerikanische Missionskirchen Erfolge erzielt. So gab es seit etwa 1960 eine Zunahme protestantischer Sekten und Freikirchen. Heute gibt es 35.000 Freikirchen in Brasilien. 2,0 % sind Anhänger des Spriritismus, 0,3 % bekannten sich zu afro-brasilianischen Religionen wie Candomble und Umbanda. Die wirtschaftliche Struktur Brasiliens ist gekennzeichnet durch die Kernsektoren Dienstleistungen mit ca. 65 %, Industrie mit 17 % und Agrarwirtschaft mit ca. 6,7 % BIP-Anteil.

Unser Wohnmobil haben wir nun am Hafen in Montevideo abgegeben. Zu Fuss machen wir uns auf den Weg zur Autovermietung. Es ist ein komisches Gefühl wieder in einem „normalen“ PKW zu sitzen. Wir haben das Gefühl direkt auf der Fahrbahn zu sitzen, die Sicht von oben fehlt uns ein wenig.  Von Montevideo geht es zurück zu Heinz und Silvia, dort hatten wir unser Gepäck deponiert, damit wir es nicht durch die Hauptstadt tragen müssen.  Kurz verabschieden wir uns von den anderen Campern und machen uns auf den Weg in unser Feriendomizil. Birger hat im Internet ein, zumindest den Bildern nach, schönes 60 qm Apartment in Punta del Este gefunden.  Es soll  sehr zentral zum Hafen und zum Strand liegen. Aber im Gegensatz zu anderen Angeboten war es sehr günstig. Wir überlegten länger wo der Haken denn sei,  fanden keinen und buchten. Wir sind gespannt. Am späten Nachtmittag erreichen wir den großen und bei Argentiniern und Uruguayern sehr beliebten Ferienort. Im uruguayischen Sommer von Ende November bis Anfang März geht es hier zu wie in Saint Tropez in Europa. Jetzt im Winter wirkt der Ort eher verschlafen. Unser neues Zuhause liegt im Edificio Lafette. Von Außen ist das Hochhaus nicht so ansehnlich. An der 24 Stunden Rezeption bekommen wir unseren Schlüssel und die kurze Wegbeschreibung in die Tiefgarage. Viele Autos stehen dort nicht. Nach längerem Suchen in der Garage finde ich auch einen Aufzug. Ziemlich klein, wir zwei, unser Koffer und zwei Rucksäcke passen gerade so rein. Etwas eng und die Geräusche auf dem Weg nach oben in den 11 Stock sind eher beunruhigend. Das Apartment gefällt uns sehr, es sieht tatsächlich  so hell und freundlich aus  wie auf den Bildern im Internet. Die große Glasfront gibt den Blick frei auf das Meer auf drei Seiten.

Wir sind super zufrieden und freuen uns auf die nächsten 11 Tage. Aus dem Auto müssen wir noch ein paar Sachen holen. Kurz überlegen wir lieber die 11 Etagen zu laufen anstatt den erneut den Aufzug zu nutzten. Aber die Faulheit siegt. Birger ist pfiffiger als ich und findet in der Tiefgarage eine Tür mit weiteren Aufzügen, hell, freundlich und größer. Die Geräusche  sich aber auch eher nichts für schwache Nerven. Ich hatte wohl vorher den Lastenaufzug bzw Angestellten Aufzug erwischt.Die nächsten 11 Tage geniessen wir die eigenen vier Wände und machen Urlaub. Spaziergänge am Strand, Essen gehen am Hafen, Bummeln durch die Stadt, vom Wohnzimmer aus aufs Meer schauen.  Die ersten fünf  Tage haben wir tolles Wetter und sind viel unterwegs.

Ein Sonntagsausflug führt uns nach El Diabolo.  Der Weg ist das Ziel, wir fahren die ersten 100 km nur am Meer entlang, durch kleine Orte, viel Landschaft. Nur um nach 180 Kilometer in dem kleine Ort am Meer etwas zu essen .Letztes Jahr waren wir hier mit dem Wohnmobil, aber unser Fahrzeug war zu groß für die schmalen Strassen, viele Leute waren unterwegs, einen Parkplatz haben wir auch nicht gefunden. Nun haben wir die „Dorfbesichtigung“ nachgeholt. Dann  wird  das Wetter herbstlicher, eben der Jahreszeit angepasst. Birger nutzt die Zeit und  beginnt die nächsten Reiseziele zu planen. Jeden Tag  hat  er neuen Ideen, recherchiert, verwirft,  plant um und neu und es beginnt der Kreislauf von vorne. Nach und nach gestaltet sich dann  ein Plan für die nächsten zwei Jahre. Europa und Afrika sollen es wohl werden. Während Birger sich in die Planungen vertieft schreibe ich Bericht und Emails, sortiere Fotos und lese faul ein Buch nach dem nächsten. Eine Reiseführer ist nicht dabei!

Nach 11 Tagen entspanntem Müßiggang geht es von Punta del Este zurück nach Montevideo. Sightseeing ist angesagt. Einige Male sind wir in den letzten zwei Jahren durch die Hauptstadt Uruguays oder an ihr vorbei gefahren, nun wollen wir sie uns in Ruhe anschauen. Am ersten Tag laufen wir durch die Fussgängerzone, bewundern den Hauptplatz und das Stadttor, gehen ein wenig am Meer spazieren.  Der Winter naht in Uruguay. Die Einheimischen sind warm angezogen, in mehreren Schichten, Handschuh, Mütze und Schal dürfen nicht fehlen. Wir empfinden die ca12- 15 Grad als nicht so kalt, haben auch eine Jacke dabei. Am späten Nachmittag finden wir ein kleines Restaurant und lassen es uns gut gehen. Am nächsten Morgen  nehmen wir an einer „Free Walking Tour“ durch die Stadt teil. Unsere Führerin zeigt uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt, erklärt Plätze, Strassen und Gebäude, erzählt uns Anekdoten aus der Geschichte und der Neuzeit. Drei Stunden vergehen wie im Flug. Den restlichen Nachmittag verbringen wir in einem gemütlichen Café, das eingerichtet ist, wie Omas Wohnzimmer. 

Unser Wohnmobil ist  noch auf dem Weg über Afrika nach Antwerpen Wir nutzen diese Zeit für einen letzten „Ausflug“ in Südamerika. Am nächsten Morgen verlassen wir ganz, ganz früh Uruguay und fliegen nach Manaus in Brasilien. Da die Fluggesellschaft unsere Flüge einige Male verschoben hat, so das die ursprünglichen Verbindungen alle nicht  mehr passten, sind wir den ganzen Tag unterwegs und  müssen zwei Mal umsteigen bevor wir am späten Abend Manaus erreichen. Es sind noch abends um 22.00 Uhr ca 30 Grad  und eine Luftfeuchtigkeit von über 80% in Manaus. Willkommen im tropischen Klima. Was ein Temperaturunterschied zu Montevideo. Birger hat ein wirklich schönes kleines Hotel gefunden und wir lassen den Abend an der kleinen Bar ausklingen. Am nächsten Morgen schauen wir uns  etwas die Stadt an, und erkunden den Weg zum Hafen. Nach 1,5 Stunden kommen wir total verschwitzt wieder im Hotel an….. was für eine Hitze.

Die Dame an der Rezeption schaut uns lächelnd an, und auf Nachfrage sagt sie, der Sommer habe ja noch nicht richtig begonnen, es sei jetzt angenehm  warm. Ach, so na dann! Wir haben in Montevideo ja auch nicht so gefroren wie die Einheimischen. Am Nachmittag verlassen wir dann das gut klimatisierte Hotel und machen uns mit unserem bisschen Gepäck auf den Weg zum Hafen. Hier erwartet uns schon unser schwimmendes Zuhause – die Ibero-Star -. Die nächsten Tage werden wir mit dem Schiff den Amazonas erkunden. Wir sind neugierig auf das Schiff, die Crew, die anderen Gäste und die Kabine. Freundlich werden wir empfangen, unsere Kabine ist gepflegt, geräumig und hat einen Balkon. Wir erkunden  das Schiff, es hat drei Decks, ca 70 Kabinen und Platz für ca 140 Passagiere. Also alles ganz gemütlich. Auf dem Sonnendeck gibt es einen Pool, eine Bar und jeden Mittag eine Art Snack Bar.

Am ersten Abend gibt es dann die offizielle Begrüssung und die Erklärung über den Ablauf der einzelnen Tage an Bord.  Die ersten drei Tage der Reise werden wir den  Rio Solimões, ein Teil des Amazonas, befahren Wir sind überrascht, es sind nur ca 30 Gäste an Bord. Davon sprechen 28 portugiesisch, da sie aus Brasilien kommen und dann sind da noch Birger und ich. Beim  gemeinsamen Abendessen fühlen wir uns erst etwas verloren aber Andrea und ihre Mutter aus Sao Paulo sprechen sehr gutes Englisch und binden uns freundlich ins Gespräch ein.

Am nächste Morgen startet der erste Ausflug schon um 8.00 Uhr mit kleineren Booten geht es raus auf den Amazonas und seine Nebenarme. Da die Trockenzeit gerade erst beginnt, ist der Fluss sehr breit und viele Teile stehen noch unter Wasser. Wir bekommen ein eigenes Boot mit eigenem Guide. David  führt uns in die Welt des Amazonas ein. Erklärt uns die Veränderungen zwischen Trocken- und Regenzeit, berichtet vom Leben der Menschen im Amazonasgebiet – er ist hier selber aufgewachsen – erzählt von der Geschichte und der Wichtigkeit des Flusses für das Land und zeigt uns viele unterschiedliche Vogelarten. Da wir alleine mit ihm sind nutzen wir die Möglichkeit ihn alles zu fragen was uns einfällt, wie und wo gehen die Kinder aus den Dörfern zur Schule (es gibt ja keine Strassen) wie sieht die medizinische Versorgung aus, wie oft bekommen die Dörfer Lebensmittel, womit verdient man hier sein Geld,  wir wollen alles über Religion, Politik und Alltagsleben wissen. Den Luxus einer privaten Tour haben wir leider nur an diesem Vormittag.  Die nächsten Touren führen uns in Dörfer im Amazonas, wir lernen alles über Maniok, machen tolle Fahrten durch den Regenwald, sehen Kaimane, Faultiere und verschiedene Vögel.

Bei einer Nachtfahrt, fängt unser Guide einen Kaiman im Wasser, und wir können uns das Tier aus der Nähe anschauen, bis es wieder ins Wasser gelassen wird.

Am zweiten Tag lernen wir eine Gruppe von drei befreundeten brasilianischen Paaren kennen, die gemeinsam diese  Flussfahrt machen. Fünf von ihnen sprechen perfekt deutsch, ihre Eltern sind noch vor Beginn des zweiten Weltkrieges aus Deutschland geflohen. Wir werden sehr herzlich in ihrem Kreis willkommen geheissen,  haben viel Spass mit einander und erfahren viel über das Leben in Brasilien.

Gemeinsam sitzen wir die nächsten zwei Tage in einem Boot und erkunden den Amazonas. Dabei erleben wir einheimische Fischer bei einem ganz großen Fang!

Am letzten Tag der ersten Reiseetappe kommen wir zu dem Punkt an dem der braune Rio Solimõe und der schwarze Rio Negro aufeinander treffen. Das Besondere ist, dass die beiden verschiedenfarbigen  Gewässer sich nicht mit einander verbinden, sondern „nebeneinander“ her fliessen. Der Grund dafür ist die unterschiedliche Zusammensetzung der beiden Gewässer, Anteil der Algen etc. Es ist wirklich ein besonderes Naturschauspiel. 

Leider verlassen uns  Beatrice und Luiz Roberto, Irene und Claudio, Martina und Renato am dritten Tag wieder, ihre sieben Tage an Bord sind bereits zu Ende.  Wir haben noch vier Tage vor uns. Einen Tag haben wir nun Aufenthalt in Manaus, Wir schauen uns das bekannte Opernhaus an und erfahren in einer Führung alles über die Geschichte dieses Musikhauses das fast mitten im Dschungel liegt. Dazu muss man vielleicht sagen, das Manaus, eine Stadt mit ca 1,8 Mio Einwohnern und damit 7.größte Stadt von Brasilien,  am besten mit dem Flugzeug oder mit dem Schiff zu erreichen ist. Die BR-174, ist die einzige Überlandverbindung von Brasilien nach Venezuela.

Für uns geht es nun weiter auf dem Rio Negro, der ist bekannt durch sein dunkle braunes bis schwarzes Wasser. Neue Gäste sind auf dem  Schiff angekommen, andere haben die Ibero Star verlassen. Ein Geschwisterpaar aus den USA, eine Mutter mit Tochter aus den USA, ein junges Ehepaar aus Italien und viele Brasilianer werden die nächsten vier Tage mit uns den Fluss erkunden. Wir schätzen wir sind nun so 70 Passagiere an Bord. Jeden Tag gibt es Touren mit dem Boot in den Regenwald, zu einem Museum, Nachtfahrten und ganz früh morgens zum Sonnenaufgang.  Wir besuchen eine Dorf mit großer, sehr gut ausgestattete Schule für die ganze Umgebung, ein Projekt von einigen ausländischen Firmen.

Der Höhepunkt ist dann das Schwimmen mit wilden rosa Flussdelphinen. An einer Stelle werden sie von einem Einheimischen mit Futter angelockt und wir dürfen sie im  Wasser stehend streicheln. Heute sind vier Delfine gekommen um sich uns zu zeigen. Nach 20 Minuten müssen wir wieder gehen und die Delfine schwimmen in den Fluss hinaus. Vielleicht kommen sie morgen ja schon wieder.

Nach einer tollen Woche auf dem Amazonas, ganz nah an der Natur, mit tollen Begegnungen, sehr interessanten Gesprächen, entspannten Stunden verlassen wir am frühen Morgen das Schiff.

Im Hotel treffen wir das Paar aus Italien wieder und verabreden uns für ein gemeinsames Abendessen. Alessandro möchte gerne in ein bestimmtes  „Grillrestaurant“ er hat darüber gelesen. Mit dem Taxi fahren wir am späteren Abend in das Restaurant  „Buffelo“. Es ist ein typisch brasilianischen Asado-Restaurant. Es gib ein großes Büffet mit vielen Beilagen, Gemüse, Kartoffeln, Salate etc, die Kellner gehen mit langen Fleischspiessen von Tisch zu Tisch und bieten jedem Gast ein Stück Fleisch an. Von  Würstchen, über Kaninchen , Huhn, Schwein und edles Rindfleisch gibt es alles. Der Kellner schneidet ein Stück vom Spiess herunter und mit einer kleinen Servierzange legt der Gast es sich dann selber auf den Teller. Klar, warten wir immer auf den Kellner mit dem tollen Rinderfilet, der kommt nur nicht ganz so oft vorbei…Der Abend mit den beiden ist wirklich schön, sie feiern ihren 10-jährigen Hochzeitstag und eine überstandene längere Krankheit. Die beiden Kinder sind bei den Grosseltern in Italien, so dass die beiden Eltern ganz viel Zeit für sich haben. Ernste und nachdenklich machende Gespräche begleiten den Abend, zwischen durch ist auch immer wieder Zeit für lustige Anekdoten. 

Von Manaus geht es dann am nächsten Nachmittag für uns mit dem Flugzeug nach Fortaleza. Eine große Stadt direkt am Meer. Hochhäuser säumen die Strandpromenade, es ist super heiss und vom Meer weht auch kein Lüftchen zur Abkühlung. Je später der Abend desto voller wird die Strandpromenade, ein richtiger Markt wird aufgebaut, viele Stände mit Klamotten, brasilianischem Fast Food, Früchte, Eis, Schmuck. Es wird Musik gemacht und irgendwie scheinen nur die Touristen zu schwitzen. Wir suchen uns ein Restaurant mit Terrasse und versuchen es mal mit der ein oder anderen Hopfenkaltschale gegen die Wärme. Beim einchecken vom Hotel haben wir nachgefragt, ob es ein Problem sei am nächsten Tag ein Taxi zum Flughafen zu bekommen, da Brasilien bei der Fussballweltmeisterschaft in Russland am nächsten Nachmittag ihr erstes Spiel hätte. Nein, kein Problem sagt die Dame an der Rezeption, jeder will und muss hier sein Geld verdienen, Fussball hin oder her. Wir schauen etwas skeptisch. Am nächsten Tag bitten wir länger im Zimmer bleiben zu dürfen, die Deutsche Fussball Nationalmannschaft spielt und Birger würde da Spiel gerne im klimatisiertem Hotelzimmer sehen. Während des Spieles schaue ich hin und wieder mal aus dem Fenster und sehe, dass das Angebot an Taxen am  Taxistand zunehmend schwindet. Nach Deutschland kommt das Spiel der Brasilianer. Also greifen wir uns mit dem Schlusspfiff des verlorenen Deutschlandspiel unsere Taschen und nehmen eines der beiden vor dem Hotel stehenden Taxen. Gestern Abend standen hier noch ca 15 Wagen. Über drei Stunden vor Abflug stehen wir schon am Flughafen, checken in Ruhe ein, essen etwas und schauen uns das Spiel der brasilianischen Mannschaft mit vielen anderen wartenden Fluggästen an. Dann gehts los, von Fortaleza fliegen wir zurück nach Deutschland. Nun ist unsere Reise von Nordamerika nach Südamerika tatsächlich beendet. Wir sitzen im Flugzeug und unser Womo ist auf dem Frachter schon fast in Europa. 

Aber es ist kein Grund melancholisch zu werden, obwohl wir es dann doch ein wenig sind. Aber  die Reise geht ja weiter. Fünf Tage nach Ankunft in Hamburg stehen wir schon wieder am Flughafen. Diesmal geht es nach Antwerpen. Unser Womo wartet auf uns. Wir landen in Brüssel und fahren mit dem Zug eine knappe halbe Stunde nach Antwerpen. Hier werden wir das Wochenende verbringen bevor wir am Montag unser Womo aus dem Hafen holen. So richtig Lust hatten wir nicht auf einen Wochenendtrip nach Antwerpen, aber als wir die Stadt sehen sind wir total begeistert. Etwas ärgern wir uns sogar, dass wir nicht mehr Zeit haben. Bei traumhaften Wetter erkunden wir die Innenstadt, mit der Fussgängerzone, den vielen schönen Gassen rechts und links, den tollen Fassaden, der Architektur und die vielen kleinen Restaurants und Bars. Natürlich probieren wir die belgischen Pommes, die Waffeln und das Bier, für Pralinen war kein Platz mehr. Am Sonntag machen wir ein „Free Walking Tour“ und lernen viel über die Skulpturen der Jungfrau Maria an vielen Häusern, warum die Stadt so gut erhalten ist, trotz des Krieges, wo der Name her kommt und vieles mehr. Es war nicht unser letzter Besuch in dieser tollen Stadt. 

Dann ist es endlich soweit: Montagmorgen 8.15 Uhr sind wir mit unserem Spediteur in seinem Büro verabredet, ein Paar aus Frankreich ist auch schon da, sie wollen ihren Landrover abholen. Wir kommen direkt ins Gespräch und so ist die Wartezeit schnell überbrückt. Mica, ein Mitarbeiter des Frächters, fährt mit uns gegen 8.40 Uhr zum Hafen. Zunächst geht es zum Zoll. Papiere werden abgegeben, Kopien ausgetauscht, wir stehen nur dabei und müssen nichts machen. Etwas ungewohnt für uns, da wir in den letzten vier Jahren immer alles selber machen mussten. Vom Zoll geht es mit dem Auto zum nächsten Gebäude, auf dem großen abgesicherten Parkplatz sehen wir schon das Wohnmobil. Ob es wohl ohne Beschädigung die Überfahrt überstanden hat? Wieder stehen wir nur daneben, während Mica sich um alles kümmert. Dann darf Birger auf den Parkplatz gehen und das Auto rausfahren, zur weiteren Kontrolle für den Zoll.  Ich warte gespannt!  Als Birger das Womo vorfährt zeigt er schon an, dass alles in Ordnung ist. Auch die Franzosen fahren ihr Auto unbeschädigt vom Parkplatz.  Mica erklärt uns, der Zoll wolle doch nicht mehr unsere Autos kontrollieren, wir dürften jetzt also fahren wohin wir wollten. Das ging ja einfach. Wir machen noch schnell ein paar Abschiedsfotos mit den Fahrzeugen und dann gehts auch schon los.

Es ist noch keine 10.00 Uhr und wir verlassen den Hafen. Jetzt müssen wir nur noch heil nach Norddeutschland kommen. Etwas mulmig ist uns, denn der TÜV an unserem Auto ist seit drei Jahren abgelaufen, klar wo sollten wir den auch machen lassen in den Amerikas. Aber ohne Probleme kommen wir Zuhause an. Das Womo kommt dann direkt in die Werkstatt. Bekommt  den TÜV, ein bisschen Pflege und ein paar Teile werden ausgetauscht. 

Jetzt kann es wieder los gehen. Wohin?  Klar, Richtung Süden in die Wärme. Marokko ist unser nächsten Ziel und Mitte September gehts schon wieder los!

Fazit: Nach der Reise ist vor der nächsten Reise. Lange haben wir uns auf die Fahrt von Nordamerika nach Südamerika gefreut, viel gelesen, Pläne geschmiedet, alles so gut vorbereitet wie wir unserer Ansicht nach konnten. Dann ging es im April 2014 los, und nun im Juni 2018 sind wir am „Ziel“ angekommen. Wobei der Weg ja das eigentliche Ziel war. Viele fragen uns was hat euch am besten gefallen, was war der schönste Ort, die schönste Landschaft?? Diese Fragen sind fast unmöglich zu beantworten. Wir haben so vieles Unterschiedliches gesehen und erlebt, in andere Kulturen reingeschnuppert, haben unglaublich tolle Leute kennengelernt, interessante Gespräche geführt, viel gelacht, gemeinsam gekocht, gegessen und getrunken, Gastfreundschaft und Hilfe erfahren, auch mal helfen dürfen. Einige Begegnungen waren nur kurz, aus anderen sind Freundschaften entstanden. Vier Jahre lange sind wir sicher und gesund auf der Panamericana unterwegs gewesen und haben uns überall so sehr Willkommen gefühlt. Wir sind so unglaublich dankbar, dass wir dies gemeinsam erleben durften! Danke an alle, die uns so auf der Reise begleitet haben.

 

Dieser Beitrag gehört zu Reiseberichte, Südamerika