USA: Texas vom 29.03.2015-10.04.2015

 Texas (Lone Star State):  Der Staat, mit dem wohlklingenden Namen „Staat des einsamen Sternes“ hat eine Fläche von 678054 qkm  auf diese teilen sich  ca 25 Mio Menschen. Die Hauptstadt ist Austin. Texas ist nach Alaska flächenmäßig der zweit größte Staat der USA. Auch von der Bevölkerungsanzahl ist es der zweitgrößte Bundesstaat nach Kalifornien. Texas hat neben der Ölproduktion viele andere wirtschaftliche Schwerpunkte wie zum Beispiel: Landwirtschaft (Baumwolle, Zucker), Viehhaltung, Luft- und Raumfahrttechnik etc. Berühmt ist der Bundesstaat für weite Flächen, Cowboys, Langhorn-Rinder, Fernsehserie “Dallas“, Öl

Unser erstes Ziel ist der National Park Big Bend. Dieser liegt ganz weit im Süden von Texas an der Grenze zu Mexico und drum herum gibt es eigentlich nichts. Nur recht trostlose kleine Orte. Dafür ist der 3200qkm große National Park um so eindrucksvoller. Die Campingplätze im Nationalpark direkt sind wie immer ein seltenes Gut, so dass wir schon am Mittag am Parkeingang sind. Dort hören wir, dass von den vier Campingplätzen schon zwei ausgebucht sind. Wir eilen den geraden Weg direkt zum Cottonwood CP. Als wir ankommen haben wir noch vier Stellplätze zur Auswahl eine Stunde später sind alle Plätze belegt.  Das Thermometer zeigt entspannte 32° C, es ist bewölkt und die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch!  Aber in der Nähe gibt es eine kurze Wanderung in den Canyon den Rio Grande hinein, die haben wir uns für den Nachmittag vorgenommen. Mit einem Rucksack voll Wasserflaschen und einem Fotoapparat bewaffnet geht es los. Auf dem  Strasse vor uns, bleibt ein Auto stehen, als wir es rasch überholen wollen, sehen wir den Grund des Stops. Eine Schlange auf der Fahrbahn….. wir drehen rasch und schauen uns das recht große Tier mal von der Nähe an.

Die Wanderung in den Canyon ist sehr schön, wir sehen kleine Schildkröten im Rio Grande schwimmen und im Canyon gibt es ein tolles Echo, jeder der Wanderer um uns herum probiert es aus, wir natürlich auch,  und gemeinsam gibt es viel zu lachen.

Nass geschwitzt, nicht wegen der Anstrengungen, sondern wegen der hohen Luftfeuchtigkeit kommen wir zum CP zurück. Die Luft steht und wir sitzen lange draussen, es regt sich kein Lüftchen und es wird eine warme Nacht mit ca 28°C. Die nächste Nacht wollen wir auf einem anderen CP im Park verbringen im Chison Basin, dieser CP liegt etwas höher und ist  sehr beliebt. Also nehmen wir den Rat unseres Camp-Host sehr ernst und verlassen schon um kurz nach 9.00 Uhr den CP und fahren durch den Park. Die Bergkulisse ist atmen-beraubend schön. Die Lupinen blühen gerade und die ersten Kakteen zeigen auch ihre Blüten. Die Wüste lebt!

Schon auf der Strasse in Richtung des neuen CP werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass der CP voll sei. Wir hoffen, dass Schild ist noch vom gestrigen Abend und lassen uns nicht beirren. Tatsächlich zwei Plätze für Wohnmobile sind noch frei und wir geniessen den Rundblick auf das Bergpanorama. Gleichzeitig ist es auch etwas kühler, sehr angenehm. Direkt vom CP geht eine dreistündige Wanderung zu einem schönen Aussichtspunkt los. Wir schultern den Rucksack und machen uns auf den Weg. Unterwegs möchte ich ein Foto von einem großen Felsen machen, trete etwas vom Weg ab und finde….. eine kleine Schlange…. schon wieder eine Schlange….. Ich bin nicht so der Schlangenfan. Ab sofort  ist Birger nun für die Fotos zuständig.

Am Aussichtspunkt angekommen geniessen wir eine tolle Aussicht aus dem „Window“ und machen uns eine halbe Stunde später auf den Rückweg.

Im nahgelegenen Visitorcenter  wollen wir das Internet nutzen und werden auf dem Parkplatz von Bill angesprochen und zwar auf Deutsch. Unsere Womorückseite hat ihn aufmerksam gemacht und nach einem kurzes Gespräch  auf dem Parkplatz lädt er uns zu sich nach Florida ein. Wir geben ihm unsere email Adresse und er verspricht sich zu melden. Zurück auf dem Campingplatz, haben wir mittlerweile neue Nachbarn bekommen in einem Mietwohnmobil und die Klänge aus dem Wohnmobil klingen sehr deutsch. Kristina und Horst aus Neubrandenburg sind für ein Quätschchen offen, zumal Birger mal in ihrer Heimatstadt gelebt hat und  sich dort sehr wohlgefühlt hat. Eine gute Gelegenheit viele Erinnerungen auszutauschen. Die beiden haben schon viel von der Welt gesehen von Afrika bis Australien und der Abend wird lustig und unterhaltsam. Von Kristina lerne ich, dass Horst, da er die Routen plant der Reiseleiter in ihrem Zweigespann ist und sie somit die Reisegruppe darstellt. Ab sofort bin ich bei uns auch die Gruppe mit ihren verschiedenen Teilnehmern ;-)! Liebe Grüße an den Reiseleiter und seine Gruppe!

Im Big Bend gibt es noch mehr zu sehen und wir entscheiden uns auch noch den dritten CP zu testen im Grand Village. An diesem Tag ist es über 30°C heiss und auch leider nicht mehr bewölkt, die geplante Wanderung fällt aus und wir schauen dem regen Treiben der Tierwelt um uns herum zu. In der Dämmerung kommen sogar die ersten Javalinas (auf deutsch Pekaris oder Nabelschwein)  auf die Wiese, sie sehen aus wie  Mini-Wildschweine.

Die nächsten Tage sind von langen Autofahrten geprägt, viel zu sehen gibt es nicht und wir versuchen zumindest nette Stellplätze an den Abenden zu finden. Es ist aber leider Ostern und Texas ist einer von 13 Bundestaaten, in denen Karfreitag  auch ein Feiertag ist. Also die Stellplätze sind alle voll an dem langen Wochenende. Uns treibt es an die Küste des Golf von Mexiko, wir haben wieder Lust auf Wasser, Meer und Strand. Also treten wir aufs Gaspedal und legen Kilometer zurück. In Riviera Beach sehen wir zum ersten Mal den Golf von Mexico, der Sandstrand ist recht klein, aber wir sind endlich wieder am Meer.

Im Padre Island NP finden wir genau was wir suchen, 65 Meilen Strand, ein Platz direkt hinter der Düne  mit schönem Meerblick und das ganze gibt es für 8 Dollar die Nacht. Wir bleiben und geniessen. Am Strand finden wir uns unbekannte „Tiere“, es sieht nicht aus wie eine Qualle, hat aber auch Tentakeln. In kleinerer Form haben wir diese „Tiere“ schon auf Vancouver Island am Strand gesehen.Wir machen erstmal „Beweisfotos“ und lernen dann, dass es sich um Seeblasen handelt  namens „Blue Portugese man-of-war“.  Die Tentakeln können bis zu 50 Meter lang werden und eine Berührung führt zu Verbrennungen, Quaddel-Ausschlag und starken Schmerzen,bis hin zu Lähmungserscheinungen. Selbst wenn sie nicht mehr Leben, sind die Tentakeln noch aktiv!

Weiter geht es dann Richtung Galveston, viele haben uns von der schönen Stadt schon erzählt. Über Brücken und mit Fähren geht es immer entlang der sehr schönen Golfküste. In Rockport werden Vogelbesichtungstouren per Boot angeboten, hier nisten  über 1000 Kraniche von November bis März.  Die Saison ist fast zu Ende, aber ein Boot geht noch auf Tour und Kraniche soll es auch geben. Viele Vogelkundler sind auf dem Boot und auch  der Kapitän hat ein riesiges Wissen, an dem er uns teilhaben lässt. Wir lernen mal wieder viele neue Namen von Tieren  und beschliessen erneut uns endlich mal ein Buch zu kaufen um das ein oder andere mal nachlesen zu können.

Irgendwo auf unserer Weiterfahrt checken wir unsere emails und sind freudig überrascht, dass Bill aus Florida uns geschrieben hat und seine Einladung wiederholt. Klar, werden wir ihn und seien Frau Sue auf unserem Weg durch Florida besuchen!

Weiter geht es aber erstmal auf Galveston Island. Vorbei an tollen Häusern, alle auf Stelzen gebaut, bestaunen wir den langen Sandstrand und die tollen Villen.Es gibt auch einen schönen State Park mit  Stellplätzen, Strand und Meerblick und einigen kleinen Sumpfgebieten. Nach so vielen Kilometern im Auto  satteln wir nun die Fahrräder und erkunden den Park mit unseren Drahteseln. Viele Vögel erkenne wir wieder von unserer Bootstour, die meisten Namen haben wir leider wieder vergessen.

Am nächsten Tag beschließen wir im nahen Galveston nach langer Zeit mal wieder entspannt frühstücken zu gehen. Das Wetter ist eher grau, wir haben viel Zeit und machen uns auf die Suche nach einem schönen Bistro oä. Galveston hat einen kilometerlangen Strand mit Uferpromenade an der eine große Hauptstrasse entlang führt. Auf der anderen Seite der Strasse reihen sich Läden aller erdenklichen  Fastfoodketten aneinander. Das ist allerdings nicht das,  was wir uns so unter einem gemütlichen Frühstück vorgestellt hatten.  Wir fahren die Uferpromenade noch mal rauf und runter und sehen ein Lokal in dem viele Leute sitzen. Da wollen wir auch rein. Aber es gibt nicht so viele Parkplätze für so große Fahrzeuge wie unseres. Zwei oder drei Mal umkreisen wir das Lokal und siehe da, plötzlich haben wir drei Plätze zur Auswahl, während wir noch so überlegen und diskutieren ( Birger im Auto, ich schon auf dem Parkplatz stehend), kommt ein roter PKW angefahren möchte einparken und ist etwas unsicher welchen Platz wir denn jetzt nehmen und wo er sich hinstellen kann. Mit Mimik und Gestik findet jeder sein Plätzchen und auf dem Weg ins Lokal  gibt es noch ein bisschen Smalltalk mit der freundlichen, älteren Lady mit dem roten Auto. Sie geht wohl mit ihren Töchtern frühstücken. Unsere Wege trennen sich im Lokal. Das Essen ist wirklich gut, wir haben einen Platz mit Blick aufs Meer und der Tag ist unser Freund. Nach dem Essen kommt die Kellnerin an unseren Tisch und erzählt uns, dass unsere Rechnung bereits bezahlt worden sei. Etwas erstaunt fragen wir zweimal nach um sicher zu gehen, dass wir sie richtig verstanden haben. Ja, wir haben richtig verstanden. Als wir fragen wer der edle, freundliche Spender sei, sagt sie uns, dies sei eine ältere Lady…. aha! die Lady aus dem roten Auto. Diese versucht sich gerade unbemerkt  aus dem Ausgang heraus zu stehlen, wir gehen hinter her wollen uns bedanken, sie winkt nur ab und sagt, dass hätte sie gerne getan! Warum? Wissen wir nicht, aber wir freuen uns riesig über diese nette Geste!

Etwas perplex verlassen wir Galveston. Eine  Fähre  bringt uns  auf die Bolivar Peninsula. Immer am Meer und Sumpfgebieten entlang geht die Fahrt weiter.

Irgendwann erreichen  wir  Port Arthur. Eine nicht wirklich schöne Stadt, da  überall riesige Ölraffinerien rumstehen. Shell, Chevron, Valero, Exon  usw alle alle sind hier vertreten.

Aber es gibt eine kleine vorgelagerte Insel mit zwei Campingplätzen. Diese liegen auch sehr schön sind allerdings von Dauercampern total belegt, also hier wohnen Arbeitern von den Raffinerien in ihren großen Campern, weil sie auch lieber mit netter Aussicht wohnen als in der Stadt drinnen. Verständlich, aber Schade für uns!  Es gibt noch eine State Park  40 km entfernt. Der  Sea Rim SP hat  angeblich  10 Stellplätzen. Eigentlich sind wir genug gefahren, aber wir versuchen unser Glück. Der SP liegt wunderschön am Meer und drum herum ist ein Sumpfgebiet. Es gibt einen Boardwalk durch die „Seen“, mit einem interessanten Warnschild.

Etwas umsichtiger laufen wir über die Holzbrettern und sehen viele verschieden Vogelarten, große Krabben und Schildkröten aber keinen Alligator.

Etwas enttäuscht laufen wir am Meer zurück zum Womo und dann sehen wir doch noch einen Alligator aus dem Wasser schauen! Unser erster Alligator in den USA!

Abends bekommen wir dann die Quittung direkt aus dem Sumpfgebiet. Trotz Mückengittern vor allen Fenstern und Türen, haben wir das ganze und wirklich das ganze Womo voll mit Mücken wir schätzen so 70 Stück. Einmal das Womo  verlassen und wieder reinkommen, zack 20 neue Tiere haben sich bei uns eingeladen. Die nächsten drei Stunden sind wir mit der Mückenjagd beschäftigt und auch in der Nacht ärgert uns die eine oder andere Mücke noch….. mich stechen sie ziemlich…..Ja, da haben wir mal wieder Lehrgeld gezahlt…. im Sumpfgebiet immer vor der Dämmerung schon im Womo sitzen…. Das war  erst ein  kleineres Sumpfgebiet, die großen Swamps kommen ja noch im Bundesstaat  Louisiana…..

 Fazit: Von Texas hatten wir ein anderes Bild im Kopf. Geprägt von der Fernsehserie haben wir  Cowboys auf Pferden mit Cowboyhut an jeder Ecke erwartet, viele Ölfelder, trockenes Land. Bekommen haben wir eine tolle Golfküste, mit endlos langen Stränden, nette schöne Orte, tolle Häuser, Sumpfgebiete und eine riesige Vogelwelt. Ach, ja und Schlangen.

 

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